Parallelwährungen Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Keine wirkliche Alternative

Angesichts der Eurokrise schlagen viele Ökonomen die Einführung von Parallelwährungen als Allheilmittel vor. Was sich in der Theorie noch verlockend anhört, würde in der Praxis allerdings scheitern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Angesichts der Eurokrise schlagen viele Ökonomen die Einführung von Parallelwährungen als Allheilmittel vor.
  • Bei der Einführung einer Parallelwährung müssten viele wirtschaftspolitische Grundsätze über Bord geworfen werden.
  • Selbst wenn sich Krisenländer auf eine Parallelwährung einließen, würde das ihre grundsätzlichen Probleme nicht lösen.
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Theoretisch bietet eine Parallelwährung viele Vorteile. Zum Beispiel ließe sich die griechische Wettbewerbsfähigkeit schlagartig verbessern: Der „G-Euro“ würde bei flexiblen Wechselkursen sofort um 25 bis 40 Prozent gegenüber dem Euro abwerten und die griechischen Real­löhne auf ein angemessenes Niveau drücken. Zudem ließen Parallelwährungen zu, dass Staaten ihr eigenes Tempo und ihre eigenen Wege gehen.

Dass man mit einem solchen Coup die Lage der Eurozone im Handumdrehen verbessern kann, dürfte sich indes als Illusion erweisen. Denn bei der Einführung einer Parallelwährung müssten viele wirtschaftspolitische Grundsätze über Bord geworfen werden: die EU-Binnenmarktprinzipien, eine freiheitliche Wirtschaftsordnung und die Funktionsfähigkeit des Geldes. Das machen zwei Beispiele deutlich:

1. Kapitalverkehrskontrollen. Die bloße Ankündigung einer Parallelwährung würde ohne die Beschränkung des Geld- und Wertpapiertransfers eine massive Kapitalflucht auslösen. Die vermeintlich schwächere Währung hätte so keine Chance, sich am Markt durchzusetzen und verlöre binnen Tagen ihre Exis­tenzberechtigung, weil Sparer und Investoren einen massiven Vermögensverlust befürchten.

2. Annahmezwang. Wenn zum Beispiel die Griechen nicht gezwungen würden, den Euro zu einem festen Wechselkurs in den „G-Euro“ umzutauschen, setzte sich die stabilere Währung – der Euro – als Wertaufbewahrungsmittel und schließlich als Zahlungsmittel durch. Denn wer tauscht schon Euro in „G-Euro“ um, wenn dessen Wert sinkt.

Aber selbst wenn sich Krisenländer auf eine Parallelwährung einließen, würde das ihre grundsätzlichen Probleme nicht lösen:

  1. Wettbewerbsfähigkeit. Kurzfristig verbessern sich die Exportchancen durch die abgewertete Währung zwar. Der Aufbau einer Exportindus­trie mit marktfähigen Produkten dauert aber Jahre, und um Inves­toren anzuziehen, müssen erst wichtige Voraussetzungen erfüllt sein – ein stabiler Geldwert, grundlegende Reformen und Marktöffnungen.
  2. Schuldendienst.

    Alle noch bestehenden Verbindlichkeiten in Euro treiben „G-Euro“-Besitzer in die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit. Die Folgen: Es gibt massenhaft Insolvenzen, das Investitionsklima verschlechtert sich und die ausländische Kreditvergabe an
„G-Euro“-Besitzer würde zurückgefahren oder gar eingestellt.

Wenn die Schulden nicht mehr zurückgezahlt werden können, bekommen fragile Banken Probleme – sie werden insolvent und müssen durch den Staat gerettet werden. Die Staatsverschuldung steigt erneut.

  1. Vertrauen. Der Gemeinschaftswährung Euro wird – bei allen Schwierigkeiten der dahinterstehenden Institutionen – viel Vertrauen entgegengebracht, meist mehr als der nationalen Wirtschaftspolitik. Diesen institutionellen Rahmen muss ein Land mit einer Parallelwährung erst einmal entwickeln. Überdies wird die Bevölkerung in den Krisenländern den Euro nur ungern gegen eine Parallelwährung eintauschen wollen. Denn als gesetzliches Zahlungsmittel erfüllt er alle drei Aufgaben einer Währung, also die Zahlungsmittel-, die Wertaufbewahrungs- und die Wertmessfunktion. Parallelwährungen dagegen entstehen gerade deshalb, weil eine Währung mindestens eine dieser Funktionen nicht mehr erfüllt.

Und: Auch ohne Parallelwährung bessert sich die Wettbewerbsfähigkeit derzeit vielerorts (Grafiken).

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