Digitalisierung und Beschäftigung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Kein Grund zur Sorge

Angefangen hat es schon mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, doch mit dem Vormarsch der Roboter, Computer und des Internets grassiert mehr denn je die Angst davor, dass der technische Fortschritt den Menschen die Arbeit wegnimmt. Zu Unrecht, wie eine IW-Studie zeigt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der technische Fortschritt vernichtet keine Arbeitsplätze
  • Die Unternehmen suchen qualifizierte Mitarbeiter
  • Je höher die Qualifikation, desto sicherer der Arbeitsplatz
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Es gibt bereits Roboter, die arbeiten nicht in einer Fabrik, sondern im Altenheim. Auch das selbstfahrende Auto und Drohnen, die Pakete zustellen, sind längst Wirklichkeit. Und schaut man sich dann noch an, wie sich die Leistung der Computer entwickelt hat – der gesamte Rechenaufwand für die erste Mondlandung 1969 könnte heute mit einem handelsüblichen Laptop bewältigt werden –, dann drängt sich schon die Frage auf, welche Rolle der Mensch in der künftigen Arbeitswelt spielt.

Im Herbst 2014 hat das IW Köln die Personalverantwortlichen in rund 1.400 Unternehmen gefragt, wie sie den künftigen Personalbedarf in der digitalen Welt einschätzen. Demnach hat sich fast jedes dritte Unternehmen bereits intensiv mit der Digitalisierung auseinandergesetzt und bewegt sich in einem Geschäftsfeld, in dem das Internet eine herausragende Rolle spielt. Diese Unternehmen sind davon überzeugt, dass die Digitalisierung das Potenzial hat, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Gut vier von zehn Betrieben haben mit dem Thema Digitalisierung noch relativ wenig zu tun; das übrige Viertel der Unternehmen hat einen mittleren Digitalisierungsgrad.

Von den derzeit diskutierten Horrorszenarien, wonach die Hälfte aller Arbeitsplätze dem digitalen Wandel zum Opfer fallen könnte, wollen die deutschen Unternehmen nichts wissen – ganz im Gegenteil: Aus der IW-Studie leiten sich zwei zentrale Botschaften ab (Grafik):

Eher mehr als weniger Beschäftigte. Unabhängig von ihrem Digitalisierungsgrad rechnen die Unternehmen mehrheitlich damit, dass die Beschäftigung in Deutschland in den nächsten fünf Jahren weiter steigt. Davon profitieren vor allem Beschäftigte mit beruflicher Aus- und Fortbildung sowie Akademiker.

Die Sorge, dass vor allem Tätigkeiten von Facharbeitern durch den digitalen Wandel zur Disposition stehen, weil Maschinen und Software deren Erfahrungen und Wissen entwerten, ist also unbegründet.

Trend zur höheren Qualifizierung. Während Facharbeiter und Akademiker nahezu sorgenfrei in die Zukunft blicken können, haben es An- und Ungelernte etwas schwerer. Vor allem Unternehmen, die durch die Digitalisierung in der Automatisierung und Standardisierung von Arbeitsprozessen Chancen sehen, brauchen künftig weniger Ungelernte.

Der Abbau dieser Jobs wird sich jedoch in Grenzen halten: Nur 9 bis 12 Prozent der Unternehmen erwarten, dass künftig weniger An- und Ungelernte benötigt werden.

Der Blick in die Zukunft ist also alles andere als düster. Auch die Vergangenheit hat gelehrt: Technischer Fortschritt hat am Ende mehr Jobs und mehr Wohlstand gebracht – nicht weniger.

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