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Kluge Altersreserve

Die Lektüre von Fachzeitschriften, der Besuch von Messen und Kongressen sowie die Teilnahme an berufsbezogenen Lehrgängen lohnen sich auch für ältere Arbeitnehmer. Eine IW-Studie zeigt, was Bildungsanstrengungen in der zweiten Lebenshälfte konkret bringen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Lektüre von Fachzeitschriften, der Besuch von Messen und Kongressen sowie die Teilnahme an berufsbezogenen Lehrgängen lohnen sich auch für ältere Arbeitnehmer.
  • Drei von vier über 45-jährigen Berufstätigen, die an einer Weiterbildung teilgenommen haben, geben an, dass sich die Anstrengung gelohnt hat.
  • Die jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) könnte so um mehr als 0,2 Prozentpunkte steigen.
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Der demografische Wandel – also die Tatsache, dass die Bevölkerung in Deutschland immer älter wird und gleichzeitig schrumpft – hat viele Konsequenzen. Eine lautet: Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird kleiner. Heute leben in der Bundesrepublik etwa 50 Millionen Menschen zwischen 20 und 65 Jahren, 2060 werden es voraussichtlich nur noch rund 33 Millionen sein.

Um den Bedarf an gut qualifizierten Fachkräften trotzdem langfristig zu sichern, setzt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verstärkt auf die „Bildung in der zweiten Lebenshälfte“. Aus gutem Grund: Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt, dass Menschen, die sich im fortgeschrittenen Alter fort- und weitergebildet haben, in mehrfacher Hinsicht von ihrem Lernwillen profitieren – und dass darüber hinaus auch die beteiligten Betriebe sowie die Gesamtwirtschaft etwas davon haben:

  1. Die meisten Menschen, die sich in späteren Berufsjahren noch einmal weiterqualifiziert haben, ziehen ein positives Resümee (Grafik):

Drei von vier über 45-jährigen Berufstätigen, die an einer Weiterbildung teilgenommen haben, geben an, dass sich die Anstrengung gelohnt hat.

Für Frauen in diesem Alter rentiert sich eine Weiterbildung im Schnitt mit einem 6,5 Prozent höheren Lohn, Männer ab 45 können immerhin ein Lohnplus von durchschnittlich 3,9 Prozent verzeichnen. Doch die Weiterbildung bringt nicht nur materielle Vorteile. Wer in der zweiten Lebenshälfte noch einmal die Schulbank drückt, macht sich auch weniger Sorgen um seinen Arbeitsplatz als gleichaltrige Personen, die sich nicht weiterqualifizieren.

  1. Auch die Unternehmen profitieren von den Weiterbildungsaktivitäten der älteren Mitarbeiter: Durch neue Kenntnisse und Fähigkeiten, die diesen Beschäftigten idealerweise direkt am Arbeitsplatz vermittelt werden, steigt die Produktivität im Betrieb. Vor allem für innovative Firmen ist die Weiterbildung der fortgeschrittenen Semester von Bedeutung: Eine kompetente Belegschaft, die über alle Generationen hinweg das nötige Wissen über neue Prozesse und Produkte parat hat, entwickelt mehr kreative Ideen als weniger qualifiziertes Personal.
  2. Für die Gesellschaft lohnen sich die Weiterbildungsaktivitäten der Älteren ebenfalls: Wenn Frauen und Männer jenseits der 45 neue Qualifikationen erwerben, erhöhen sie damit ihre Beschäftigungsfähigkeit – der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung steigt also. Gelänge es auf diese Weise, das durchschnittliche Rentenzugangsalter in Deutschland um zwei Jahre zu erhöhen, hätte dies deutliche Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum:

Die jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) könnte so um mehr als 0,2 Prozentpunkte steigen.

Für 2030 würde das ein um fast 100 Milliarden Euro höheres BIP bedeuten, 2035 käme sogar ein Plus von 140 Milliarden Euro zusammen.

Christina Anger / Vera Erdmann / Axel Plünnecke / Oliver StettesBildung in der zweiten Lebenshälfte - Bildungsrendite und volkswirtschaftliche EffekteGutachten

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