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Keine Gefahr für Vollzeitjobs

Die Zahl der geringfügig Beschäftigten ist trotz des boomenden Arbeitsmarkts seit Jahren weitgehend konstant. Daran dürfte auch die von der Bundesregierung geplante Anhebung der Geringfügigkeitsgrenze, nach der Minijobber statt 400 Euro 450 Euro im Monat verdienen dürfen, wenig ändern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Zahl der geringfügig Beschäftigten ist trotz des boomenden Arbeitsmarkts seit Jahren weitgehend konstant.
  • Durch die letzte Reform 2003 hob die Geringfügigkeitsgrenze von 325 auf 400 Euro und verwarf die maximale wöchentliche Arbeitszeit von 15 Stunden.
  • Der Arbeitgeber muss eine Pauschale von 30 Prozent des Minilohns an die Sozialversicherung abführen.
Zur detaillierten Fassung

Die letzte Minijob-Reform datiert aus dem Jahr 2003. Damals wurden die Bedingungen für die kleinen Beschäftigungsverhältnisse von der rot-grünen Koalition deutlich verbessert: Die Verdienstgrenze stieg von 325 auf 400 Euro, und die Begrenzung der Arbeitszeit auf maximal 15 Stunden in der Woche fiel weg. Vor allem aber müssen seither die Einkünfte aus einem geringfügigen Nebenerwerb nicht mehr gemeinsam mit dem Hauptjob versteuert werden. Es fallen auch keine Sozialabgaben für den Beschäftigten an. Wer einen sozialversicherungspflichtigen Hauptjob hat, verdient mit seinem Mini-Nebenjob also brutto für netto.

Der Arbeitgeber muss eine Pauschale von 30 Prozent des Minilohns an die Sozialversicherung abführen.

Nach der Reform nahm die Zahl der Minijobber trotz der damals allgemein schlechten Arbeitsmarktlage stark zu. Und zwar sowohl bei den ausschließlich als auch bei den nebenher geringfügig Beschäftigten, für die allerdings erst ab Juni 2003 Daten erhoben werden (Grafik).

Wenige Monate später tat sich in dem Minijob-Segment aber nicht mehr viel. Die Zahl der Arbeitnehmer, die ausschließlich einen Minijob ausüben, ist seit 2005 kaum noch gestiegen, obwohl der deutsche Arbeitsmarkt in dieser Phase den größten Boom seiner Geschichte erlebte.

Vom Frühjahr 2005 bis zum März 2011 legte die Zahl der Erwerbstätigen um fast 2 Millionen zu, davon waren aber nur gut 100.000 ausschließlich geringfügig beschäftigt.

Die Zahl der geringfügigen Nebenjobs hat sich jedoch weiter erhöht. Warum das so ist, weiß niemand so genau (Interview). Möglicherweise kommen hier Teilzeitbeschäftigte zum Zuge, die gern länger arbeiten würden, dies in ihrem eigentlichen Job aber nicht können. Andere Minijobber verdienen sich so vielleicht ihr neues Smartphone.

Finanziell lohnt sich der Zweitjob in jedem Fall. Wer in seinem Hauptjob bei einem Bruttostundenlohn von 12 Euro zehn Stunden im Monat zusätzlich arbeitet, hat nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben gerade einmal 70 Euro mehr in der Tasche. Da ist der Minijob nach Feierabend bereits ab einem Stundenlohn von 8 Euro attraktiver.

Dass Minijobs für den Arbeitnehmer beitragsfrei sind, wird oftmals bemängelt. Aber auch die Kritiker räumen ein, dass es zu aufwendig wäre, für solche Ministellen die gesamte Maschinerie der Sozialbürokratie in Gang zu setzen. Eine Geringfügigkeitsgrenze ist also sinnvoll.

Die Verdienstgrenze ist seit 2003 unverändert geblieben, während sich die Löhne erhöht haben. Im Einzelhandel, wo es viele Minijobs gibt (Grafik), sind die Löhne seit 2003 um jahresdurchschnittlich 1,6 Prozent gestiegen. Der Plan der Bundesregierung, die Minijob-Grenze von 400 auf 450 Euro anzuheben, entspricht einem jahresdurchschnittlichen Anstieg von nur 1,3 Prozent. Die Anhebung ist somit nicht mehr als eine überfällige Anpassung an die Lohn- und Preisentwicklung.

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