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Kein Abschluss, kein Anschluss

Obwohl die Zahl der Schulabbrecher seit Jahren sinkt, gibt es in Deutschland nach wie vor erschreckend viele junge Leute ohne abgeschlossene Ausbildung: Mehr als 1,3 Millionen der 20- bis 29-Jährigen haben keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Das macht den Einstieg in den Arbeitsmarkt zum Hindernislauf: Viele Bildungsverlierer sind nur geringfügig oder in Teilzeit beschäftigt, ein großer Teil findet gar keinen Job.

Kernaussagen in Kürze:
  • Obwohl die Zahl der Schulabbrecher seit Jahren sinkt, gibt es in Deutschland nach wie vor erschreckend viele junge Leute ohne abgeschlossene Ausbildung.
  • Während im Jahr 2001 noch 89.000 Schüler die Hauptschule ohne Abschluss verließen, waren es 2013 nur noch 46.000.
  • Zwischen 2010 und 2012 besuchte jeder dritte 17-Jährige, dessen Eltern maximal über einen Hauptschulabschluss verfügten, ebenfalls eine Hauptschule oder hatte diese bereits ohne Abschluss verlassen.
Zur detaillierten Fassung

Gleich drei Phänomene führen dazu, dass der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Bundesrepublik immer weiter steigt: die Digitalisierung, die Globalisierung der Märkte sowie die demografische Entwicklung. Bildung wird angesichts dieser Entwicklungen zu einer entscheidenden Ressource – nicht nur für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands, sondern für jeden Einzelnen.

In Sachen Schule hat sich angesichts dieser Herausforderung mittlerweile einiges getan. So ist die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss in den vergangenen Jahren deutlich gesunken (Grafik):

Während im Jahr 2001 noch 89.000 Schüler die Hauptschule ohne Abschluss verließen, waren es 2013 nur noch 46.000.

Auch wenn man den Bevölkerungsrückgang berücksichtigt, hat sich die Zahl der Schulversager reduziert: So ist der Anteil der Hauptschüler ohne Abschluss an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung seit 2007 kontinuierlich von 7,7 Prozent auf zuletzt 5,7 Prozent gesunken.

Ob ein Jugendlicher einen Schulabschluss macht und wenn ja, auf welcher Schule, hängt nach wie vor stark vom elterlichen Bildungsniveau ab (Grafik):

Zwischen 2010 und 2012 besuchte jeder dritte 17-Jährige, dessen Eltern maximal über einen Hauptschulabschluss verfügten, ebenfalls eine Hauptschule oder hatte diese bereits ohne Abschluss verlassen.

Von den gleichaltrigen Jugendlichen, die mindestens einen Elternteil mit Hochschulreife hatten, traf das nur auf 8 Prozent zu.

Dabei gab es im Zeitablauf für den Nachwuchs aus bildungsfernen Elternhäusern durchaus Verbesserungen: Zu Beginn des Jahrtausends strebte noch mehr als die Hälfte jener Jugendlichen, deren Eltern nur über eine geringe schulische Qualifikation verfügten, einen Hauptschulabschluss an.

Woran liegt es, dass heutzutage fast 6 Prozent der Schüler eines Jahrgangs in Deutschland keinen Abschluss schaffen? Mangelndes elterliches Interesse kann es nicht sein, wie eine Auswertung der Angaben 17-jähriger Hauptschüler und derer, die die Schule ohne Abschluss verlassen haben, aus dem Jahr 2012 zeigt: 85 Prozent dieser Jugendlichen gaben an, dass sich ihre Eltern ziemlich oder sehr stark um ihre schulischen Leistungen kümmerten.

Gleichwohl gelingt es aber offensichtlich nicht allen Eltern, dies auch in praktische Hilfe umzusetzen: Rund 33 Prozent der befragten Jugendlichen sagten nämlich auch, dass sie von ihren Eltern keine Unterstützung beim Lernen oder bei den Hausaufgaben erhielten.

Eltern erkennen also durchaus, wenn ihre Kinder Gefahr laufen, in der Schule den Anschluss zu verlieren; da sie aber häufig selbst nicht in der Lage sind, den Nachwuchs schulisch zu unterstützen, sollte die Verantwortung dafür in die Institution verlagert werden: Eine kompetente Hausaufgabenbetreuung etwa, die in einen Ganztagsschulbetrieb eingebettet ist, könnte Abhilfe schaffen.

Doch auch mit einem Schulabschluss ist nicht automatisch eine erfolgreiche Bildungslaufbahn vorgezeichnet. Denn obwohl die Zahl der Schulabbrecher in Deutschland gesunken ist, gelingt es einer beträchtlichen Zahl junger Leute nicht, einen Beruf zu erlernen oder ein Studium zu absolvieren:

Im Jahr 2012 gab es in Deutschland 1,3 Millionen 20- bis 29-Jährige, die keinen berufsqualifizierenden Abschluss hatten und sich auch nicht mehr in einer Ausbildung befanden.

Das heißt, dass fast jeder achte in dieser Altersgruppe keinen beruflichen Abschluss vorweisen konnte.

Obwohl acht von zehn dieser jungen Menschen einen Schulabschluss haben, sind ihre Chancen aufgrund ihrer zum Teil sehr geringen Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt eher schlecht. Im Jahr 2011 waren nur 62 Prozent der Männer ohne Berufsabschluss erwerbstätig, Frauen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Studium erreichten sogar nur eine Quote von 42 Prozent. Zum Vergleich: Rund 91 Prozent der männlichen Absolventen mit beruflichem Abschluss und/oder einem Hochschulabschluss gehen einer Erwerbstätigkeit nach, bei den Frauen sind es 86 Prozent.

Doch selbst wenn Bildungsverlierer einen Job finden, handelt es sich nicht automatisch um eine Vollzeitstelle. So waren 2011 fast 14 Prozent der jungen Männer und 31 Prozent der jungen Frauen ohne berufsqualifizierenden Abschluss lediglich geringfügig beschäftigt.

Neben familiären Verpflichtungen ist auch der schlechte Gesundheitszustand ein Grund dafür, dass diese jungen Erwachsenen vergleichsweise häufig Teilzeit oder gar nicht arbeiten: Jeder vierte der 20- bis 29-Jährigen ohne Berufsabschluss gibt an, schon beim Treppensteigen oder anderen anstrengenden Tätigkeiten starke oder zumindest einige Einschränkungen zu haben. Von den gleichaltrigen Personen mit Berufs- oder Hochschulabschluss leidet nur knapp jeder siebte unter solchen körperlichen Beeinträchtigungen.

Da diese Altersgruppe noch am Beginn ihres Erwerbslebens steht und sich der Gesundheitszustand in der Regel mit fortschreitendem Alter verschlechtert, ist die Vorsorge von zentraler Bedeutung für die Integration von Bildungsverlierern in den Arbeitsmarkt. Auch hier ließe sich bereits während der Schulzeit vorbeugen – zum Beispiel durch einen Sportunterricht, der auch bei motorisch weniger begabten Schülern Freude an der Bewegung weckt, oder durch Koch- und Ernährungskurse, wie sie etwa im Schweizer Schulalltag obligatorisch sind.

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