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Kapital sucht neue Wachstumsmärkte

Infolge der Finanzkrise haben die international aktiven Unternehmen ihre Auslandsengagements deutlich reduziert. Dies betraf jedoch vor allem die Industrieländer. Dagegen haben die Schwellen- und Entwicklungsländer weiter an Bedeutung gewonnen – sie ziehen inzwischen genauso viel ausländisches Kapital an wie die etablierten Volkswirtschaften.

Kernaussagen in Kürze:
  • Infolge der Finanzkrise haben die international aktiven Unternehmen ihre Auslandsengagements deutlich reduziert.
  • Von 2007 bis 2009 schrumpften die Auslandsinvestitionen um rund 40 Prozent auf weniger als 1.200 Milliarden Dollar.
  • Seit 1995 sind die Direktinvestitionen von Firmen aus Schwellen- und Entwicklungsländern um 600 Prozent auf 388 Milliarden Dollar gestiegen.
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Schon seit 30 Jahren treiben unternehmerische Auslandsengagements – sogenannte Direktinvestitionen (Kasten) – die Globalisierung maßgeblich voran. Doch die Finanzkrise hat das Engagement der Global Player stark verringert (Grafik):

Die Auslandsinvestitionen schrumpften von 2007 bis 2009 um rund 40 Prozent auf weniger als 1.200 Milliarden Dollar.

Dafür gibt es drei Gründe: Erstens schwanken die Direktinvestitionszahlen grundsätzlich mit dem Auf und Ab der Weltkonjunktur. Zweitens hielten die Konzerne während der Wirtschafts- und Finanzkrise ihr eigenes Geld lieber als Sicherheitsreserve zurück, statt es zu investieren. Und drittens zögerten bei den dennoch geplanten Auslandsinvestitionen oft die Banken, die notwendigen Kredite zur Verfügung zu stellen.

Immerhin hat die nachfolgende Erholung der Weltwirtschaft die globalen Direktinvestitionszuflüsse wieder anschwellen lassen. Sie blieben aber auch 2011 mit insgesamt gut 1.500 Milliarden Dollar immer noch deutlich unter dem Spitzenwert des Jahres 2007. Je nach Zielregion verlief die Entwicklung allerdings recht unterschiedlich:

  1. Industrieländer. Sie mussten infolge der Finanzkrise besonders viele Federn lassen – zwischen 2007 und 2009 brachen die Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in den Industriestaaten um mehr als die Hälfte ein. Auch wenn es danach wieder leicht aufwärts ging, haben ausländische Firmen dort zuletzt weniger investiert als früher üblich. Stattdessen wurden in größerem Maße Beteiligungen verkauft oder kriselnde Tochterfirmen durch Kredite oder einbehaltene Gewinne aufgepäppelt.
  2. Schwellen- und Entwicklungsländer. Der Zustrom von Firmenkapital in die ärmeren Regionen der Welt hielt auf längere Sicht fast unvermindert an. Lediglich im Jahr 2009 gingen die Auslandsinvestitionen um 25 Prozent zurück. Doch schon 2011 erreichten die Zuflüsse mit 755 Milliarden Euro fast wieder den Höchststand aus dem Jahr 2008. Länder wie China, Indonesien, Malaysia, Brasilien und Kolumbien verzeichneten sogar neue Rekordwerte.

Die Schwellen- und Entwicklungsländer konnten zuletzt rund 50 Prozent der weltweit getätigten Direktinvestitionen an sich ziehen – Mitte der 1990er Jahre lag ihr Anteil erst bei gut einem Drittel.

Zu den Ursachen dürfte gehören, dass viele dieser Länder eine solidere Wirtschaftspolitik betreiben als früher und daher ein starkes Wachstum verbuchten. Auch die Standortbedingungen haben sich zum Teil deutlich verbessert – Investoren achten in diesem Zusammenhang vor allem auf eine gute Infrastruktur und ausreichend Rechtssicherheit.

Die Schwellenländer ziehen aber nicht nur laufend mehr Kapital an, die dort ansässigen Unternehmen sind auch selbst zunehmend damit beschäftigt, im Ausland zu investieren (Grafik):

Seit 1995 sind die Direktinvestitionen von Firmen aus Schwellen- und Entwicklungsländern um 600 Prozent auf 388 Milliarden Dollar gestiegen.

Ihr Anteil an den weltweiten grenzüberschreitenden Unternehmenskapitalflüssen erhöhte sich damit von 15 auf fast 30 Prozent.

Vor allem China mischt im globalen Investitionsrennen immer stärker mit – nicht zuletzt suchen die finanziell gut gepolsterten chinesischen Staatsfonds nach lukrativen Anlagen in Europa und den USA. Aber auch Indien hat schon mit spektakulären Deals für Aufsehen gesorgt – beispielsweise 2008, als der Autohersteller Tata dem US-Konzern Ford die beiden Traditionsmarken Jaguar und Land Rover abkaufte, oder 2009, als Megha Mittal das deutsche Modeunternehmen Escada übernahm.

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