Euro-Krisenländer Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Kampf gegen die Kapitalflucht

Während Sparer in Deutschland für kurzfristige Geldanlagen derzeit kaum mehr als 2 Prozent Zinsen erwarten dürfen, locken die Banken der südeuropäischen Krisenländer mit deutlich höheren Margen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Liberbank lockt mit 4 Prozent Zinsen für zwölfmonatiges Festgeld.
  • Der Anteil nicht bedienter Kredite am gesamten spanischen Kreditvolumen betrug 2012 mehr als 11 Prozent - vor der Immobilienkrise 2006 waren es nur 0,7 Prozent.
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Insbesondere in Spanien scheint sich die Lage weiter zuzuspitzen: Seit Anfang 2012 sind Einlagen im Wert von mehr als 154 Milliarden Euro von spanischen Bankhäusern abgezogen worden. Die Kreditinstitute leiden zunehmend unter Liquiditätsengpässen und kämpfen erbittert um die Gunst der Sparer (Grafik):

Die Liberbank lockt mit 4 Prozent Zinsen für zwölfmonatiges Festgeld.

Auch griechische Banken buhlen um die Gunst der Sparer. Bei der Hellenic Bank zum Beispiel gibt es rund 5 Prozent auf einjährige Anlagen. Bei der griechischen Postbank konnte man 2012 sogar 7 Prozent für sechsmonatige Anlagen erhalten.

Die griechische Zinshausse dürfte jedoch bald zu Ende gehen: Rekapitalisierungen und Fusionen lassen die Zahl der Banken sinken – und entschärfen damit den Wettbewerb.

Ganz anders ist die Lage in Spanien. Hier tobt ein knüppelharter Wettbewerb, der noch dadurch angefacht wird, dass die Banken derzeit bewusst schlechte Geschäfte machen: Da spanische Kreditinstitute aktuell Hypotheken zu einem Zinssatz von 1,5 Prozent anbieten, gleichzeitig aber Einlagen mit mehr als dem Doppelten verzinsen, müssen sie Verluste hinnehmen, um überhaupt an frisches Geld zu kommen.

Viele spanische Banken haben deshalb im Jahr 2012 einen Gewinn­einbruch verzeichnet – so etwa die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) oder Santander. Beide Institute mussten in großem Stil toxische Immobilienkredite abschreiben, was bei beiden Instituten das Ergebnis verschlechterte.

Kein Wunder also, dass die Ratingagentur Standard & Poor's schon Ende 2012 die Kreditwürdigkeit von 15 spanischen Banken herabstufte. Zudem sind weitere Ratingverluste zu erwarten, da die schlechten Konjunkturaussichten dafür sorgen dürften, dass der Anteil der ausgefallenen Kredite in den Bankbilanzen weiter ansteigt. Diese Kredite haben nach Angaben der Zentralbank ein Rekordniveau erreicht: Ihr Volumen lag im November 2012 bei knapp 191 Milliarden Euro – das waren 57 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.

Der Anteil nicht bedienter Kredite am gesamten spanischen Kreditvolumen betrug 2012 mehr als 11 Prozent. Bevor die Immobilienkrise in Spanien im Dezember 2006 begann, waren es nur 0,7 Prozent.

Zu Hilfe kommt den Banken die spanische Regierung. Im Dezember 2012 hat SAREB – eine Auffanggesellschaft mit einer privaten Kapitalmehrheit – den spanischen Banken erstmals toxische Wertpapiere, Kredite und Grundstücke mit großen Abschlägen abgekauft.

Immerhin steigt das Vertrauen der Anleger in die Krisenregionen laut Commerzbank langsam: Demnach fließt seit Anfang 2011 wieder mehr Geld in die europäischen Krisenländer. Italien etwa konnte Zuflüsse von 8 Prozent des BIP im Jahr 2012 verzeichnen. Auch Spanien verbuchte ein Plus. Aus Portugal ist im dritten Quartal 2012 zumindest kein Kapital mehr abgeflossen, in Griechenland dagegen herrscht weiterhin Kapitalflucht.

Ob damit bereits eine Trendwende eingeläutet ist, wird sich zeigen. Denn nach wie vor ist die Lage in den Krisenländern angespannt: Portugal kommt bei der Haushaltskonsolidierung nur sehr langsam voran und dürfte – wie Spanien – auf ein weiteres Hilfsprogramm zusteuern.

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