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Investitionsgüter führen zu Überschüssen

Überschüsse werden im Außenhandel meist von Volkswirtschaften erzielt, die eine industriell geprägte Struktur haben und somit viele Investitionsgüter exportieren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Überschüsse werden im Außenhandel meist von Volkswirtschaften erzielt, die eine industriell geprägte Struktur haben und somit viele Investitionsgüter exportieren.
  • Von 18 Ländern weisen vor allem diejenigen mit einem hohen Industrieanteil einen Leistungsbilanzüberschuss auf.
  • Südkorea hat 2007 mit 28 Prozent den weltweit höchsten Industrieanteil unter den Industrieländern verzeichnet; Deutschland kam auf einen Industrieanteil von 24 Prozent.
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Dass es in Deutschland derzeit ziemlich rund läuft, hängt eng mit der heimischen Wirtschaftsstruktur zusammen: Hierzulande werden vergleichsweise viele Investitionsgüter hergestellt. Maschinen, technische Anlagen und Fahrzeuge sind zudem ein Exportschlager, sie bescheren der deutschen Leistungsbilanz seit Jahrzehnten einen Überschuss. Dieser Zusammenhang lässt sich auch in anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften beobachten:

Von 18 Ländern weisen vor allem diejenigen mit einem hohen Industrieanteil einen Leistungsbilanzüberschuss auf.

Das gilt insbesondere für Südkorea, das 2007 mit 28 Prozent den weltweit höchsten Industrieanteil unter den Industrieländern verzeichnete; Deutschland kam auf einen Industrieanteil von 24 Prozent.

Was für die Leistungsbilanz gilt, die grenzüberschreitende Waren- und Dienstleistungsströme erfasst, gilt auch für die Handelsbilanz: Weil es sich bei den meisten Warenimporten und -exporten um Industrieerzeugnisse handelt, erwirtschaften Länder mit relativ hohen Industrieanteilen ausnahmslos auch markante Handelsbilanzüberschüsse.

Noch deutlicher als das Zusammenspiel zwischen dem Industrieanteil eines Landes und dessen Außenhandelsperformance ist der Zusammenhang zwischen der Investitionsgüterproduktion und dem Handels- bzw. dem Leistungsbilanzsaldo (Grafik): Länder, die vergleichsweise viele Maschinen und Anlagen herstellen und verkaufen, profitieren auch deutlich mehr vom globalen Investitionsboom als Volkswirtschaften wie die USA oder Großbritannien. Dort beträgt der Anteil der Investitionsgüterbranchen an der Gesamtwirtschaft nur rund 5 Prozent, der grenzüberschreitende Inves­titionsgüterhandel war 2007 in beiden Ländern sogar defizitär.

Seit 2011 existieren innerhalb der Europäischen Union Obergrenzen für Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite, deren Überschreiten bislang allerdings nicht sanktioniert wird. Solche Limitierungen blockieren jedoch die Exporttätigkeit der Länder, die Investitionsgüter produzieren. Auch hemmen sie die globale Investitionstätigkeit und damit die weltwirtschaftliche Entwicklung.

Michael GrömlingWirtschaftsstruktur und LeistungsbilanzIW-Trends 2/2013

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