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Investieren muss sich lohnen

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt. Damit auch künftig ausreichend Heimplätze zur Verfügung stehen, müssen die Bundesländer mehr private Anbieter ins Boot holen.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Zukunft braucht Deutschland mehr Pflegeheimplätze
  • Im Jahr 2030 werden bis zu 937.000 Menschen in Deutschland einen Platz in der vollstationären Pflege brauchen
  • Auch private Anbieter sind gefragt
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Im Jahr 2013 gab es in Deutschland mehr als 740.000 Pflegebedürftige in der sogenannten vollstationären Dauerpflege. Für diese Menschen standen knapp 850.000 Plätze in Pflegeheimen zur Verfügung. Das ist eine Auslastung von fast 90 Prozent – zum Vergleich: Deutschlands Kliniken haben derzeit eine Belegungsquote von lediglich 75 Prozent.

Weil die Bevölkerung bekanntlich altert, wird auch der Pflegebedarf steigen. In welchem Ausmaß, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) anhand von zwei Szenarien berechnet, die sich nach den altersspezifischen Pflegefallrisiken unterscheiden (Grafik):

Im Jahr 2030 werden in Deutschland zwischen 894.000 und 937.000 Menschen einen Heimplatz in der vollstationären Dauerpflege brauchen. Bei einem Auslastungsgrad von 90 Prozent werden dann zwischen 83.000 und 194.000 zusätzliche Pflegeheimplätze benötigt.

Laut Gesetz sind die Länder für die Pflegeinfrastruktur verantwortlich. Das heißt aber nicht, dass jedes Bundesland alle Pflegeplätze selbst anbieten muss. NRW & Co. setzen vielmehr auch auf private Träger – diese betreiben heute schon mehr als 40 Prozent aller Pflegeheime.

Private Anbieter kommen die Länder sogar günstiger als zum Beispiel freigemeinnützige Träger. Denn Private sind voll steuerpflichtig, bringen also Einnahmen, und müssen mehr privates Kapital akquirieren als ihre freigemeinnützigen Mitbewerber, wenn sie sich am Markt behaupten wollen.

Welche Bedingungen die Betreiber von Pflegediensten und Pflegeheimen erfüllen müssen, ist in den Landesgesetzen und -verordnungen definiert, darunter auch, welche Investitionskosten in welcher Höhe vom Land erstattet werden dürfen.

Die Investition in ein Pflegeheim lohnt sich jedoch nur, wenn sich das eingesetzte Kapital mindestens so gut verzinst wie in einer alternativen Verwendung, zum Beispiel dem Bau eines Studentenwohnheims (Kas­ten). Dazu müssen auch die unternehmerischen Risiken entgolten werden – dazu zählen beispielsweise unvorhergesehene Reparaturkosten oder zusätzliche Personalkosten infolge einer Grippewelle oder eines Mitarbeiterwechsels.

Gelingt das nicht, werden sich die privaten Kapitalgeber aus dem Pflegemarkt zurückziehen. Einspringen müssen dann die Steuerzahler.

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