Familienpolitik Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Kommunen können mithelfen

Die Betreuungszeiten in Kita und Schule, die Öffnungszeiten der Geschäfte oder die Abfahrtszeiten von Bus und Bahn – sie alle haben einen großen Einfluss darauf, ob der Familienalltag rundläuft. Vor allem aber machen familienfreundliche Zeitstrukturen es Müttern und Vätern leichter, in gewünschtem Umfang erwerbstätig zu sein. Die Kommunen können hier wichtige Unterstützung bieten.

Kernaussagen in Kürze:
  • In ländlichen Regionen mit niedriger Arbeitslosigkeit konnten 2013 knapp 40 Prozent der Mütter nicht wie gewünscht länger als bisher oder überhaupt arbeiten, weil Kinderbetreuungsangebote fehlten – in den Städten waren es sogar 52 Prozent der Mütter.
  • Von den in der Stadt lebenden Müttern berichteten 72 Prozent, die Betreuungszeiten würden nicht zu den möglichen Arbeitszeiten passen – in ländlichen Regionen standen sogar mehr als 80 Prozent der Mütter vor diesem Dilemma.
  • Bei der Lösung der Probleme sind auch die Kommunen gefordert, indem sie zum Beispiel die Betreuungszeiten erweitern oder die Abfahrtszeiten von Bussen und Bahnen auf die Betriebszeiten der Unternehmen oder die Trainingszeiten von Sportvereinen abstimmen.
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Wenn die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind, wollen viele Eltern gerne (wieder) in den Job einsteigen oder die Arbeitszeit verlängern. Doch allzu oft stehen der Erwerbstätigkeit diverse – vor allem organisatorische – Hindernisse im Weg. Das zeigt auch eine von der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführte Befragung von 1.200 Müttern mit unter 15-jährigen Kindern.

Demnach sagte zwar selbst in Regionen mit einem florierenden Arbeitsmarkt gut die Hälfte der Mütter, die gerne (länger) arbeiten wollten, dass es keine passende Stelle für sie gäbe – in ländlichen Gebieten mit schwierigerer Arbeitsmarktlage betrug der Anteil sogar 65 Prozent. Doch oftmals scheiterte der Jobwunsch auch schlicht an praktischen Gründen (Grafik):

In ländlichen Regionen mit niedriger Arbeitslosigkeit konnten knapp 40 Prozent der Mütter 2013 nicht wie gewünscht länger als bisher oder überhaupt arbeiten, weil Kinderbetreuungs­angebote fehlten – in den Städten waren es sogar 52 Prozent der Mütter.

Für jeweils 19 Prozent der befragten Frauen war der mangelhafte öffentliche Personennahverkehr der Grund, warum sie nicht in gewolltem Umfang erwerbstätig sein konnten.

Ein näherer Blick auf die Mütter, die vor allem mit der Betreuungssituation Probleme hatten, ergab zum einen, dass die Frauen häufig mit den Kosten überfordert waren (Grafik). Mehr als zwei Drittel der Befragten in den Städten fanden die Betreuungsangebote zu teuer, auf dem Land war es gut die Hälfte. Zum anderen hatte aber auch der Faktor Zeit einen großen Einfluss:

Von den in der Stadt lebenden Müttern berichteten 72 Prozent, die Betreuungszeiten würden nicht zu den möglichen Arbeitszeiten passen – in ländlichen Regionen standen sogar mehr als 80 Prozent der Mütter vor diesem Dilemma.

Oft waren die Betreuungszeiten in Kitas und Schulen auch schlicht zu kurz und/oder es fehlte an Betreuungsmöglichkeiten in den Ferien.

Bei der Lösung all dieser Probleme sind auch die Kommunen gefordert. Städte und Landkreise müssen zum Beispiel nicht nur eine ausreichende Zahl an Betreuungsplätzen für Kinder – oder auch an Pflegeplätzen – bereitstellen. Sie sind auch in der Pflicht, die Betreuungszeiten gegebenenfalls zu erweitern und mit den Arbeitszeiten der Eltern in Einklang zu bringen.

Weiterhin können die Kommunen etwa dafür sorgen, dass die Abfahrtszeiten von Bussen und Bahnen auf die Betriebszeiten der Unternehmen oder die Trainingszeiten von Sportvereinen abgestimmt werden.

Nicht zuletzt können kommunale Behörden den Familien das Leben erleichtern, indem sie ein möglichst umfangreiches Online-Angebot zur Verfügung stellen und durch ein gutes Zeitmanagement Wartezeiten in den Ämtern verkürzen.

Einige Städte haben in Sachen Zeitpolitik schon vor Jahren neue Wege beschritten (Kasten). Um die Situation für Mütter und Väter weiter zu verbessern, haben sich 2013 insgesamt 39 deutsche Großstädte zur Initiative „Neue Zeiten für Familien“ zusammengeschlossen. Sie zielt darauf ab, die Zeitstrukturen in den Städten familienfreundlicher zu gestalten.

Zudem hatte das Bundesfamilienministerium 2012 gemeinsam mit fünf lokalen Bündnissen für Familien das Modellprojekt „Kommunale Familienzeitpolitik“ gestartet. Zu den im Rahmen des Projekts erarbeiteten und umgesetzten Maßnahmen zählt etwa der Betreuungs-Engpass-Notruf in Neu Wulmstorf bei Hamburg, der im Bedarfsfall unbürokratisch und schnell eine Betreuungsperson vermittelt. Und der Landkreis Donau-Ries hat einen Zeitatlas erstellt, der unter anderem aufzeigt, in welchen Gemeinden aufgrund zu kurzer Betreuungs- oder Ladenöffnungszeiten Zeitkonflikte für Familien entstehen. Damit können die Probleme zielgenau vor Ort gelöst werden.

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