Kinder brauchen mehr Medienkompetenz
Digitale Medien prägen den Alltag von Kindern und Jugendlichen. Das birgt viele Risiken, unter anderem kann sich der Medienkonsum negativ auf die Leistungen in der Schule auswirken. Deshalb ist es unabdingbar, die Medienkompetenz der jungen Bundesbürger zu stärken – zu Hause und in der Schule.
- Im Jahr 2025 betrug die durchschnittliche tägliche Bildschirmzeit 12- bis 19-Jähriger in Deutschland am Smartphone fast vier Stunden.
- Mit steigender Nutzungsdauer digitaler Medien nehmen die durchschnittlich erzielten PISA-Kompetenzpunkte in den Bereichen Lesen und Mathematik von Schülern tendenziell ab.
- Ganz zentral ist deshalb, den Kindern systematisch Medienkompetenz beizubringen. Sie müssen lernen, ihren Konsum bewusst zu steuern, Inhalte kritisch zu hinterfragen und Risiken zu erkennen. In der Verantwortung sind hier sowohl die Lehrkräfte als auch die Eltern.
Elf Jahre – so alt sind Kinder in Deutschland im Schnitt, wenn sie ihr erstes Smartphone bekommen. Spätestens ein paar Jahre später gehört die Zeit vorm Bildschirm zur täglichen Routine: Im Jahr 2025 nutzten laut der Studie Jugend, Information, Medien (JIM) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest 98 Prozent der 12- bis 19-Jährigen ihr Smartphone mehrmals pro Woche und öfter. Ob für Kommunikation, Gaming oder soziale Netzwerke – die Augen sind viele Stunden am Tag auf den kleinen Bildschirm gerichtet (Grafik):
Im vergangenen Jahr betrug die durchschnittliche tägliche Bildschirmzeit 12- bis 19-Jähriger in Deutschland am Smartphone fast vier Stunden.
Auffällig dabei: Je älter die Kinder werden, desto mehr Zeit verbringen sie am Handy. Haupt- und Realschüler nutzen ihr Smartphone zudem etwas stärker als Gymnasiasten.
Aber auch bei jüngeren Kindern spielen digitale Medien im Alltag eine immer größere Rolle (Grafik):
Mehr als die Hälfte der 6- bis 13-Jährigen verbachte 2024 jeden oder fast jeden Tag Zeit am Handy.
Acht Jahre zuvor waren es erst rund vier von zehn Kinder. 38 Prozent nutzten 2024 zumindest fast jeden Tag das Internet – 11 Prozentpunkte mehr als 2016.
Lange Bildschirmzeit kann Leistungen in der Schule negativ beeinflussen
Dass sich mehrere Stunden am Tag der jungen Generation vor einem Bildschirm abspielen, ist auf mehreren Ebenen problematisch. Zunächst ist da die Suchtgefahr. Das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) kam im Herbst 2024 zu dem Ergebnis, dass zwischen 2 und 5 Prozent aller 10- bis 17-Jährigen eine krankhafte Mediennutzung in einem der Bereiche Gaming, Social Media oder Videostreaming zeigen.
Das macht das DZSKJ nicht am Zeitaufwand fest, sondern an der Selbstregulation – zum Beispiel, wenn die Mediennutzung regelmäßig den selbst geplanten oder mit den Eltern vereinbarten Zeitraum überschreitet oder digitale Spiele weiterhin gespielt werden, obwohl die schulische Leistung bereits darunter leidet. Dass viele Jugendliche es nicht schaffen, ihren Medienkonsum selbst zu begrenzen, zeigt auch die JIM-Studie: 2025 gaben rund zwei Drittel der 12- bis 19-Jährigen an, häufiger länger am Smartphone zu bleiben als geplant. Fast jeder dritte Jugendliche fühlt sich morgens oft müde, weil er nachts zu lange online war.
Kinder und Jugendliche brauchen dringend mehr Medienkompetenz. Eltern und Schulen sind in der Verantwortung, diese zu stärken.
Dass die Leistungen in der Schule durch die Mediennutzung leiden, ist ein weiteres Problem. Eine IW-Analyse zeigt:
Mit steigender Nutzungsdauer digitaler Medien nehmen die durchschnittlich erzielten PISA-Kompetenzpunkte in den Bereichen Lesen und Mathematik von Schülern tendenziell ab.
Die Auswertung verdeutlicht zudem, dass die aufgebrachte Zeit für digitale Medien bei Jugendlichen steigt, wenn sie zu Hause nicht Deutsch sprechen, weniger Bücher im Haushalt vorhanden sind oder die Eltern über einen niedrigen Bildungsabschluss verfügen. Es nutzt also gerade die junge Bevölkerungsgruppe digitale Medien intensiver, die es aufgrund ihres sozio-ökonomischen Hintergrunds sowieso schon schwerer im deutschen Bildungssystem hat (siehe "Zahl der Kinder aus bildungsfernen Milieus steigt").
Eltern und Schulen in der Verantwortung
Um die möglichen negativen Auswirkungen digitaler Medien zu begrenzen und die Kinder und Jugendlichen besser zu schützen, braucht es verschiedene Maßnahmen. Ein generelles Verbot sozialer Medien für bestimmte Altersgruppen, strengere Vorgaben für die Anbieter oder ein Handyverbot an Schulen, wie es einige Bundesländer schon praktizieren, reichen dafür nicht aus – schließlich führt all dies meist lediglich dazu, dass die Nutzer Wege finden, die Verbote zu umgehen. Zumal die Gefahren für Kinder im Internet – von Fake News über Cybermobbing bis hin zu Gewaltdarstellungen oder Pornografie – dadurch nicht verschwinden.
Ganz zentral ist deshalb, den Kindern systematisch Medienkompetenz beizubringen. Sie müssen lernen, ihren Konsum bewusst zu steuern, Inhalte kritisch zu hinterfragen und Risiken zu erkennen.
Geschieht das, lassen sich auch die vielen Chancen, die die Digitalisierung bei aller Kritik bietet, sinnvoll nutzen. In der Verantwortung sind hier sowohl die Lehrkräfte als auch die Eltern. Beide Seiten brauchen jedoch entsprechende Unterstützung.
Für Eltern ist dringend mehr Aufklärungsarbeit nötig, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Damit sie sich mit den Gefahren einer uneingeschränkten Mediennutzung ihrer Kinder und mit den technischen Möglichkeiten, mit denen sie diese besser regulieren und kontrollieren können, bestmöglich auskennen, sollten Schulen verstärkt Informationsabende anbieten und die Bundesregierung generell ihre Aufklärungskampagnen ausweiten.
Für das Lehrpersonal braucht es mehr verpflichtende Aus- und Fortbildungsangebote im Bereich Digitalisierung und Medienkompetenz sowie geeignete Unterrichtskonzepte, mit denen sie den Schülern dies zeitgemäß vermitteln können. Zudem sollte die Medienerziehung eine größere Rolle in den Unterrichtsplänen der Bundesländer einnehmen.