Flexible Arbeitszeiten Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Kommen und gehen, wie es passt

Mit sogenannten Langzeitkonten können Arbeitnehmer ihre Arbeitszeiten während des gesamten Erwerbslebens flexibel gestalten. Doch bislang bieten nur sehr wenige Unternehmen in Deutschland dieses Modell an.

Kernaussagen in Kürze: Zur detaillierten Fassung

Eigentlich ist so ein Lebensarbeitszeitkonto eine prima Sache: Über die gesamte Berufstätigkeit hinweg können Arbeitnehmer dort ihre Überstunden, Prämien und Sonderurlaube ansammeln, um bei Bedarf bei vollem Gehalt wochen- oder monatelang frei zu haben – sei es, weil der Mitarbeiter vorübergehend mehr Zeit für die Kinder braucht, ein Sabbatical einlegt, Angehörige pflegt oder vorzeitig in Rente geht.

Seit dem Jahr 2009 ist diese sogenannte biografieorientierte Form der Arbeitszeitgestaltung neu geregelt – durch das „Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen“, auch „Flexi-II-Gesetz“ genannt. Und erst kürzlich forderte die Bundesregierung in ihrer Demografie-Strategie, den Familien mehr Zeitsouveränität zuzubilligen – etwa durch eine flexiblere Elternzeit oder durch Lebensarbeitszeitkonten.

In der Praxis jedoch ist es mit der langfristigen Zeitsouveränität von Arbeitnehmern noch nicht sonderlich weit her (Grafik):

Gerade mal 2 Prozent der Betriebe in Deutschland, also rund 40.000 Unternehmen, führen Lebensarbeitszeitkonten.

Etwas besser sehen die Quoten in einzelnen Branchen aus, zum Beispiel bei den unternehmensnahen Dienstleistern, im Finanzsektor und in der Metall- und Elektro-Industrie, wo durchschnittlich 3 bis 4 Prozent der Unternehmen Langzeitkonten anbieten (Grafik).

Vorreiter bei der Einführung solcher Konten war übrigens die Stahlindustrie, die bereits im Jahr 2000 einen entsprechenden Rahmentarifvertrag vereinbarte; ein Jahr später zogen die privaten Banken nach.

Doch nicht nur die Branche, auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle, wenn es um die Verbreitung von flexiblen Arbeitszeitregelungen geht. Eine Befragung von TNS Infratest im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums hat gezeigt, dass größere Betriebe eher Gleitzeitkonten, Jahresarbeitszeitkonten, Vertrauensarbeitszeit und Lebensarbeitszeitkonten (Kasten) praktizieren als kleinere Unternehmen:

Neun von zehn Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten führen Arbeitszeitkonten, von den Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern ist nur jeder Dritte dabei.

Haben sich die Unternehmen erst einmal für flexible Arbeitszeiten entschieden, dann bieten sie oft mehrere Varianten an. Die meisten Betriebe beschränken sich allerdings auf Modelle mit kurzen Ausgleichszeiträumen. Vor der Einführung von Langzeitkonten schrecken viele Firmen immer noch zurück. Selbst Betriebe, die bereits Kurzzeitkonten eingerichtet haben, hegen Vorbehalte gegen flexible Arbeitszeitmodelle, deren Zeitraum ein Jahr überschreitet.

Die Skepsis gegenüber Langzeitkonten hat mehrere Gründe. Unternehmen befürchten vor allem den bürokratischen Aufwand der komplizierten Kontenführung sowie kostspielige Formen der Insolvenzsicherung.

Unsicherheiten gibt es auch bei der Übertragung der angesammelten Tage, Wochen und Monate: Weil erst so wenige Arbeitgeber Lebensarbeitszeitkonten führen, können die Beschäftigten bei einem Stellenwechsel nur selten ihre angesparte Arbeitszeit mitnehmen.

Immerhin hat das Flexi-II-Gesetz hier eine Möglichkeit geschaffen: Hat der Beschäftigte schon mehr als 15.750 Euro (alte Bundesländer) oder 13.440 Euro (neue Bundesländer) angespart, dann kann das Geld auf die Deutsche Rentenversicherung Bund übertragen werden und erhöht so die spätere Altersrente.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de