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Jobmotor oder Jobbremse?

Die Bundesbürger wissen noch nicht so recht, was sie von der Digitalisierung des Arbeitslebens halten sollen. Die einen befürchten Jobverluste und Selbstausbeutung, die anderen schätzen die neuen Möglichkeiten. Ein Forschungsprogramm soll nun klären, wie die Arbeit in der digitalen Welt aussehen könnte und welche Risiken damit tatsächlich verbunden sind.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der professionelle Umgang mit digitalen Medien ist für viele Arbeitnehmer heute eine Schlüsselqualifikation.
  • Nur 13 Prozent der vom Vodafone Institut befragten Eltern erwarten, dass die fortschreitende Digitalisierung neue Arbeitsplätze schaffen wird – 40 Prozent befürchten das Gegenteil.
  • Für die Unternehmen wirft die Digitalisierung der Arbeitswelt technische und arbeitsrechtliche Fragen auf.
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Der professionelle Umgang mit digitalen Medien ist für viele Arbeitnehmer schon heute eine Schlüsselqualifikation. Sie müssen zum Beispiel in der Lage sein, im Internet zuverlässige von unzuverlässigen Quellen sowie Meinungen von Tatsachen zu unterscheiden.

Weil die digitale Welt längst zum Arbeitsalltag gehört, stellt sich die Frage, ob die Schulen entsprechende Kompetenzen vermitteln. Das tun sie offenbar, wie eine Studie des Vodafone Instituts für Gesellschaft und Kommunikation zeigt. Demnach sind 60 Prozent der Eltern von Schülern der Klassen 8 bis 13 davon überzeugt, dass ihr Nachwuchs gut auf den beruflichen Umgang mit PC und Internet vorbereitet wird.

Das sei auch nötig, weil digitale Kompetenzen künftig noch wichtiger werden – meinen 82 Prozent der Mütter und Väter (Grafik). Aber eine Minderheit ist auch skeptisch:

Nur 13 Prozent der Eltern rechnen damit, dass die Digitalisierung neue Jobs schaffen wird; 40 Prozent befürchten das Gegenteil.

Unabhängig vom Jobangebot wird sich die Arbeitsorganisation auf jeden Fall verändern – auf diesem Feld hat sich schon einiges getan. Die Digitalisierung ermöglicht es zum Beispiel, orts- und zeitungebunden zu arbeiten, also direkt beim Kunden, auf Geschäftsreisen im Hotel oder auch zu Hause im sogenannten Home-Office.

Das hat nicht nur handfeste Vorteile für die Firmen, sondern auch für die Mitarbeiter. Weil der persönliche Gestaltungsspielraum wächst und Pendelzeiten zwischen Betrieb und Wohnort entfallen, lassen sich Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren.

Zudem sagen viele Mitarbeiter, dass sie im Home-Office produktiver sind als im Büro, wo sie immer wieder gestört werden (Grafik).

Manche Kritiker sehen allerdings flexiblere Arbeitszeiten nicht als Chance, sondern warnen vor den Risiken und fordern Gesetze zum Schutz der Mitarbeiter (Kasten).

Verändern werden sich künftig auch die Arbeitsbeziehungen: Beim „Crowd-Working“ etwa arbeiten Anbieter von bestimmten Dienstleis­tungen über das Netz weltweit zusammen, um eine Aufgabe gemeinsam zu lösen. Und global agierende „Cloud-Companies”, also Unternehmen, die Plattformen, Infrastrukturen oder Dienstleistungen für das Cloud-Computing anbieten, stellen über das Internet immer wieder neue Teams zusammen – je nachdem, welche Qualifikationen für das konkrete Projekt benötigt werden.

Für die Firmen wirft die Digitalisierung der Arbeitswelt aber auch technische und arbeitsrechtliche Fragen auf, die dringend geklärt werden müssen. Wie kann ein Unternehmen zum Beispiel sicherstellen, dass Mitarbeiter, die im Home-Office oder im Betrieb private Computer und Smartphones dienstlich nutzen, die Sicherheitsstandards der Firma einhalten?

Und wie regeln Firmen den Umgang der Beschäftigten mit den sozialen Medien, also mit Twitter, Face­book, Foren, Weblogs und dergleichen mehr? Äußert sich zum Beispiel ein Mitarbeiter im Internet negativ über das eigene Unternehmen, fällt das unweigerlich auf den Arbeitgeber zurück und untergräbt unter anderem dessen Bemühen, sich als attraktiver Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb zu präsentieren.

Diesen und anderen Fragen widmet sich bald ein Forschungsprogramm der Sozialpartner unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das Projekt hat zunächst den Schwerpunkt „Arbeit in der digitalen Welt“.

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