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des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Konjunktur Lesezeit 3 Min.

IW-Konjunktur­prognose: Deutsche Wirtschaft im Dauerkrisenmodus

Die Auswirkungen des Iran-Kriegs bekommt auch die deutsche Wirtschaft zu spüren. Infolgedessen senkt das IW seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich. Um die Unternehmen im Land zu unterstützen, sollte die Bundesregierung jetzt Reformen für bessere Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsbedingungen anstreben.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das IW senkt seine Wachstumsprognose für Deutschland für 2026 wegen der Folgen des Iran-Kriegs von 0,9 auf 0,4 Prozent des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP).
  • Dass die Wirtschaft überhaupt noch ein Plus für das laufende Jahr verzeichnet, liegt am Staat, denn die öffentlichen Konsumausgaben und Verteidigungsinvestitionen stützen die Nachfrage.
  • Die Bundesregierung sollte die Wirtschaft resilienter gegen geopolitische Schocks machen. Zunächst gilt es, kritische Lieferketten für Energie zu diversifizieren und den Ausbau erneuerbarer Energien effizient voranzutreiben.
Zur detaillierten Fassung

Nichts wird’s mit der Erholung. Nachdem zum Ende des vergangenen Jahres die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft für 2026 durchaus positiv waren und sich die optimistischen Stimmen aus den Betrieben in der IW-Verbandsumfrage mehrten, macht der Iran-Krieg dem erhofften Aufschwung einen Strich durch die Rechnung. Der Konflikt zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite wirkt weit über die Region hinaus.

So ist der Seeweg durch die Straße von Hormus seit Wochen dicht. Dadurch fehlen große Mengen fossiler Energien auf dem Weltmarkt, die normalerweise mit Frachtern durch die Meerenge transportiert werden. Zur Einordnung: 15 Prozent des durchschnittlichen Angebots an Rohöl muss die Straße von Hormus passieren, bei Flüssiggas (LNG) liegt der Anteil sogar bei 25 Prozent. Infolgedessen sind die Energiepreise stark gestiegen. Das hat massive Auswirkungen auf Deutschland, entsprechend schlecht sind die konjunkturellen Aussichten (Grafik):

Das IW senkt seine Wachstumsprognose für 2026 von 0,9 auf 0,4 Prozent des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Dass die Wirtschaft überhaupt noch ein Plus für das laufende Jahr verzeichnet, liegt am Staat, denn die öffentlichen Konsumausgaben und Verteidigungsinvestitionen stützen die Nachfrage (Grafik). Das hat allerdings seinen Preis: Die Neuverschuldung steigt 2026 auf 156 Milliarden Euro, die Staatsquote auf mehr als 51 Prozent.

Die Regierung sollte die eigene Wirtschaft resilienter gegen geopolitische Schocks machen. Zunächst gilt es, kritische Lieferketten für Energie zu diversifizieren und den Ausbau erneuerbarer Energien effizient voranzutreiben.

Der Krieg im Iran ist nur die aktuelle einer ganzen Reihe von Krisen, mit denen die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren zurechtkommen musste – Stichworte: Coronapandemie und Ukraine-Krieg. Parallel bleibt die erratische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump eine dauerhafte Gefahr für das deutsche Exportmodell. Unter alldem leiden hierzulande nahezu alle Wirtschaftsbereiche. Die Ergebnisse der IW-Prognose im Einzelnen:

Außenhandel. Die deutschen Exporte sinken 2026 um 0,3 Prozent – und damit das vierte Jahr in Folge. Das Auslandsgeschäft koppelt sich weiter vom Welthandel ab, der um 1,7 Prozent zulegt. Die globale Nachfrage verschiebt sich zunehmend weg vom deutschen Produktionsportfolio, die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen sinkt, Firmen verlagern ihre Produktion ins Ausland.

Investitionen. Das IW halbiert seine Prognose für die Anlageinvestitionen nahezu von 2,2 auf 1,2 Prozent. Die Ausrüstungsinvestitionen, etwa für Maschinen oder Nutzfahrzeuge, lagen schon 2025 um 11 Prozent unter dem Niveau von 2019. Nur jedes fünfte Unternehmen plant höhere Ausgaben, doppelt so viele wollen kürzen.

Konsum. Der private Konsum kommt 2026 nicht vom Fleck. Noch im Dezember rechnete das IW mit einem Plus von 1 Prozent. Dass die Konsumausgaben der Haushalte nun doch stagnieren, liegt an den steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen – sie treiben die Inflation auf gut 3 Prozent und entziehen den Haushalten Kaufkraft. Viele Bürger halten ihr Geld deswegen momentan zusammen.

Preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigte Werte, Jahresdurchschnitt 2019 = 100 Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Arbeitsmarkt. Die schlechte Konjunktur setzt sich auf dem Arbeitsmarkt fort. Die Arbeitslosigkeit steigt auf gut drei Millionen Menschen, die Arbeitslosenquote auf 6,4 Prozent. Die Erwerbstätigkeit sinkt um 190.000 Personen.

Deutschland muss seine Wirtschaftspolitik anpassen

Selbst wenn der Iran-Krieg zeitnah endet, bleibt die Unsicherheit in der Golfregion weiter bestehen. Deutschland muss mit seiner Wirtschaftspolitik deshalb auf die veränderte Situation reagieren.

Verteilungsinstrumente oder Preissteuerung wie zuletzt mit dem Tankrabatt sind dabei nicht der richtige Ansatz.

Solche Maßnahmen können sogar kontraproduktiv sein, wenn durch die fehlende reale Abbildung des Marktes entsprechende Reaktionen ausbleiben – die privaten Haushalte in der derzeitigen Situation also weniger Energie sparen, als sie könnten.

Die Regierung sollte die eigene Wirtschaft vielmehr mit strukturellen Verbesserungen resilienter gegen geopolitische Schocks machen. Zunächst gilt es, kritische Lieferketten für Energie zu diversifizieren und den Ausbau erneuerbarer Energien effizient voranzutreiben.

Zusätzlich sollte die Landesführung die Investitionstätigkeit und das Verbrauchervertrauen in den Blick nehmen. Dabei gilt es zum einen, die Sozialversicherungsbeiträge zu stabilisieren, zum anderen sollten niedrigere Steuern Priorität haben. Eine solche Steuerreform muss dabei – wie bei früheren Reformen auch – vorfinanziert sein, um Investitionen und den privaten Konsum anzukurbeln. Bürokratische Lasten für die Unternehmen abzubauen, ist ein weiterer wichtiger Schritt für eine wirtschaftliche Verbesserung.

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