Industriestrompreis: Spürbare Entlastung für Betriebe
Die Bundesregierung will die energieintensiven Betriebe in Deutschland beim Strompreis entlasten, denn die im internationalen Vergleich hohen Kosten gefährden ihre Wettbewerbsfähigkeit. Nachdem die EU nun den Weg für den Industriestrompreis frei gemacht hat, können sich die Unternehmen auf deutliche Einsparungen einstellen.
- In kaum einem anderen Land zahlen Unternehmen so viel für Strom wie in Deutschland. Die Regierung will daher energieintensive Betriebe beim Strompreis entlasten.
- Durch einen Industriestrompreis würden die Firmen nach IW-Berechnungen über den Zeitraum von drei Jahren insgesamt 4 Milliarden Euro sparen.
- Kurzfristig ist die Maßnahme hilfreich. Langfristig muss die Politik aber die deutsche Stromerzeugung effizienter gestalten, um die Kosten nachhaltig zu senken.
Das Wie ist noch nicht ganz klar, fest steht aber: Die Bundesregierung will die energieintensiven Unternehmen im Land mit einem Industriestrompreis entlasten. Das ist verständlich, denn in kaum einem anderen Land zahlen Betriebe so viel für ihre Energieversorgung:
Eine Megawattstunde Strom kostete für Industrieunternehmen mit einem jährlichen Verbrauch zwischen 20 und 70 Gigawattstunden (GWh) im Jahr 2024 rund 150 Euro – nach Abzug von Steuern und Abgaben. In Spanien lag der Preis bei 100 Euro, in den USA betrug der durchschnittliche Industriestrompreis sogar nur etwa 67 Euro.
Mit dem Industriestrompreis will die Regierung das Problem angehen. Die EU hat dafür zuletzt grünes Licht gegeben: Der Industriestrompreis darf – orientiert am Börsenstrompreis – auf bis zu 5 Cent pro Kilowattstunde gesenkt, maximal für die Hälfte des Jahresverbrauchs eines Unternehmens gewährt werden und über drei Jahre laufen.
Die Einführung eines Industriestrompreises ist eine wirksame, kurzfristige Entlastung für die Unternehmen in Deutschland.
Das IW hat die Ersparnisse für die gesamte Industrie berechnet – unter der Annahme, dass alle Unternehmen mit einem Jahresstromverbrauch von mindestens 20 GWh davon profitieren. Aufgrund der aktuellen Future-Preise auf der Strombörse, die von leicht sinkenden Preisen in den kommenden Jahren ausgehen, ist der Effekt der Maßnahme anfangs am größten (Grafik):
Im laufenden Jahr würden die heimischen Unternehmen insgesamt 1,5 Milliarden Euro an Stromkosten sparen. Über den Zeitraum von drei Jahren wären es insgesamt 4 Milliarden Euro.
Damit ist die Einführung eines Industriestrompreises eine wirksame, kurzfristige Entlastung für die Unternehmen in Deutschland. Zu bedenken ist aber, dass die Maßnahme keine langfristige Perspektive auf wettbewerbsfähige Strompreise bietet. Drei Jahre sind in der strategischen Planung von Unternehmen eine zu kurze Zeitspanne.
Die Aufgabe für die Politik ist daher, die deutsche Stromerzeugung effizienter zu gestalten, um die Kosten nachhaltig zu senken. Neben dem konsequenten und effizienten Ausbau erneuerbarer Energien sind Einsparpotenziale beim Netzausbau, beispielsweise durch den Verzicht auf Erdkabel, sowie der Ausbau von Speichern und regelbaren Kraftwerken notwendige Schritte.