Klimaschutz in Unternehmen: Die Sicht der Beschäftigten
Knapp die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland geht davon aus, dass sich ihr Unternehmen in den kommenden Jahren aufgrund der von Deutschland angestrebten Klimaneutralität stark verändern wird. Ein gut gestalteter Transformationsprozess kann die Akzeptanz von Umwelt- und Klimaschutz in den Betrieben fördern, wie bisherige Erfahrungen zeigen.
- 70 Prozent der Beschäftigten geben an, dass ihr Betrieb in Sachen Umwelt- und Klimaschutz gut aufgestellt ist.
- Wo Unternehmen sich stärker in Sachen Umwelt- und Klimaschutz engagiert haben, berichten die Beschäftigten auch häufiger, dass sich ihr Arbeitsumfeld verbessert hat.
- Unternehmen, die ihre Beschäftigten in die ökologischen Transformationsprozesse ihres Betriebs aktiv einbinden, dafür notwendiges Know-how vermitteln und sie mitentscheiden lassen, fördern so die Akzeptanz von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen.
Es sind keine 20 Jahre mehr, bis die Wirtschaft in Deutschland klimaneutral sein muss. Konkret bedeutet dies, dass bis 2045 sämtliche Prozesse und Produkte in den heimischen Unternehmen unterm Strich ohne CO2-Emissionen ablaufen beziehungsweise hergestellt sein müssen. Der ökologische Wandel verändert somit zwangsläufig die Arbeitswelt: weil in der Autoproduktion alternative Antriebe statt Verbrenner zum Einsatz kommen, weil Stahl mithilfe von grünem Wasserstoff statt mit fossilen Energien produziert wird, weil unvermeidbares CO2, das in den Unternehmen auch nach 2045 noch anfällt, gespeichert oder in anderen Produkten dauerhaft verarbeitet werden muss.
Das Gros der Mitarbeiter in Deutschland findet, dass das eigene Unternehmen für dieses Mammutprojekt vorbereitet ist, wie die IW-Beschäftigtenbefragung zeigt (Grafik):
70 Prozent der Beschäftigten geben an, dass ihr Betrieb in Sachen Umwelt- und Klimaschutz gut aufgestellt sei.
Dies gilt vor allem dann, wenn sie beobachtet haben, dass ihr Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren den betrieblichen Umwelt- und Klimaschutz vorangetrieben hat. Solch ein Engagement registriert fast jeder zweite Beschäftigte.
Wo Unternehmen sich stärker in Sachen Umwelt- und Klimaschutz engagiert haben, berichten die Beschäftigten auch häufiger, dass sich ihr Arbeitsumfeld verbessert hat.
Obwohl die Unternehmen also aus Mitarbeitersicht bereits emsig an der Transformation hin zur Klimaneutralität arbeiten, gehen gleichwohl gut vier von zehn Befragten davon aus, dass das eigene Unternehmen in den kommenden fünf bis zehn Jahren aufgrund von Umwelt- und Klimaschutzauflagen unter starken Veränderungsdruck gerät.
Beschäftigte aus Branchen mit hoher Energieintensität – dazu zählen die Industrie, der Bergbau, die Energie-/Wasserversorgung und -entsorgung sowie das Baugewerbe und die Land- und Forstwirtschaft – sehen sich besonders betroffen. Nur jeder Neunte ist der Überzeugung, dass Umwelt- und Klimaschutzauflagen zu keinen Veränderungen im eigenen Unternehmen führen werden.
Beschäftigte sollten bei betrieblichen Umstellungen eingebunden sein
Und wie nehmen Unternehmen ihre Beschäftigten bei betrieblichen Umstellungen aufgrund des ökologischen Wandels am besten mit? Kurz gesagt: indem sie sie einbinden. Wenn Beschäftigte positive Reorganisationserfahrungen machen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf die Herausforderungen, die gesetzliche Umwelt- und Klimaschutzauflagen mit sich bringen, positiv schauen. Der Blick auf bereits erfolgte Umstrukturierungen zeigt, dass viele Beschäftigte tatsächlich positive Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht haben (Grafik):
Drei Viertel der Betroffenen haben die Notwendigkeit der Reorganisation verstanden, zwei Dritteln war auch das Ziel klar, das die Geschäftsleitung mit den eingeschlagenen Maßnahmen verfolgte.
Nur jeder Achte hatte die Sorge, dass im Zuge der Umstrukturierung der eigene Arbeitsplatz zur Disposition stand.
Wo Unternehmen sich stärker in Sachen Umwelt- und Klimaschutz engagiert haben, berichten die Beschäftigten auch häufiger, dass sich ihr Arbeitsumfeld verbessert hat:
Die Beschäftigten konnten bei ihrer Arbeit eigene Ideen einbringen, haben mehr Entscheidungsspielräume erhalten und hatten am Arbeitsplatz mehr Möglichkeiten, zu lernen.
Alle drei Merkmale gehen mit einer höheren Arbeitszufriedenheit, einem größeren Engagement und einem höheren Wohlbefinden einher. Dies mag erklären, dass steigende Kompetenzanforderungen auch eher begrüßt werden.
Mit stärkerem Engagement in Sachen Umwelt- und Klimaschutz scheint auch die Zahl der Aufgaben zuzunehmen, die die Beschäftigten gleichzeitig ausüben. Dies löst aber bei den Betroffenen nicht immer Begeisterung aus, wie ein Blick auf die Arbeitszufriedenheit zeigt.
Unternehmen, die ihre Beschäftigten in die ökologischen Transformationsprozesse ihres Betriebs aktiv einbinden, dafür notwendiges Know-how vermitteln und sie mitentscheiden lassen, fördern so die Akzeptanz von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen.