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Kongos blutige Schätze

Viele Staaten wollen der humanitären Katastrophe, die sich derzeit im Kongo abspielt, nicht länger tatenlos zusehen. Da die kongolesischen Milizen sich insbesondere durch den Handel mit Rohstoffen finanzieren, wollen die USA und die EU bestimmte „Konfliktrohstoffe“ vom Markt verbannen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die kongolesischen Milizen finanzieren sich insbesondere durch den Handel mit Rohstoffen - die USA und die EU wollen daher bestimmte „Konfliktrohstoffe“ vom Markt verbannen.
  • Industriebetriebe, die einen der vier Konfliktrohstoffe Coltan, Zinnerz, Gold oder Wolfram in der Produktion einsetzen, sollen demnach von ihren Lieferanten einen Nachweis einfordern, dass die Rohstoffe nicht aus einer von Milizen kontrollierten Mine stammen.
  • Für einen Jumbojet müssten rund eine Million Zertifikate erstellt und verwaltet werden, um den Nachweis zu führen, dass keine Konfliktminerale verbaut sind.
Zur detaillierten Fassung

Als Konfliktrohstoffe gelten Bodenschätze und Rohstoffe, die illegal durch Rebellen oder Milizen abgebaut und/oder gehandelt werden. Das politische Ziel, diese Geldquellen zum Versiegen zu bringen, trifft allerdings auf eine seit Jahren steigende Nachfrage nach diesen Rohstoffen. Coltan zum Beispiel ist ein Erz, das für die Herstellung von Smartphones und Computern unerlässlich ist – im vom Bürgerkrieg geplagten Kongo wurden davon im Jahr 2011 rund 380 Tonnen gefördert (Grafik), damit gehört das Land zu den drei wichtigsten Anbietern.

Die USA haben im Jahr 2012 eine Ergänzung in den Dodd-Frank Act eingefügt: Industriebetriebe, die einen der vier Konfliktrohstoffe Coltan, Zinnerz, Gold oder Wolfram in der Produktion einsetzen, sollen demnach von ihren Lieferanten einen Nachweis einfordern, dass die Rohstoffe nicht aus einer von Milizen kontrollierten Mine stammen.

Die US-Unternehmen müssen dazu ein Berichtswesen aufbauen, das entlang der gesamten Lieferkette die Herkunft von potenziellen Konfliktrohstoffen dokumentiert. Der Aufwand ist enorm:

Für einen Jumbojet müssten rund eine Million Zertifikate erstellt und verwaltet werden, um den Nachweis zu führen, dass keine Konfliktminerale verbaut sind.

Nicht nur amerikanische Firmen, auch ihre weltweiten Handelspartner müssen die Nachweise leisten.

Die Vorschrift ist bislang allerdings wenig erfolgreich: Statt den Milizen die finanzielle Grundlage zum Waffenkauf zu entziehen, floriert der Schmuggel. Die Konflikt­rohstoffe aus dem Kongo werden in die Nachbarstaaten befördert, um den Herkunftsnachweis zu fälschen.

Statt in der gesamten Wertschöpfungskette umfangreiche Nachweispflichten vorzuschreiben, könnte man sich vielmehr auf die weltweit rund 200 Schmelzen konzentrieren, die Konfliktrohstoffe einschmelzen. Mit dem in Deutschland entwickelten „Geochemischen Fingerabdruck“ ließe sich in den Schmelzen sogar die Herkunft des Coltans identifizieren. Anhand der stofflichen Zusammensetzung können nämlich die einzelnen Minen bestimmt werden, aus denen die Rohstoffe stammen. Allerdings ist das nur vor dem Schmelzprozess möglich. Wenn die Unternehmen ihre Lieferanten verpflichten, nur aus zertifizierten Schmelzen zu kaufen, wird den Bürgerkriegsmilizen so mit geringem Aufwand die Finanzierungsgrundlage entzogen.

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