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Intelligente Arbeitsteilung

Selbstständige mit einem Werkvertrag sind oft gut ausgebildete Spezialisten, die entsprechend gut verdienen und seltener arbeitslos sind als andere. Werkvertragnehmer sind also alles andere als prekär Beschäftigte.

Kernaussagen in Kürze:
  • Selbstständige mit einem Werkvertrag sind oft gut ausgebildete Spezialisten, die entsprechend gut verdienen.
  • Werkvertragnehmer sind alles andere als prekär Beschäftigte.
  • Die Nutzung von Werkverträgen geht nicht zu Lasten der Stammbeschäftigung.
Zur detaillierten Fassung

Werkverträge sind ein kleiner, aber wichtiger Teil des Arbeitsmarktes. Wie klein, zeigt eine Hochrechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels. Demnach schließen in Deutschland etwa 900.000 Selbstständige im Haupterwerb Werkverträge ab. Dies entspricht einem Anteil von 2,1 Prozent an allen Erwerbstätigen.

Wie wichtig die „Branche“ für die deutsche Wirtschaft ist, macht ein Beispiel deutlich. Weil Werkverträge Spezialisierung und effiziente Arbeitsteilung ermöglichen, lassen IT-Abteilungen ihre Software von freiberuflichen Informatikern programmieren, die, wenn sie ihre Arbeit erledigt haben, zur nächsten Firma ziehen, um dort ihre Dienste anzubieten. Einen eigenen Mitarbeiter für einen solchen zeitlich begrenzten Job einzustellen, würde sich für eine Firma nicht rechnen – falls überhaupt genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Wenn bestimmte Arbeiten dagegen regelmäßig und in großem Umfang anfallen, greifen die Unternehmen nach wie vor lieber auf eigene Mitarbeiter zurück. Deshalb geht die Nutzung von Werkverträgen auch nicht zulasten der Stammbeschäftigung – dafür gibt es belastbare Indizien:

  • Die Stammbelegschaften in der deutschen Metall- und Elektro-­Industrie waren im ersten Halbjahr 2015 um 1,4 Prozent größer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
  • Der Anteil der Normalarbeitsverhältnisse an den gesamten Arbeitsverhältnissen hat sich im Zeitraum 2006 bis 2013 um 4 Prozentpunkte auf 45 Prozent erhöht, während der Anteil aller Formen der flexiblen Beschäftigung mit 14 Prozent konstant geblieben ist.

Auch das Vorurteil, dass es sich bei Werkverträgen um eine prekäre Beschäftigung handele, lässt sich widerlegen. Zum einen sind selbstständige Werkvertragnehmer überdurchschnittlich gut qualifiziert: Die Hälfte von ihnen hat einen Hochschulabschluss – bei den abhängig Beschäftigten sind es dagegen lediglich 24 Prozent (Grafik).

Außerdem arbeiten zwei Drittel der selbstständigen Werkvertragnehmer in ihrem erlernten Beruf; das trifft nur auf 57 Prozent der übrigen Arbeitnehmer zu.

Folglich verdienen Werkvertragnehmer auch recht gut, im Schnitt haben sie ein Bruttomonatseinkommen von 3.500 Euro (Grafik). Abhängig Beschäftigte – Vollzeit- und Teilzeitkräfte – kommen nur auf durchschnittlich 2.500 Euro.

Die Befürchtung, dass Werkvertragnehmer nach einem Auftrag regelmäßig in ein tiefes Loch fallen, weil sie keinen neuen Auftrag bekommen, ist unbegründet. In der Regel reiht sich Job an Job: Selbstständige Werkvertragnehmer waren in ihrem Leben bisher im Schnitt nur rund sieben Monate arbeitslos. Bei abhängig Beschäftigten sind es fast neun Monate.

Und so haben Werkvertragnehmer letztlich keine größeren Exis­tenzsorgen als Angestellte:

Die Hälfte der Selbstständigen hält es für unwahrscheinlich, in den kommenden zwei Jahren arbeitslos zu werden.

Von den abhängig Beschäftigten waren sich nur 47 Prozent sicher, demnächst nicht auf der Straße zu stehen.

Dementsprechend gering ist das Armutsrisiko für Werkvertragnehmer – gerade einmal 6 Prozent haben ein Einkommen, das unterhalb der offiziellen Armutsgrenze liegt. Von den Selbstständigen ohne Werkvertrag ist dagegen jeder zehnte armutsgefährdet.

Die Auftraggeber schätzen an den Werkvertragnehmern vor allem deren Flexibilität, Ideenreichtum und Effizienz. Darin sehen auch die Auftragnehmer selbst ihre Stärken. Nach eigener Einschätzung halten sich Selbstständige mit Werkverträgen für besonders innovativ und zielstrebig. Auf einer Skala von 1 (trifft überhaupt nicht zu) bis 7 (trifft voll zu) erreichen sie durchschnittlich 5,5 Punkte, in puncto Effizienz kommen sie sogar auf 6,0 Punkte.

Dass Werkvertragnehmer sich für besonders innovativ und effizient halten, dürfte letztlich auch dem Umstand geschuldet sein, dass sie für ihren eigenen wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich zeichnen.

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