Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Bildung Lesezeit 3 Min.

Internationale Hochschulkooperationen: Ein doppelter Gewinn

Wenn Hochschulen aus Deutschland und dem globalen Süden zusammenarbeiten, profitieren beide Seiten. Neben unmittelbaren Effekten wie dem Wissenstransfer können solche Kooperationen langfristig die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Staaten stärken und dabei helfen, die Fachkräftebasis in Deutschland zu sichern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Deutsche Hochschulen unterhielten im Jahr 2024 rund 4.500 internationale Hochschulpartnerschaften in Ländern, deren jährliches Bruttoinlandsprodukt je Einwohner höchstens 10.000 Dollar betrug.
  • Die Partnerschaftsländer und -institutionen im globalen Süden profitieren von der Zusammenarbeit, weil beispielsweise Nachwuchswissenschaftler von dort aufgrund der Zusammenarbeit mit Forschern aus dem Westen die Möglichkeit haben, in angesehenen Fachjournals publizieren zu können.
  • Auch Deutschland gewinnt: Viele Länder des globalen Südens weisen ein starkes Bevölkerungswachstum und eine größer werdende Mittelschicht auf. Persönliche Beziehungen zwischen den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik in der Bundesrepublik und den jeweiligen Herkunftsländern können dabei helfen, diese Märkte zu erschließen.
Zur detaillierten Fassung

Wozu sind internationale Hochschulkooperationen gut? Weil Ärzte am Komfo Anokye Teaching Hospital in Kumasi, Ghana, nun dank ihrer Kollegen vom Münchener Klinikum Rechts der Isar wissen, wie man minimalinvasive Operationen durchführt. Oder weil Studenten aus Äthiopien Stipendien für die Uni Hohenheim erhalten, um dort ihre Kenntnisse zum Getreideanbau unter sich verändernden klimatischen Bedingungen zu vervollständigen und damit später in ihrem Heimatland dafür zu sorgen, dass sich die Versorgungslage mit Nahrungsmitteln verbessert.

Nicht nur die Partnerschaftsländer und -institutionen im globalen Süden profitieren von der Hochschulzusammenarbeit, auch die Bundesrepublik: weil sie die Fachkräftezuwanderung stärkt, die diplomatische oder wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den betreffenden Ländern verbessert und den Ausbau von Handelsbeziehungen erleichtert.

Die CLIFOOD Graduiertenschule der Uni Hohenheim mit der Uni Hawassa in Äthiopien und die Partnerschaft zwischen der TU München und der Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Ghana sind nur zwei Beispiele von vielen Kooperationen, die hiesige Hochschulen mit Partnerinstitutionen im globalen Süden pflegen (Grafik):

Deutsche Hochschulen unterhielten im Jahr 2024 insgesamt 2.479 internationale Hochschulpartnerschaften in Ländern, deren jährliches Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner höchstens 5.000 Dollar betrug.

So viele Kooperationen unterhielten deutsche Hochschulen im Jahr 2024 mit ausländischen Hochschulen, die ihren Sitz in Ländern mit einem geringen Wohlstandsniveau haben Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen Bezieht man auch die Länder mit ein, in denen das BIP je Einwohner zwischen 5.000 und 10.000 Dollar lag, existierten zuletzt insgesamt rund 4.500 Kooperationen.

Dabei profitieren nicht nur die Partnerschaftsländer und -institutionen im globalen Süden von der Zusammenarbeit, weil beispielsweise Nachwuchswissenschaftler von dort aufgrund der Zusammenarbeit mit Forschern aus dem Westen die Möglichkeit haben, in angesehenen Fachjournals publizieren zu können. Auch Deutschland gewinnt aufgrund von Kooperationen mit Hochschulen aus dem globalen Süden:

Stärkung der Fachkräftezuwanderung. Deutschland ist aufgrund des demografischen Wandels in zunehmendem Maß auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Hochschulkooperationen können dafür sorgen, dass junge Menschen in ihren Heimatländern eine zu ihrem qualifikatorischen Hintergrund gut passende hochschulische Grundausbildung erhalten und diese in Deutschland zum neuesten Stand der Technik erweitern, auch in Form von Doppelabschlussprogrammen. Dies macht ihnen die Zuwanderung über die Hochschule nach Deutschland wesentlich einfacher.

Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit. Viele Absolventen von Ausbildungsprogrammen im Kontext internationaler Hochschulkooperationen nehmen später wichtige Positionen in der Wirtschaft, der Regierung oder der Wissenschaft in ihrem Heimatland ein. Die während des Studiums entstandenen persönlichen Beziehungen zu Deutschland können die diplomatische oder wirtschaftliche Zusammenarbeit erleichtern. Diese tiefergehenden Verbindungen sind gerade in der heutigen geopolitisch angespannten Weltlage besonders wertvoll.

Ausbau von Handelsbeziehungen. Viele Länder des globalen Südens weisen ein starkes Bevölkerungswachstum und eine größer werdende Mittelschicht auf. Damit sind sie für die exportorientierte deutsche Wirtschaft auch als Absatzmärkte interessant. Persönliche Beziehungen zwischen den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik in Deutschland und den jeweiligen Herkunftsländern können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, diese Märkte zu erschließen. Gleichzeitig können tiefere Handelsbeziehungen mit dem globalen Süden auch dabei helfen, Deutschlands Beschaffungswege von wichtigen Rohstoffen zu diversifizieren.

Hochschulkooperationen mit Ländern des globalen Südens leisten einen bedeutsamen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

Auch wenn sich diese Wirkmechanismen nicht verlässlich quantifizieren lassen – die Förderung von Hochschulkooperationen leistet in einer von globalen Unsicherheiten geprägten Zeit mittelbar einen bedeutsamen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und damit auch zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte in Deutschland. Deshalb ist es nicht nur aus entwicklungspolitischer Sicht problematisch, diese vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten Programme – für das Jahr 2021 wies das Ministerium Investitionen von knapp 85 Millionen Euro aus – fast vollständig einzustellen, wie es die Bundesregierung vor dem Hintergrund des Spardrucks angedacht hat.

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