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Kölle, Kamelle und Konjunktur

Millionen Jecken feiern jedes Jahr die „fünfte Jahreszeit“. Insbesondere in den Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz geben sie viel Geld für Kos­tüme, Getränke, Essen, Übernachtungen und Eintrittskarten aus. Wie groß die ökonomische Bedeutung des Karnevals genau ist, lässt sich jedoch nur schwer einschätzen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Millionen Jecken feiern jedes Jahr die „fünfte Jahreszeit“.
  • Wie groß die ökonomische Bedeutung des Karnevals genau ist, lässt sich jedoch nur schwer einschätzen.
  • Nach Berechnungen des Bundes Deutscher Karneval wurden im Jahr 2012 bundesweit rund 1,4 Milliarden Euro für den Karneval ausgegeben.
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Eigentlich wissen Statistiker alles über uns – sie wissen, wie viele Eier wir im Jahr essen, wie viel Geld wir verdienen, wo wir Urlaub machen, wie groß wir sind, wie alt wir werden. Wenn es aber um den Karneval geht, zucken die Experten nur mit den Schultern: Es gibt weder Zahlen über die karnevalsbedingten Übernachtungen noch zum Bierkonsum oder zum Umsatz mit Süßigkeiten.

Was es gibt, sind Schätzungen – und die geistern nun schon seit Jahren durch die Presse. Da ist zum Beispiel eine Studie der Boston Consulting Group im Auftrag des Festkomitees Kölner Karneval aus dem Jahr 2009. Demnach sorgt der Kölner Karneval für 460 Millionen Euro Umsatz, sichert 5.000 Arbeitsplätze und spült 4 bis 5 Millionen Euro an zusätzlicher Gewerbesteuer in die öffentlichen Kassen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie der Unternehmensberater von McKinsey: In Düsseldorf sichert der Karneval demzufolge 3.500 Jobs und generiert jährlich bis zu 300 Millionen Euro Umsatz. Allerdings sind diese Zahlen ziemlich olle Kamellen, stammen sie doch aus dem Jahr 1993. Relativ neu ist dagegen folgende Angabe:

Nach Berechnungen des Bundes Deutscher Karneval wurden im Jahr 2012 bundesweit rund 1,4 Milliarden Euro für den Karneval ausgegeben.

Das sind die reinen Konsumausgaben, über die steuerlichen Mehreinnahmen sagen die Bundesjecken nichts.

Und selbst wenn es mal eine konkrete Zahl gibt – im Karneval ist alles Ansichtssache. Die „Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie“ zum Beispiel erhebt jedes Jahr den Umsatz der Kostümbranche.

Das Problem dabei ist nur, dass die fünfte Jahreszeit zwar immer am 11. 11. um 11 Uhr 11 anfängt – wie lange sie dauert, hängt jedoch von der Lage des Ostersonntags ab, der bekanntlich auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond fällt, sprich: Aschermittwoch ist immer am 46. Tag vor Ostermontag, genau genommen frühestens am 4. Februar und spätestens am 10. März. Anders gesagt: Mal dauert eine Session 87 Tage, mal 103 Tage, mal 118 Tage. Der reine Umsatz bzw. das Umsatzwachstum der Kostümbranche sagt also wenig – erst wenn man es um die Anzahl der Karnevalstage bereinigt, wird deutlich, ob das Jahr gut oder schlecht war (Grafik).

Veränderung des Umsatzes der Kostümbranche. Gutes oder schlechtes Wetter dagegen ist völlig ejal, wie et op Kölsch heißt. Es kann nieseln, regnen oder schneien – die Niederschlagsmenge hat offenbar keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die Besucherzahlen des Rosenmontagszugs. Etwas anders verhält es sich mit den Temperaturen: Mit jedem Grad Celsius mehr erhöht sich die Zahl der Besucher im Schnitt um 23.000. Doch egal wie man rechnet – den Rosenmontagszug besuchen immer so um die 1 Million Menschen. Und wer nicht beim Zug ist, der ist in der Kneipe – doch wo das eine aufhört und das andere anfängt, kann am Rosenmontag eh keiner mehr sagen.

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