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Kanal fatal

Die Preise, die Verbraucher für die Entsorgung von Abwässern zahlen müssen, variieren je nach Wohnort um mehrere Hundert Euro jährlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der IW Consult, die im Auftrag des Eigentümerverbands Haus & Grund ein Abwasserranking für Deutschlands 100 größte Städte erstellt hat.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Abwassergebühren in den 100 größten deutsche Städten variieren um mehrere Hundert Euro jährlich.
  • In Potsdam zahlt ein Vierpersonenhaushalt durchschnittlich 910 Euro im Jahr an Abwassergebühren, in Ludwigsburg sind es nur 260 Euro.
  • Flächenstädte mit sinkenden Einwohnerzahlen müssen in der Regel höhere Gebühren verlangen als dicht besiedelte Kommunen.
Zur detaillierten Fassung

Zwischen Ludwigsburg und Potsdam liegen nicht nur knapp 600 Kilometer, sondern auch ein sattes Preisgefälle – zumindest, was die Abwassergebühren betrifft (Grafik):

Für die Abwasserentsorgung in Ludwigsburg zahlt ein Vierpersonenhaushalt im Durchschnitt 260 Euro im Jahr, in Potsdam dagegen sind mehr als 910 Euro fällig.

Die Differenz von rund 650 Euro ergibt sich, wenn man die aktuellen Gebührensätze der Städte für einen Musterhaushalt mit vier Personen zugrunde legt, der 178 Kubikmeter Frischwasser im Jahr verbraucht und in einem freistehenden, zweigeschossigen Haus auf einem 200 Quadratmeter großen Grundstück lebt.

Am höchsten sind die Abwassergebühren in Ostdeutschland, Nordrhein-Westfalen sowie Bremerhaven und Saarbrücken.

Die drei günstigsten Städte im Abwasserranking – Ludwigsburg, Heidelberg und Freiburg – liegen alle in Baden-Württemberg. Das ist kein Zufall, denn von den 20 günstigsten Abwasserentsorgern kommen immerhin zwölf aus Bayern oder Baden-Württemberg. Die 20 teuersten Abwasserkanäle leisten sich dagegen fast nur Städte in Ostdeutschland und in Nordrhein-Westfalen, dazu gesellen sich lediglich Bremerhaven und Saarbrücken.

Die Bevölkerungsdichte spielt eine große Rolle für das Preisgefüge

Doch wie kann es sein, dass einmal die Toilettenspülung betätigen oder das Badewasser ablassen in manchen Regionen Deutschlands doppelt oder sogar dreimal so teuer ist wie anderswo? Tatsächlich werden die Entwässerungskosten zu einem guten Teil durch äußere Faktoren wie der Zu- und Abwanderung beeinflusst. Wenn in einer Region die Bevölkerungsdichte – und damit auch der Frischwasserverbrauch – sinkt, wird das Abwasserkanalsystem weniger genutzt. Damit steigen aber die Kosten zur Erhaltung des Systems, es entstehen sogenannte Remanenzkosten. Und die können auf die Abwassergebühren aufgeschlagen werden.

Auch in Flächenstädten wie Mönchengladbach, in denen weite Wege überwunden werden müssen und die deshalb ein großes Kanalnetz unterhalten, sind die Abwassergebühren in der Regel höher als in kompakten Siedlungsgebieten.

Die Gebührenordnungen sind häufig intransparent sehen viele Ausnahmen vor

Mitunter sind die Kostentreiber aber auch hausgemacht: In Potsdam – jener Stadt also, die seit Jahren die bundesweit höchsten Wasser- und Abwassergebühren verlangt – ist die Bevölkerungsdichte zwar auch gering und die Leitungswege sind weit. Doch der Hauptgrund für die hohen Abwasserkosten war die Teilprivatisierung des Wasserbetriebs im Jahr 1998. Zunächst drehte der neue Eigentümer Eurawasser so sehr an der Wasser- und Abwasserpreisschraube, dass die Stadt den Vertrag bereits zwei Jahre später wieder kündigte. Dafür musste Potsdam allerdings eine Entschädigung zahlen sowie der kreditgebenden Bank, die die vorangegangene Privatisierung finanziert hat, Anrechte auf Einnahmen aus dem Wasserbetrieb zurückzahlen – und das 20 Jahre lang.

Doch auch wenn die äußeren Rahmenbedingungen einen wesentlichen Anteil daran haben, wie hoch oder niedrig die Abwasserpreise in den Städten ausfallen – eines fällt auf: Die Gebührenordnungen der einzelnen Kommunen sind uneinheitlich, intransparent und häufig auch mit einer Vielzahl von individuellen Ausnahmeregelungen versehen.

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