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Konjunkturprognose: Beschäftigung erreicht neuen Rekord

Bereits seit 2013 wächst die deutsche Wirtschaft fast ununterbrochen – und das wird vorerst auch so bleiben. Zwar schwächt sich das Wachstum 2017 laut IW-Prognose ein bisschen ab, doch das hat vor allem statistische Gründe. Besonders erfreulich: In diesem und im nächsten Jahr werden insgesamt eine Million neue Arbeitsplätze entstehen und die Beschäftigung auf ein neues Rekordniveau hieven.

Kernaussagen in Kürze:
  • Laut der Konjunkturprognose des IW Köln wird die deutsche Wirtschaft 2017 um 1 ½ Prozent und im Jahr 2018 um 1 ¾ Prozent wachsen.
  • Der IW-Konjunkturumfrage zufolge rechnet fast die Hälfte der befragten 2.800 Unternehmen für 2017 mit einem Anstieg der Produktion.
  • Auch der Arbeitsmarkt steht vor neuen Rekorden – allerdings wird die Arbeitslosigkeit längst nicht so stark sinken, wie die Beschäftigung zunimmt.
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Brexit? Trump? Schulden- und Finanzkrise? Noch vor wenigen Monaten sind die meisten Konjunkturforscher davon ausgegangen, dass sich die zunehmenden politischen Unsicherheiten deutlich in der globalen Wirtschaftslage niederschlagen würden. Doch nichts da: Der weltweite Handel floriert wieder – und das hält die deutsche Volkswirtschaft auf Kurs (Tabelle):

Laut IW-Prognose wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1 ½ Prozent und im Jahr 2018 um 1 ¾ Prozent steigen.

Das sind zwar etwas schwächere Werte als im vergangenen Jahr, als die Wirtschaft noch um 1,9 Prozent zulegte, doch das ist leicht zu erklären: Zum einen schwächt sich der Konsum aufgrund der anziehenden Inflation etwas ab, zum anderen gibt es im Jahr 2017 drei Arbeitstage weniger als im vergangenen Jahr. Ohne diese Effekte würde das Wachstum 2017 im Durchschnitt der vergangenen Jahre liegen.

Laut IW-Prognose wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1 ½ Prozent und im Jahr 2018 um 1 ¾ Prozent wachsen.

Diese Prognose wird von den Ergebnissen der IW-Unternehmensbefragung bestätigt (Grafik):

Fast die Hälfte der rund 2.800 befragten Unternehmen erwartet für 2017 einen Anstieg der Produktion, nur jedes zehnte rechnet mit einem Rückgang.

Außenhandel wächst wieder stärker

Zwar werden die deutschen Exporte 2017 und 2018 einen Tick weniger zulegen als der Welthandel, der in beiden Jahren jeweils um 3 ¼ Prozent wachsen dürfte. Das deutsche Ausfuhrplus von je 3 Prozent ist gegenüber 2016 dennoch eine Verbesserung.

Weil die deutschen Importe in diesem und im kommenden Jahr um jeweils 4 Prozent steigen, bremst der Außenbeitrag das Wachstum leicht ab – und der Leistungsbilanzüberschuss verringert sich entsprechend.

Das erneute Plus bei den Exporten spiegelt sich auch in der IW-Konjunkturumfrage wider:

Fast ein Drittel der Unternehmen in Deutschland erwartet für das Jahr 2017 höhere Ausfuhren – nur knapp 11 Prozent rechnen mit sinkenden Exporten.

Allerdings gibt es dabei einen recht großen Unterschied: Während in Westdeutschland auf drei Optimisten nur ein Pessimist kommt, halten sich die beiden Lager in Ostdeutschland fast die Waage.

Investitionsklima verbessert

Auch die Investitionsperspektiven haben sich wieder merklich verbessert. Hielten sich die Unternehmen in Deutschland wegen des unsicheren globalen Umfelds im vergangenen Jahr noch zurück, planen in diesem Jahr fast 43 Prozent der Betriebe höhere und nur 14 Prozent niedrigere Investitionen als 2016. Das gilt sowohl für die Industrie als auch für die Dienstleistungsunternehmen.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei den Ausrüstungsinvestitionen. Nachdem sie im vergangenen Jahr nur um gut 1 Prozent zulegen konnten und 2017 sogar noch einen Hauch schwächer ausfallen, werden sie im nächsten Jahr um 3 Prozent steigen – ein Indiz, dass die Unternehmen zuversichtlicher werden und deshalb mehr in neue Maschinen und Anlagen investieren.

Konsumlaune weiterhin gut

In den vergangenen beiden Jahren sind die privaten Konsumausgaben in Deutschland um je 2 Prozent gestiegen und haben damit einen Großteil des Wirtschaftswachstums ausgelöst.

Verantwortlich dafür waren vor allem die gute Entwicklung der Beschäftigung, der Rückgang der Ölpreise sowie die niedrigen Zinsen, die es den Verbrauchern leichter machen, zum Beispiel die Anschaffung eines Autos über Kredite zu finanzieren.

In diesem und im kommenden Jahr werden die Konsumausgaben der Bundesbürger zwar nicht ganz so stark zulegen wie in den Vorjahren, Grund zur Klage gibt es allerdings nicht. Denn zusammen mit den staatlichen Ausgaben sorgt der private Konsum weiterhin für einen Großteil des Wachstums.

Arbeitsmarkt vor neuen Rekorden

Die IW-Konjunkturumfrage lässt darauf schließen, dass der seit Jahren anhaltende Aufbau von Arbeitsplätzen in Deutschland auch dieses Jahr weitergeht.

Fast 40 Prozent der befragten Unternehmen wollen neue Mitarbeiter einstellen, nur knapp 12 Prozent erwarten einen Stellenabbau. Nur im Frühjahr 2007 und 2011 war der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen noch besser.

Im Jahresdurchschnitt 2017 wird die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um 580.000 oder 1,3 Prozent steigen.

Damit werden in diesem Jahr erstmals mehr als 44 Millionen Erwerbstätige gezählt – und dieser Rekord sollte schon im kommenden Jahr gebrochen werden.

Ein kleiner Wermutstropfen: Die Arbeitslosigkeit wird nicht annähernd so stark sinken, wie die Beschäftigung zunimmt. Während 2017 und 2018 insgesamt rund eine Million neue Arbeitsplätze entstehen, wird die Zahl der registrierten Arbeitslosen nur um knapp 200.000 zurückgehen.

Wegen des Beschäftigungsaufbaus wird die Arbeitslosenquote dennoch sinken – von 6,1 Prozent im vergangenen Jahr auf 5 ¾ Prozent in diesem und 5 ½ Prozent im nächsten Jahr.

Weil sich die meisten Flüchtlinge noch in integrations- oder arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen befinden, wird sich ihr Einfluss auf den Arbeitsmarkt erst nach und nach im kommenden Jahr bemerkbar machen.

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