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Keltisches Vorbild

Nachdem sich das Land infolge der Bankenrettung hoch verschulden musste, ist Irland Ende 2010 unter den europäischen Rettungsschirm geschlüpft. Sein Anpassungsprogramm verläuft erfolgreich, die Märkte reagieren mit sinkenden Zinsen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nachdem sich das Land infolge der Bankenrettung hoch verschulden musste, ist Irland Ende 2010 unter den europäischen Rettungsschirm geschlüpft.
  • In Irland führten niedrige Zinsen und eine zu laxe Aufsicht zu einer unkontrollierten Expansion der Bankkredite.
  • Im Jahr 2008 drehte der irische Staatshaushalt ins Defizit und erreichte 2010 mit einem Minus von fast 31 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seinen Tiefpunkt.
Zur detaillierten Fassung

Am 1. Januar 2013 wird Irland den halbjährlich wechselnden Vorsitz im Rat der Europäischen Union (EU) von Zypern übernehmen. Während Zypern noch über ein Hilfsprogramm verhandelt, hat Irland das Schlimmste offensichtlich überstanden.

Irland nahm als zweites Land – nach Griechenland – Hilfe von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Anspruch. Im Gegensatz zu Griechenland war jedoch nicht staatliche Misswirtschaft die Ursache für die Krise.

In Irland führten niedrige Zinsen und eine zu laxe Aufsicht zu einer unkontrollierten Expansion der Bankkredite.

Das heizte den Konsum an und führte zu spekulativen Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt.

Als dann die Blase auf dem Immobilienmarkt platzte, stürzten die Banken in eine Krise, denn aufgrund der sinkenden Immobilienpreise mussten viele Hauskredite wertberichtigt werden. Der irische Staat sah sich gezwungen, die Verbindlichkeiten der Banken zu garantieren und die Institute mit neuem Kapital auszustatten. Dies belastete den Staatshaushalt (Grafik):

Im Jahr 2008 drehte der irische Staatshaushalt ins Defizit und erreichte 2010 mit einem Minus von fast 31 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seinen Tiefpunkt.

Gleichzeitig stieg die Verschuldung auf mehr als 92 Prozent des BIP – gegenüber 2007 fast eine Vervierfachung. Die EU geht davon aus, dass der Höhepunkt der irischen Staatsverschuldung 2013 mit knapp 123 Prozent des BIP erreicht ist.

Die Finanzmärkte reagierten auf die wachsende Schuldenlast mit steigenden Risikoaufschlägen. Im November 2010 einigte sich die Regierung in Dublin daher mit der EU und dem IWF auf ein Anpassungsprogramm, bei dem Hilfen von knapp 68 Milliarden Euro zugesagt wurden. Im Gegenzug verpflichtete Irland sich zu einer Verkleinerung und Reorganisation des Bankensys­tems, zu Ausgabensenkungen und Einnahmesteigerungen sowie zu einer Stärkung seines Wachstums­potenzials.

Irland war bislang erfolgreich bei seinen Anpassungsbemühungen. Lob für die Iren kam von der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF: Irland bleibe trotz eines widrigen wirtschaftlichen Umfelds standhaft bei der Programmumsetzung. Die Ratingagentur Fitch setzte den Ausblick für irische Staatsanleihen von negativ auf stabil herauf.

Auch die Märkte honorieren die Anstrengungen. So konnte Irland Ende Juli erstmals wieder Anleihen am Kapitalmarkt begeben und damit mehr als 5 Milliarden Euro einnehmen, musste aber noch etwa 6 Prozent an Zinsen zahlen. Die Renditen für zehnjährige irische Staatsanleihen am Sekundärmarkt notieren derzeit bei etwa 5 Prozent.

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