Kali- und Salzindustrie: Vielseitig und unverzichtbar
Sie ist eine für die Nahrungsmittelproduktion essenzielle Branche und ebenso ein wichtiger Lieferant für Chemie- und Pharmaunternehmen. In Deutschland können die Betriebe der Kali- und Salzindustrie – anders als bei anderen wichtigen Rohstoffen – den heimischen Bedarf der Wirtschaft decken.
- Die Bundesrepublik zählt weltweit zu den größten Produzenten von Kali und Salz. Im Jahr 2022 lag sie mit einer Kaliproduktion von 2,7 Millionen Tonnen global auf dem fünften Platz, beim Salz reichten 16,1 Millionen Tonnen für Rang vier.
- Die meisten Umsätze erzielt die Branche mit Düngemitteln. Auch für die Chemie- und Pharmabranche spielen die in Deutschland gewonnenen Salze eine wichtige Rolle.
- Neben vielen weiteren Herausforderungen ist die Dekarbonisierung eine der größten Aufgaben für die Unternehmen der Kali- und Salzindustrie in den kommenden Jahren.
Bernburg, Bleicherode, Borth oder Neuhof-Ellers – die meisten werden noch nie etwas von diesen Orten gehört haben. In der deutschen Kali- und Salzindustrie kennt sie aber wohl fast jeder, denn dort befinden sich aktive Bergwerke und Salinen. An insgesamt 15 Standorten im Bundesgebiet läuft der Abbau von Kali und Salz. Die Bundesrepublik zählt weltweit zu den größten Produzenten (Grafik):
Im Jahr 2022 lag Deutschland mit einer Kaliproduktion von 2,7 Millionen Tonnen global auf dem fünften Platz, beim Salz reichten 16,1 Millionen Tonnen sogar für Rang vier.
Das Gute für die Industrie: Die Vorräte im Bundesgebiet sind groß, der Abbau ist langfristig gesichert.
Die Branche ist mit zuletzt rund 13.500 Mitarbeitern relativ klein, aber sehr erfolgreich: Bei einem Umsatz von gut 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2023 lag die Bruttowertschöpfung bei knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Produktivität je Erwerbstätigen bewegte sich damit etwas oberhalb des Durchschnitts im Produzierenden Gewerbe.
Der größte Abnehmer der Branche ist die Landwirtschaft, denn Kalium ist ein essenzieller Nährstoff für Pflanzen. Es unterstützt wichtige physiologische Prozesse wie die Regulation des Wasserhaushalts, Photosynthese und Proteinsynthese. Dazu fördert Kalium das Wachstum der Pflanzen (Grafik):
Im Jahr 2023 erzielte die deutsche Kali- und Salzindustrie 59 Prozent ihres Umsatzes mit Düngemitteln.
Auch für die Chemie- und Pharmabranche spielen die in Deutschland gewonnenen Salze eine wichtige Rolle. So dienen Infusionslösungen mit Pharmasalz tagtäglich als kurzfristiger Blutersatz und retten damit Leben. Außerdem sind Salze unverzichtbar für zahlreiche chemische Prozesse, mit denen Medikamente, Pflanzenschutzmittel oder Kunststoffe hergestellt werden.
Und auch im Alltag begegnet man den Produkten der Kali- und Salzindustrie. Etwa, wenn es im Winter mal wieder glatt ist und die Winterdienste Auftausalz auf die Straßen streuen.
Das Auslandsgeschäft der Branche konzentriert sich stark auf Kalidünger. Im Jahr 2023 exportierte Deutschland rund 1,9 Millionen Tonnen davon, den entgegengesetzten Weg gingen nur 71.000 Tonnen. Der größte Abnehmer für Kalidünger made in Germany ist Brasilien – zuletzt lag dessen Anteil an den deutschen Ausfuhren bei 23 Prozent. Dahinter folgten die Abnehmerländer Polen (10 Prozent) und Frankreich (5 Prozent).
Eine der großen Aufgaben für die Kali- und Salzindustrie ist die Dekarbonisierung. Die Unternehmen wollen stärker auf Strom und Wasserstoff als Energiequellen setzen.
Salz lieferte Deutschland vor allem an andere europäische Lander, in den Top Ten der Handelspartner sind ausschließlich Länder des heimischen Kontinents zu finden. Belgien nimmt mit 25 Prozent mit Abstand die größte Menge ab. Der gesamte Exportwert von Salz aus heimischer Produktion lag 2023 bei etwa 344 Millionen Euro. Das bedeutet:
Wie bei Kali ist Deutschland auch bei Salz Nettoexporteur, wenn auch nicht in einem ganz so großen Maß.
Die Kali- und Salzindustrie hat aber auch mit diversen Herausforderungen zu kämpfen. So setzen ihr als exportorientierter Branche die geopolitischen Spannungen in der Welt zu; der sich auf dem Vormarsch befindende Protektionismus ist ebenfalls ein Geschäftsrisiko. Zudem haben die hiesigen Unternehmen im internationalen Wettbewerb Nachteile durch die hohen Energiekosten in Deutschland. Da die Abbau- und Verarbeitungsprozesse sehr energieintensiv sind, trifft dieser Umstand die Branche umso härter. Darüber hinaus bleibt auch die Kali- und Salzindustrie nicht vom Fachkräftemangel verschont. Vor allem Elektriker, Anlagenmechaniker, Bergbauingenieure sowie Personal in Verwaltung und Vertrieb fehlen.
Und noch eine weitere große Aufgabe gilt es für die Unternehmen zu bewältigen: die Dekarbonisierung. Die überwiegenden Energieträger in der Kali- und Salzindustrie sind derzeit noch Erdgas, Strom und Diesel. Die Branche setzt perspektivisch auf zwei Strategien, um das zu ändern. Zum einen soll Strom stärker in die Prozesse – auch zur Wärmeerzeugung – eingebunden werden und so einen Teil des Erdgases ersetzen. Zum anderen soll zusätzlich Wasserstoff sukzessive Erdgas als Energiequelle ablösen.