Rentenversicherung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Kinder zählen mit

Junge Eltern werden von zwei Seiten in die Zange genommen. Sie müssen für die Rentner und ihren Nachwuchs aufkommen. Da bleibt oft wenig Geld für private Vorsorge. Hans-Werner Sinn vom ifo Institut und Jochen Pimpertz vom IW Köln wollen an diesem Mechanismus etwas ändern. Der eine plädiert für eine Kinderrente im Rahmen einer zusätzlichen, kapitalgedeckten Pflichtversicherung, der andere möchte eine kinderabhängige Rente innerhalb des jetzigen Umlagesystems.

Kernaussagen in Kürze:
  • Jochen Pimpertz möchte eine kinderabhängige Rente innerhalb des jetzigen Umlagesystems.
  • Wer keine Kinder hat, kann zum einen leichter privat vorsorgen, zum anderen wird er mehr in die Rentenversicherung einzahlen, weil er sich voll auf seinen Beruf konzentrieren kann.
  • Eltern, die erziehungsbedingt im Beruf kürzer getreten sind, bekommen im Alter nicht nur weniger Rente, ihnen fällt auch die private Vorsorge schwerer.
Zur detaillierten Fassung

Im April hatte sich der Präsident des ifo Instituts Hans-Werner Sinn im iwd dafür ausgesprochen, junge Leute zu verpflichten, einen Teil ihres Einkommens in einen Fonds einzuzahlen, aus dem im Alter eine Zusatzrente gezahlt wird, die an die Zahl der großgezogenen Kinder geknüpft ist. Mit jedem Kind, das man großziehe, solle ein Teil der Pflichtersparnis erlassen werden, denn das Geld benötige man für die Kindererziehung. Diese Zusatzversorgung will Sinn unabhängig von der gesetzlichen Rentenversicherung organisieren (vgl. iwd 15/2015). Sein Hauptanliegen ist eine gerechtere Belastung der Familien.

Jochen Pimpertz, IW-Rentenexperte, will die Rente zwar auch an die Zahl der Kinder binden. Er bevorzugt jedoch eine Lösung innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung. Seine Ideen erläutert er uns im Interview.

Eltern, die erziehungsbedingt im Beruf kürzertreten, fällt die private Vorsorge schwerer

Herr Pimpertz, Sie und Hans-Werner Sinn vom ifo Institut wollen Kinderlosen weniger Rente zahlen als Eltern? Das wird nicht überall auf Beifall stoßen.

Stimmt, aber es stimmt auch, dass das heutige System Kinderlosigkeit begünstigt. Wer keine Kinder hat, kann zum einen leichter privat vorsorgen. Zum anderen wird er mehr in die Rentenversicherung einzahlen, weil er sich voll auf seinen Beruf konzentrieren kann. Dagegen bekommen Eltern, die erziehungsbedingt im Beruf kürzergetreten sind, im Alter nicht nur weniger Rente. Ihnen fällt die private Vorsorge auch schwerer. Das liegt an dem grundlegenden Konstruktionsfehler der gesetzlichen Rentenversicherung, der eigentlich ganz einfach zu verstehen ist: Wer während seiner Berufstätigkeit Beiträge gezahlt hat, erhält im Ruhestand seine Rente unabhängig davon, ob er auch selber für künftige Beitragszahler gesorgt hat.

Sie plädieren also dafür, den Rentenanspruch nicht nur an der Beitragszahlung festzumachen?

Genau, der eigene Rentenanspruch sollte auf zwei Säulen basieren – den Beiträgen während des Erwerbslebens und der Zahl der großgezogenen Kinder. Konkret heißt das: Die Eltern bekommen einen Bonus, und zwar abhängig von der Zahl ihrer Kinder. Wir müssen doch eines zur Kenntnis nehmen: Seit Anfang der 1970er Jahre wurden im Schnitt weniger als 1,5 Kinder pro Frau geboren. Der Altenquotient steigt also, und wenn wir nichts ändern, geht das munter so weiter. Der Clou am IW-Modell ist, dass quasi automatisch die Belastungen künftiger Generationen mitreguliert werden. Wenn nämlich heute weniger Kinder geboren werden, müssen diese nicht zwangsläufig in 30 oder 40 Jahren höhere Lasten schultern als ihre Eltern heute. Weil das System kinderabhängig gestaltet ist, entstehen auch insgesamt weniger Rentenansprüche. Deshalb wird eine schwächer besetzte Kindergeneration automatisch vor Überlastung geschützt.

IW und Herr Sinn gleichen sich stark in der Analyse. Was fehlt Ihnen an dem Vorschlag des ifo-Chefs?

Herr Sinn schlägt eine Pflicht-Zusatzvorsorge per Kapitaldeckungsverfahren vor. Wie aber wäre eine Umverteilung zwischen Kinderlosen und Eltern in einem privaten, kapitalgedeckten System möglich? Offen bleibt auch, wie Kinder vor steigenden Rentenlasten geschützt werden.

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