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des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Tarifverhandlungen Lesezeit 3 Min.

Intensives Ringen um Tarifabschlüsse

Im ersten Halbjahr 2025 gab es in Deutschland zwar nur in wenigen Branchen Tarifverhandlungen, diese hatten es zum Teil aber in sich. Knackpunkte waren hohe Lohnforderungen der Gewerkschaften, der Wunsch nach mehr freien Tagen für die Beschäftigten sowie Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Tarifverhandlungen im ersten Halbjahr 2025 waren vor allem auf kommunaler Ebene intensiv. So konnte etwa eine Einigung für die Ärzte kommunaler Krankenhäuser erst nach einer Urabstimmung über unbefristete Streiks gefunden werden.
  • Durchschnittlich erreichten die Tarifverhandlungen in diesem Jahr bislang eine Konfliktintensität von 9,1 Punkten. Das waren 0,9 Konfliktpunkte mehr als im langjährigen Mittel der Jahre 2000 bis 2024.
  • Im zweiten Halbjahr stehen nur in wenigen Branchen Verhandlungen an. Da das Eskalationspotenzial dort eher gering ist, dürfte die Konfliktintensität im zweiten Halbjahr insgesamt unter der des ersten Halbjahres liegen.
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Tarifverhandlungen sind kein Zuckerschlecken – das merkten die Verhandler von Gewerkschafts- und Arbeitgeberseite in der Süßwarenindustrie im ersten Halbjahr 2025 einmal mehr. Die Sozialpartner konnten sich nach knapp 30 Monaten zähem Ringen nicht auf einen Tarifvertrag verständigen und setzten die Gespräche bis auf Weiteres aus.

In den anderen acht Verhandlungen, die in den ersten sechs Monaten des Jahres liefen, erzielten die Vertreter von Arbeitgebern und -nehmern dagegen Einigungen – auch wenn der Weg dahin teils von intensiven Konflikten geprägt war. Das lag nicht zuletzt an den speziellen Forderungen der Arbeitnehmerseite.

Neben immer noch recht hohen Entgeltvorstellungen gab es Forderungen nach mehr Freizeit für die Beschäftigten. Die Gewerkschaften verlangten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen, bei der Deutschen Post und bei der Deutschen Bahn (EVG-Tarifbereich) zusätzliche freie Tage. Und in der Druckindustrie sollte die Wochenarbeitszeit in Ostdeutschland von 38 auf 35 Stunden sinken.

Hinzu kamen Forderungen nach Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder. So sollten Gewerkschaftsmitglieder im öffentlichen Dienst und bei der Deutschen Post vier zusätzliche freie Tage im Jahr erhalten.

Auf kommunaler Ebene ging es in den Verhandlungen dabei am intensivsten zur Sache (Grafik):

Eine Tarifeinigung konnte für die Ärzte kommunaler Krankenhäuser erst nach einer Urabstimmung für unbefristete Streiks gefunden werden.

So hoch war die Konfliktintensität in den Tarifverhandlungen dieser Branchen im ersten Halbjahr 2025 in Punkten Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Damit erreichte die Auseinandersetzung Stufe sechs von sieben in der IW-Konfliktmessung. Die Tarifeinigung sieht Entgelterhöhungen von 4 Prozent rückwirkend ab Juli 2024 sowie um jeweils weitere 2 Prozent ab August 2025 und Juni 2026 vor. Darüber hinaus wird der Zeitraum für die Nachtarbeit ausgeweitet und der Nachtzuschlag von 15 auf 20 Prozent des individuellen Stundenentgelts erhöht. Höhere Samstagszuschläge und eine angepasste Schichtarbeitsregelung gehören ebenso zum Tarifpaket, auf das sich Kommunen und Marburger Bund einigen konnten.

Zwar sank im ersten Halbjahr 2025 die Konfliktintensität in den Tarifverhandlungen im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings zählte 2024 zu den konfliktreichsten Jahren und der Wert von 2025 ist immer noch relativ hoch.

Im öffentlichen Dienst kamen die Kommunen – gemeinsam mit dem Bund – ebenfalls zu einer Lösung mit der Gewerkschaftsseite. Dazu brauchte es allerdings eine Schlichtung. Das Ergebnis: Die Löhne und Gehälter steigen in zwei Stufen um insgesamt 5,8 Prozent: 3,0 Prozent (mindestens aber 110 Euro) ab April 2025 und 2,8 Prozent ab Mai 2026. Die Schichtdienstzulagen und Zulagen für Wechselschichtdienste werden zudem angehoben.

Bis zur Schlichtung ging es auch in der Systemgastronomie. Nach fast einem Jahr Verhandlungszeit stand ein neuer Entgeltvertrag. Er gilt für die 120.000 Beschäftigten für 22 Monate bis Ende 2026 und sieht in jeweils drei Schritten Lohnerhöhungen in allen zwölf Tarifgruppen vor. Das Lohnplus beträgt über den gesamten Zeitraum zwischen 9,8 und 18,7 Prozent.

Dass Einigungen auch ruhig und unkompliziert vonstattengehen können, zeigten diesmal Deutsche Bahn und EVG. Schon in der dritten Verhandlungsrunde stand ein Abschluss für die 190.000 Beschäftigten. Mit 33 Monaten ist die Laufzeit zudem ungewöhnlich lang. Auch in der papierverarbeitenden Industrie gelangten die Sozialpartner ziemlich schnell zu einem für beide Seiten akzeptablen Ergebnis.

Unterm Strich sank im ersten Halbjahr die Konfliktintensität in den Tarifverhandlungen im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings ist dabei zu beachten, dass 2024 zu den konfliktreichsten Jahren zählte und der Wert von 2025 immer noch relativ hoch ist (Grafik):

Durchschnittlich erreichten die Tarifverhandlungen im ersten Halbjahr 2025 eine Konfliktintensität von 9,1 Punkten. Das waren 0,9 Konfliktpunkte mehr als im langjährigen Mittel der Jahre 2000 bis 2024.

Durchschnittliche Konfliktintensität der Tarifverhandlungen in Deutschland in Punkten Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Nur wenige Tarifverhandlungen im zweiten Halbjahr 2025

Im zweiten Halbjahr 2025 stehen nur wenige Verhandlungen an. Der Tarifvertrag des Kabinenpersonals von Eurowings ist inzwischen ausgelaufen, in der Eisen- und Stahlindustrie starten im Spätsommer die ersten Gespräche und für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder wird es im Dezember ernst. Dann beginnen dort neue Verhandlungen. Das Eskalationspotenzial ist bei Eurowings sowie in der Eisen- und Stahlindustrie relativ überschaubar. Im öffentlichen Dienst sollte es bis Jahresende aus zeitlichen Gründen maximal Warnstreiks geben. Dadurch dürfte die Konfliktintensität insgesamt unter der des ersten Halbjahres liegen.

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