Biolebensmittel 15.02.2017 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Intellektuelle essen gesünder

Es ist längst nicht nur ein gut gefülltes Bankkonto, das die Bundesbürger zu ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln greifen lässt. Auch die Lebenseinstellung, das Bildungsniveau und das Alter beeinflussen das Einkaufs- und Ernährungsverhalten, wie eine IW-Auswertung zeigt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Biolebensmittelbranche setzte 2016 in Deutschland rund 9,5 Milliarden Euro um - 10 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • Im Durchschnitt kauft jeder fünfte Konsument regelmäßig ökologisch erzeugte Nahrungsmittel.
  • Betrachtet man die einzelnen Milieus, dann sind die Kritisch-Kreativen die emsigsten Bioeinkäufer: Fast die Hälfte von ihnen bestückt ihren Warenkorb immer oder häufig mit Biokost.
Zur detaillierten Fassung

Ökolebensmittel mögen zwar nur eine Nische in der Landwirtschaft und Lebensmittelbranche sein, dafür aber eine kontinuierlich wachsende. Fleisch von Tieren, die artgerecht gehalten werden, sowie Obst und Gemüse, das von glyphosatfreien Äckern stammt, liegt im Trend:

Die Verbraucher in Deutschland gaben 2016 rund 9,5 Milliarden Euro für Biolebensmittel aus – 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zwar kommen viele Bioprodukte aus dem Ausland, doch 2016 konnte der Ökolandbau in Deutschland ein Flächenwachstum von fast 9 Prozent auf nunmehr 1,2 Millionen Hektar verzeichnen – das ist deutlich mehr als in den Vorjahren. Auch die Zahl der Biobetriebe ist kräftig gewachsen: Im vergangenen Jahr stiegen mehr als 2.100 Bauern auf ökologische Landwirtschaft um, so dass mittlerweile fast jeder zehnte Landwirtschaftsbetrieb in Deutschland biologisch arbeitet.

Jeder fünfte Konsument in Deutschland kauft regelmäßig ökologisch erzeugte Nahrungsmittel.

Dass die Käufer von veganem Öko-Wein und schwarzer Johannisbeer-Rosmarin-Bio-Limonade tendenziell höheren Einkommensklassen angehören, ist nicht neu. Spannend ist aber, welche sozialen Milieus der Biokost besonders zugetan sind und welche weniger. Dies hat nun das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) untersucht und dabei unter anderem festgestellt, dass nicht nur der Geldbeutel über die Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten entscheidet.

Fast die Hälfte der Kritisch-Kreativen kauft Bioprodukte

So hat vor allem das kritisch-kreative Milieu, also Personen, die weltoffen, unabhängig und intellektuell versiert sind, ein Faible für Biolebensmittel – obwohl längst nicht alle von ihnen zu den oberen Einkommensgruppen gehören:

Knapp 7 Prozent des kritisch-kreativen Milieus kaufen immer ökologisch hergestellte Nahrungsmittel ein, weitere 40 Prozent tun dies oft.

Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt – also über alle Milieus hinweg - packen lediglich 20 Prozent immer oder oft Biolebensmittel in ihren Einkaufskorb.

Zweitgrößter Biolebensmittelnachfrager mit knapp 30 Prozent sind die üblichen Verdächtigen: das gehobene Milieu. Rund 8 Prozent von ihnen geben an, sogar ausschließlich ökologisch erzeugte Lebensmittel zu kaufen. Personen, die zum gehobenen Milieu zählen, stehen finanziell gut da, haben einen höheren Bildungsabschluss und sind leistungsorientiert. Außerdem sind ihnen Qualität und Effizienz wichtig - auch beim Konsum.

Junge Leute haben Faible für ökologisch erzeugte Lebensmittel

Dass aber längst nicht immer der Preis und das Einkommen entscheiden, zeigt auch ein Blick auf das Einkaufsverhalten der jungen Leute: Die unter 30-Jährigen, die oft noch in der Ausbildung stecken oder studieren und über vergleichsweise wenig Geld verfügen, kaufen häufiger Biolebensmittel als der bürgerliche Mainstream, der über größere finanzielle Ressourcen verfügt. Obwohl die 40- bis 70-Jährigen des bürgerlichen Mainstreams der mittleren Einkommensgruppe angehören, ist ihr Kostenbewusstsein sowie ihr Wunsch nach Harmonie und Sicherheit ausgeprägter als in anderen Milieus.

Zwar steigt die Nachfrage nach Biolebensmitteln, dennoch handelt es sich immer noch um eine Marktnische: Denn der Anteil der Bioprodukte am gesamten deutschen Lebensmittelmarkt beträgt lediglich 5 Prozent. Die Bundesregierung möchte dies gerne ändern und hat 2016 ein „Nationales Programm für nachhaltigen Konsum“ ins Leben gerufen, um ökologische Produkte populärer zu machen.

IW-Kurzbericht 16/2017

Adriana Neligan/Theresa Eyerund: „In der kreativen Nische kommt Bio-Essen auf den Tisch“

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