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Kleinen Firmen fehlt oft die Zeit

Je nach Betriebsgröße bieten bis zu 99,5 Prozent der deutschen Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich weiterzubilden. Kleinere Unternehmen tun sich dabei etwas schwerer als große – ihr Problem sind weniger die Kosten, sondern vor allem fehlende Zeit.

Kernaussagen in Kürze:
  • Weiterbildung ist in den Unternehmen gang und gäbe
  • Kleine Unternehmen tun sich schwerer als große
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Kleine Unternehmen führen im Gegensatz zu mittleren und großen Unternehmen nicht jedes Jahr Weiterbildungsmaßnahmen durch – so ein Ergebnis der achten Weiterbildungserhebung des IW Köln im Jahr 2014 (Grafik):

Zuletzt reichte die Weiterbildungsbeteiligung von 85,6 Prozent in kleinen Betrieben über 95,9 Prozent in mittleren Firmen bis zu 99,5 Prozent in Großunternehmen.

Der Hauptgrund für diese Unterschiede ist, dass die organisatorischen, personellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen stark von der Betriebsgröße abhängen.

Weiterbildungsformen. Es gibt zwei Arten der Weiterbildung: die formelle, also zum Beispiel der Besuch von Seminaren, und die informelle, zu der etwa der Besuch von Vorträgen und Messen oder das Lernen am Arbeitsplatz gehören. Kleine Betriebe setzen etwas häufiger auf die informelle Lösung, weil sich diese Form des Lernens leichter in ihren Arbeitsalltag integrieren lässt. In mittleren und großen Unternehmen halten sich beide Formen in etwa die Waage.

Weiterbildungskosten. Finanziell engagieren sich kleine Unternehmen deutlich stärker als alle anderen:

Kleine Betriebe lassen sich die Weiterbildung je Mitarbeiter und Jahr 1.335 Euro kosten, große Unternehmen investieren 1.064 Euro und mittlere Firmen 938 Euro.

Ein Grund dafür: Wenn sich kleine Firmen erst einmal für Weiterbildung entschieden haben, dann qualifizieren sie ihre Beschäftigten sehr intensiv: Mit fast 35 Stunden Weiterbildung pro Jahr und Mitarbeiter liegen sie deutlich vor den mittleren Betrieben (19 Stunden) und nur relativ knapp hinter den großen Unternehmen (43 Stunden).

Außerdem opfern die Mitarbeiter kleiner Betriebe deutlich mehr Freizeit für ihre Weiterbildung als ihre Kollegen in größeren Betrieben.

Weiterbildungshindernisse. Es mag im Zeitalter des Wissens seltsam klingen, aber für rund die Hälfte der kleinen Betriebe spielt Weiterbildung vor allem deshalb keine Rolle, weil sie schlichtweg keinen konkreten Bedarf haben.

Überhaupt gehen kleine Unternehmen das Thema eher kurzfristig und abhängig von ihrer wirtschaftlichen Gesamtsituation an – und seltener mit langfristiger Perspektive (Grafik). Allerdings ist fehlendes Geld bei weitem nicht das größte Problem:

Fast 44 Prozent der kleinen Unternehmen verzichten vor allem deshalb auf Weiterbildung, weil sie keine Zeit für die Freistellung ihrer Mitarbeiter haben.

Die Kosten sind dagegen nur für 23 Prozent der kleinen Unternehmen ein K.o.-Kriterium.

Weiterbildungsnachfrage. Der Wuppertaler Kreis, Bundesverband betriebliche Weiterbildung, hat seine Mitglieder gefragt, wie sie das Weiterbildungsengagement kleiner und mittlerer Unternehmen einschätzen. Ein Ergebnis: Da kleine Betriebe die kritische Größe für firmeninterne Schulungen nicht erreichen, sind sie auf offene Seminare angewiesen – also auf Veranstaltungen, an denen Mitarbeiter verschiedener Unternehmen teilnehmen.

Ein weiterer Unterschied zwischen kleinen und mittleren Betrieben einerseits und Großunternehmen andererseits sind die jeweiligen Motive für Weiterbildung. Zwar erhoffen sich beide davon positive Effekte auf den Geschäftserfolg und die Leistungsfähigkeit der Belegschaft. Personalpolitische Ziele wie eine größere Attraktivität des Unternehmens oder die Mitarbeiterbindung spielen dagegen für kleine Betriebe eine geringere Rolle als für größere Unternehmen.

Als Strategie gegen den Fachkräftemangel nutzen kleine Betriebe die Weiterbildung aber sehr wohl. Auswertungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen, dass kleine Unternehmen, die ihre offenen Stellen nicht besetzen konnten, häufiger Weiterbildung anbieten als Unternehmen, die dieses Problem nicht haben.

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