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Interview: „Digitales Lernen darf keine Kostenfrage sein“

Befragungen zeigen: Lehrer und Ausbilder möchten die Digitalisierung der Ausbildung vorantreiben. Doch wie bewerten die Auszubildenden den Status quo? Im iwd-Interview erläutert Lennard Mross, Jugendauszubildendenvertreter und Auszubildender bei Mitsubishi in Duisburg, wie erfolgreich der digitale Wandel in die Ausbildung integriert ist und wo strukturelle Probleme liegen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wie er seine Berufsausbildung in Zeiten von Corona, Homeoffice und digitaler Lehre erlebt hat, erzählt Lennard Mross, Jugendauszubildendenvertreter und Auszubildender bei Mitsubishi in Duisburg.
  • Während in seinem Ausbildungsbetrieb alles wie am Schnürchen lief, ging es in der Berufsschule wesentlich unkoordinierter zu.
  • Mross sieht die Gründe dafür vor allem in Bürokratiehürden, der ausbaufähigen Infrastruktur und fehlenden Schulungen für die Lehrerinnen und Lehrer.
Zur detaillierten Fassung

Anderthalb Jahre Corona-Pandemie liegen hinter uns. Wie haben Sie die Berufsausbildung – persönlich und ganz allgemein – in dieser Zeit erlebt?

Da ich meine Ausbildung 2019 begonnen habe, bin ich – zumindest in den schulischen Teil – rein digital gestartet. Im Vergleich zu meinem Ausbildungsbetrieb, der uns super für die Homeoffice-Zeit ausgestattet und sogenannte Soft Tokens und Laptops bereitgestellt hat, ging es in der Berufsschule wesentlich unkoordinierter zu. Es gab keinen roten Faden, an dem sich die Lehrerinnen und Lehrer orientiert hätten.

Lennard Mross ist Jugendauszubildendenvertreter und Auszubildender bei Mitsubishi in Duisburg; Foto: privat Wie erklären Sie sich den Unterschied zwischen Betrieben und Berufsschulen?

Ich glaube, in den Betrieben wurde der Grundstein für einen funktionierenden Remote-Betrieb schon vor der Pandemie gelegt. Da spielen auch die Arbeit der Betriebsräte und die tariflichen Regelungen der IG Metall eine Rolle. Das Homeoffice ist nun mal nicht erst seit vergangenem Jahr ein Thema. Außerdem werden die Betriebe vom Markt angetrieben. Wenn man in einem solchen Wettbewerb steht, muss man up to date bleiben, um die eigenen Produkte weiterhin erfolgreich vertreiben zu können. In den Schulen gestaltet sich die Umstellung aufs Digitale schwerer. Oft müssen Schulleiterinnen und Schulleiter eine Vielzahl von Anträgen stellen, um benötigte Hardware für sich und ihre Schülerinnen und Schüler zu erhalten. Das kann schon mal dauern.

Sie sagen also, die Bürokratie verlangsamt den Prozess. Wie aber schätzen Sie die persönliche Motivation der Lehrer und Ausbilder ein, sich auf digitale Formate einzulassen?

Auch da gibt es Unterschiede zwischen Berufsschulen und Betrieben, aber auch innerhalb der beiden Gruppen. Unter den Lehrerinnen und Lehrern gab es jene, die sofort mit Tools wie Microsoft Teams gearbeitet haben, aber auch jene, bei denen wir bis zum Ende des Lockdowns kein einziges Mal Online-Unterricht hatten. Ich glaube, das liegt zum Großteil daran, dass die Lehrerinnen und Lehrer von der zuständigen Landesregierung in NRW nicht ausreichend geschult werden. Außerdem habe ich das Gefühl, dass es Lehrerinnen und Lehrern häufiger unangenehm ist, Lernmedien einzusetzen, die sie noch nicht kennen. Die Ausbilderinnen und Ausbilder sind da deutlich mehr auf Zack und offener für Neues.

"Das Land muss Fortbildungen zum digitalen Unterrichten schaffen und in Hardware investieren."

Welche Rolle muss die Politik bei diesem Thema spielen?

Politische Entscheidungen spielen eine große Rolle für den Fortschritt der Digitalisierung. Glasfaserleitungen bauen sich schließlich nicht von allein. Betriebe und Schulen, die auf dem Land gelegen sind, müssen einen stabilen Internetzugang haben. Außerdem muss das Land Fortbildungen zum digitalen Unterrichten schaffen und in Hardware für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrerinnen und Lehrer investieren. Digitales Lernen darf keine Sache des Azubi-Geldbeutels sein.

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