Fluktuation. Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Jeder Dritte wechselt den Job

Wie oft Beschäftigte ihren Job wechseln, hängt unter anderem von der aktuellen Arbeitsmarktlage ab: Je besser die Beschäftigungsperspektiven, desto größer die Neigung, einen Neuanfang zu wagen. Allerdings spielt auch die Branche eine gewichtige Rolle.

Kernaussagen in Kürze:
  • Fast ein Drittel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse sind im vergangenen Jahr beendet oder begonnen worden.
  • Am höchsten ist die Fluktuationsrate in der Zeitarbeit, am niedrigsten im öffentlichen Dienst.
  • Am höchsten ist die Fluktuationsrate in Großstädten.
Zur detaillierten Fassung

Fast ein Drittel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse sind im vergangenen Jahr beendet oder begonnen worden – im Jahr 2011 lag die Fluktuationsquote noch bei 27 Prozent. Diese Entwicklung war zu erwarten, denn die Erfahrung zeigt: Je besser der Arbeitsmarkt läuft und je niedriger die Arbeitslosigkeit ist, desto eher wagen Arbeitnehmer den Sprung in einen anderen Job.

Mit jedem Neuanfang sind neben Chancen auch immer Risiken verbunden. Betriebsspezifische Kenntnisse und Fertigkeiten gehen zunächst einmal verloren, eine Probezeit verkürzt die sonst üblichen Kündigungsfristen und es muss sich auch erst erweisen, ob der neue Job zu einem passt. Ist die Arbeitslosigkeit hoch, steigt das Risiko, im Falle eines misslungenen Wechsels ohne Alternative dazustehen. Von Bedeutung ist zudem, dass in guten Zeiten die Zahl der Jobangebote höher ist als in einer Krise.

Branche mitentscheidend für Fluktuation

In der öffentlichen Verwaltung werden pro Jahr lediglich 13 Prozent der Arbeitsplätze neu besetzt – offenbar ist eine Stelle bei Vater Staat nach wie vor auf die Ewigkeit angelegt. In der Zeitarbeit – dem anderen Extrem – wird das Personal rechnerisch einmal pro Jahr komplett ausgewechselt (Grafik). Oft sind es die Zeitarbeitnehmer selbst, die einen Wechsel in eine andere Branche anstreben oder vom Kundenbetrieb – der statistisch gesehen einer anderen Branche angehört – übernommen werden.

Die Fluktuation ist zudem meist in jenen Branchen und Sektoren hoch, in denen spezialisierte Kenntnisse keine große Rolle spielen und zudem eine stark schwankende Arbeitskräftenachfrage besteht, z.B. in der Landwirtschaft oder im Gastgewerbe. Mitarbeiter in diesen Branchen gehen beim Stellenwechsel ein geringeres Risiko ein, da sie wenig fach- und betriebsspezifische Kenntnisse verlieren. Gleichzeitig sind viele dieser Stellen nur auf Zeit angelegt, etwa im Fall von Erntehelfern in der Landwirtschaft.

Geringe Fluktuationsraten zeigen sich hingegen in Branchen, in denen Fachkräfte knapp und begehrt sind – etwa in der Metall- und Elektro-Industrie.

Dieser Zusammenhang bestätigt sich, wenn man das berufliche Anforderungsniveau betrachtet. In Berufen auf Helfer-Niveau, für deren Ausübung in der Regel keine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich ist, liegt die Fluktuationsquote deutlich über dem Durchschnitt, bei einem höheren Anforderungsniveau ist es umgekehrt. Berufe in der technischen Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung weisen mit 15 Prozent die geringste Fluktuation auf.

Auch die Region macht den Unterschied

Die jeweilige Branchenstruktur erklärt weitgehend auch die regionalen Unterschiede. Am höchsten ist die Fluktuation in den Stadtstaaten. So werden in Berlin rechnerisch jedes Jahr 44 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse neu abgeschlossen, in Bremen sind es sogar 54 Prozent. Hier wirkt sich der hohe Anteil der Dienstleistungsbranchen mit hoher Fluktuation aus.

Unterdurchschnittlich ist die Fluktuation hingegen in Baden-Württemberg und Hessen, also Ländern mit viel Industrie.

Aus betrieblicher Sicht wird häufig eine geringe Fluktuation angestrebt, weil neue Mitarbeiter natürlich aufwendig akquiriert und eingearbeitet werden müssen. Die Krise im Jahr 2009 hat gezeigt, dass viele Betriebe an ihren Mitarbeitern selbst dann festhalten, wenn eigentlich keine Arbeit für sie da ist: Trotz eines Rückgangs der Produktion um 5 Prozent blieb die Beschäftigung nahezu unverändert hoch. Die langfristige Sicherung der Fachkräftebasis war wichtiger als die kurzfristige Rentabilität.

Länger im Betrieb

Zuweilen wird die These vertreten, dass die Fluktuation gesamtwirtschaftlich steigt, weil Beschäftigte zunehmend in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen arbeiten und wie moderne Nomaden von einem befristeten Job zum nächsten weiterziehen müssten. Die Statistik belegt diese These nicht. Im Gegenteil, die durchschnittliche Betriebszugehörigkeitsdauer aller Beschäftigten nimmt sogar leicht zu.

Zum Teil ist diese Entwicklung das Ergebnis des Altersstruktureffekts: Weil der Anteil älterer Beschäftigter aus demografischen Gründen und wegen der Rente mit 67 steigt und diese naturgemäß schon länger im Betrieb sind als Jüngere, erhöht sich auch die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit.

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