Interview: „Die EU ist unsere Versicherung im Handel mit den USA“
Importe aus Deutschland spielen für die US-Wirtschaft in vielen Warengruppen eine unverzichtbare Rolle. Warum die USA auf deutsche Lieferungen angewiesen sind und welche Rolle die EU dabei spielt, erklärt Samina Sultan, Senior Economist für europäische Wirtschaftspolitik und Außenhandel im IW.
- Importe aus Deutschland spielen für die US-Wirtschaft in vielen Warengruppen eine unverzichtbare Rolle, sagt IW-Expertin Samina Sultan.
- "Deutschland und die EU haben es selbst in der Hand, ihre Wettbewerbsfähigkeit und damit ihre Position gegenüber dem amerikanischen Exportmarkt zu stärken", so Sultan.
- Entscheidend sei, dass die EU Handelshemmnisse im Binnenmarkt reduziere und gleichzeitig Anreize für Investitionen schaffe.
Der Wert von Waren, welche die USA 2024 mindestens zur Hälfte aus Deutschland importierten, liegt bei rund 18 Milliarden Dollar. Ist das viel?
Für ein einzelnes mittelgroßes Land ist das nicht unerheblich. China liegt zwar noch deutlich vor uns, aber es zeigt dennoch unsere Stärke als Exportnation.
Die USA beziehen von hier vor allem Maschinen, Fahrzeuge, sowie chemische und pharmazeutische Erzeugnisse wie Düngemittel oder Pharma-Grundstoffe. Vor allem im Maschinenbereich dürften darunter auch einige Vorprodukte sein, die die USA für ihre eigene Produktion brauchen. Fällt die Zulieferung weg, hätte das gravierende Auswirkungen auf die US-Wirtschaft, weil es zu Produktionsstörungen führen könnte.
Welche Branchen in Deutschland profitieren am meisten vom Export in die USA?
Am meisten profitieren Maschinenbauer, die Automobilindustrie sowie die Chemie- und Pharmabranche. Auf der anderen Seite sind diese Branchen dadurch aber auch am meisten auf den amerikanischen Markt angewiesen. Wer zu sehr auf die USA setzt, wird abhängig. Deshalb bleibt Diversifizierung, also die Belieferung mehrerer Länder neben den USA, besonders wichtig.
Sie plädieren für eine stärkere Rolle des europäischen Binnenmarktes. Worauf kommt es dabei an?
Entscheidend ist, dass die EU ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert, etwa durch den konsequenten Abbau von Bürokratie, tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse im Binnenmarkt reduziert und gleichzeitig Anreize für Investitionen schafft. Damit sorgt sie für einen starken Binnenmarkt und steigert die Wettbewerbsfähigkeit der Staatengemeinschaft.
Die EU bietet einen stabilen, verlässlichen Rahmen, der einzelne Mitgliedsstaaten vor unvorhersehbaren Handelsrisiken schützt.
Wie kann die deutsche Politik diesen Weg in der Handelspolitik unterstützen?
Deutschland sollte sich in der Handelspolitik innerhalb der EU für ein geeintes Auftreten einsetzen und keine Alleingänge unternehmen. Nur eine starke und koordinierte EU-Handelspolitik schützt unsere Märkte und macht die Position deutscher Exporteure im internationalen Handel belastbarer. Die EU ist etwa auch unsere Versicherung im Handel mit den USA – sie bietet einen stabilen, verlässlichen Rahmen, der einzelne Mitgliedsstaaten vor unvorhersehbaren Handelsrisiken schützt.
Wie wird sich Deutschlands Rolle bei den Importen der USA in Zukunft entwickeln?
Deutschlands Einfuhren werden weiterhin eine signifikante Rolle für die USA spielen. Viel hängt jedoch davon ab, wie stabil das Zollabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten wirklich ist und wie sich die deutsche Wirtschaftsleistung entwickelt. Überraschungen sind immer möglich – Deutschland und die EU haben es aber selbst in der Hand, ihre Wettbewerbsfähigkeit und damit ihre Position gegenüber dem amerikanischen Exportmarkt zu stärken.