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Konjunktur fasst wieder Tritt

Die Wirtschaft in der Europäischen Währungsunion ist im zweiten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen – das war das erste Plus seit fast zwei Jahren. Um aus dieser zaghaften Erholung allerdings einen nachhaltigen Aufschwung zu machen, müssen zumindest einige Länder noch weitere Reformen anpacken.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Wirtschaft in der Europäischen Währungsunion ist im zweiten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen – das war das erste Plus seit fast zwei Jahren.
  • Portugal und Irland konnten im zweiten Quartal 2013 einen Anstieg ihrer Wirtschaftsleistung verbuchen.
  • In Spanien, Portugal und Italien sind die Waren- und Dienstleistungsexporte von 2009 bis 2012 real um mehr als 20 Prozent gewachsen.
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Immerhin lässt sich der jüngste Aufwärtstrend quer durch den gesamten Euroraum beobachten. Zwar ziehen die großen Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich, deren Wirtschaft in diesem Frühjahr um 0,7 bzw. 0,5 Prozent wuchs, den Durchschnitt der Eurozone nach oben (Grafik). Doch auch in den von der Schuldenkrise geplagten Ländern ging es konjunkturell zuletzt aufwärts:

Portugal und Irland konnten im zweiten Quartal 2013 einen Anstieg ihrer Wirtschaftsleistung verbuchen.

In Spanien und Italien hat sich der Rückgang immerhin deutlich verlangsamt, und Konjunkturforscher rechnen für das Jahresende mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Griechen allerdings können wohl frühestens 2014 auf schwarze Zahlen hoffen.

Die günstigeren Konjunkturdaten im Euroraum lassen auch die Verbraucher zuversichtlicher nach vorn blicken – laut dem Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK gehen die Menschen in fast allen europäischen Ländern inzwischen davon aus, dass sich ihre finanzielle Lage verbessern wird.

Bislang ist jedoch der Außenhandel die treibende Kraft hinter der konjunkturellen Trendwende, gerade in den Euro-Krisenstaaten (Grafik):

In Spanien, Portugal und Italien sind die Waren- und Dienstleistungsexporte von 2009 bis 2012 real um mehr als 20 Prozent gewachsen.

Zugleich hat die schwache Binnennachfrage in den Krisenländern den Anstieg der Importe gedämpft – seit 2009 gab es meist nur ein Plus im einstelligen Prozentbereich, in Griechenland gingen die Einfuhren sogar um 33 Prozent zurück. Zusammen ließ das die Leis­tungsbilanzdefizite schrumpfen. Irland verbuchte 2012 sogar einen Überschuss von 5 Prozent des BIP.

Der positive Trend im Exportsektor belegt, dass die Strukturreformen zu wirken beginnen. Portugal und Spanien etwa dürften nicht zuletzt von den Liberalisierungen auf dem Arbeitsmarkt profitieren. Dass zum Beispiel der Kündigungsschutz gelockert wurde und Abfindungen bei Entlassungen reduziert wurden, hat die Arbeitskosten sinken lassen und so die Ausfuhren angekurbelt. All dies kommt inzwischen auch den Jobsuchern zugute (Grafik):

Die Arbeitslosenquote ist in Spanien im Verlauf des Sommers 2013 saisonbereinigt um 0,2 Prozentpunkte zurückgegangen, in Portugal sogar um 0,5 Prozentpunkte.

Doch bis die verbesserten Rahmenbedingungen den Arbeitsmarkt richtig in Schwung bringen, dürfte noch viel Zeit vergehen. Die aktuelle Beschäftigungslage ist vielerorts dramatisch. In Spanien und Griechenland findet jeder vierte Erwachsene, der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, keine Stelle; unter Jugendlichen ist die Quote noch höher.

Italiens Arbeitsmarktdaten sind zwar nicht ganz so desaströs – Anzeichen für eine deutliche Verbesserung fehlen aber ebenso, zumal die Regierung in Rom zuletzt kaum Reformeifer gezeigt hat. Die Schwierigkeiten für neue Unternehmen, auf dem italienischen Markt Fuß zu fassen, eine hohe Regulierungsdichte vor allem im Servicesektor sowie extrem hohe Energiekosten machen dem Produktionsstandort Italien nach wie vor schwer zu schaffen.

All dies schlägt sich im Globalen Wettbewerbsfähigkeitsindex des Weltwirtschaftsforums nieder – dort hat sich Italien innerhalb eines Jahres um sieben Plätze auf Rang 49 von 148 Ländern verschlechtert. Bei der Arbeitsmarkteffizienz belegt Italien sogar nur Platz 137.

Auch Frankreich ist noch nicht aus dem Schneider. Zwar hat die Regierung unter anderem den Kündigungsschutz flexibler gestaltet, aber der Arbeitsmarkt bleibt relativ rigide – vor allem aufgrund des sehr hohen gesetzlichen Mindestlohns von 9,40 Euro je Stunde. Die industriellen Arbeitskosten je Stunde sind in den vergangenen zehn Jahren um fast 40 Prozent gestiegen. Damit hat sich die Produktion in Frankreich deutlich stärker verteuert als anderswo – in Deutschland zum Beispiel erhöhten sich die industriellen Arbeitskosten im selben Zeitraum um 24 Prozent. Zudem war das Kostenplus in Frankreich größer als das Produktivitätswachstum.

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