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Mitarbeiterbindung Lesezeit 2 Min.

Job Enrichment: Motiviert durch Verantwortung

Wer im Job mitreden, gestalten und Verantwortung übernehmen darf, ist zufriedener mit seinem Arbeitgeber – das ist der Grundgedanke von Job Enrichment. Unternehmen sollten passende Strukturen schaffen und Beschäftigte gezielt fördern, um das volle Potenzial ihrer Mitarbeiter zu nutzen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Rund ein Drittel der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung in Deutschland könnte durch anspruchs- und verantwortungsvollere Aufgaben sowie mehr Gestaltungsspielräume stärker motiviert werden – dieser Ansatz heißt Job Enrichment.
  • Dürfen Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen und eigene Impulse setzen, steigt auch ihre Arbeitszufriedenheit.
  • Von Job Enrichment profitieren beide Seiten: Arbeitnehmer gewinnen an Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit, Arbeitgeber an motivierten und loyalen Fachkräften.
Zur detaillierten Fassung

Der Befund ist bekannt: Da in den kommenden Jahren hierzulande deutlich mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden als eintreten, wird es für Unternehmen in Zukunft immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Umso wichtiger wird es, Fachkräfte im Betrieb zu halten. Welche Potenziale es gibt, die Mitarbeiterbindung zu stärken, zeigt die IW-Beschäftigtenbefragung (Grafik):

Rund ein Drittel der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung könnte durch anspruchs- und verantwortungsvollere Aufgaben sowie mehr Gestaltungsspielräume stärker motiviert werden – dieser Ansatz heißt Job Enrichment.

So viel Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesen Branchen in Deutschland könnten von Job Enrichment profitieren Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Als geeignet zählen diejenigen Arbeitnehmer, die die drei Punkte Entscheidungsspielräume im Arbeitsalltag, Karriereperspektiven im Job sowie die Möglichkeit, Wissen und Können einzubringen, allesamt für ihre Arbeit als wichtig erachten.

Besonders groß ist den Befragungsergebnissen zufolge das Potenzial in der Industrie und im Baugewerbe, wo 42 Prozent der Beschäftigten von Job Enrichment profitieren könnten, sowie unter den 25- bis 49-Jährigen, von denen mit 45 Prozent fast die Hälfte in dieser Altersgruppe dafür infrage kommt. Bei jüngeren und älteren Beschäftigten sind es mit jeweils 36 Prozent etwas weniger.

Rund ein Drittel der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung in Deutschland könnte durch anspruchs- und verantwortungsvollere Aufgaben sowie mehr Gestaltungsspielräume stärker motiviert werden.

Dürfen Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen und eigene Impulse setzen, steigt auch ihre Arbeitszufriedenheit. Von den Beschäftigten, die angeben, dass sie in den zurückliegenden beiden Jahren mehr Möglichkeiten hatten, eigene Ideen einzubringen und kreativ zu arbeiten, sind 94 Prozent zufrieden mit ihrem Job – 18 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt aller Beschäftigten. Auch größere Entscheidungsspielräume und anspruchsvollere Aufgaben steigern die Zufriedenheit deutlich.

Wie Arbeitgeber motivierte Beschäftigte fördern können

Von Job Enrichment profitieren also beide Seiten: Arbeitnehmer gewinnen an Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit, Arbeitgeber an motivierten und loyalen Fachkräften. Betriebe sollten durch Befragungen, Entwicklungsgespräche oder strukturierte Feedbackverfahren geeignete Mitarbeiter für Job Enrichment identifizieren und ihnen abseits klassischer Führungslaufbahnen auch fachliche oder projektbezogene Entwicklungspfade eröffnen. Entscheidend ist dabei, Spielräume zur kreativen Entfaltung gezielt auszubauen – etwa durch eigenverantwortliche Projekte oder die Arbeit in interdisziplinären Teams.

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