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Industrie fürchtet steigende Energiekosten

Die hohen Strompreise in Deutschland belasten die Industrie. Wenn darunter die Investitionen leiden oder einzelne energieintensive Unternehmen sogar abwandern, gerät die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft – das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die hohen Strompreise könnten Investitionen behindern und damit die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.
  • Ein angenommener Strompreisanstieg um 2 Cent je Kilowattstunde würde der Chemie 742 Millionen Euro jährlich an zusätzlichen Kosten aufbürden, den Metall-Unternehmen 707 Millionen.
  • Knapp 60 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass sie bei Abwanderung von Zulieferern geschäftlich unter Druck geraten; etwa ein Drittel der Metall-Firmen schätzt, dass sich Forschungsverbände auflösen.
Zur detaillierten Fassung

Strom ist in Deutschland teuer, das spüren nicht nur die privaten Verbraucher. Auch die hiesige Industrie zahlt einen hohen Preis für Elektrizität, wie der Vergleich mit den europäischen Nachbarländern zeigt:

In Deutschland lag der Strompreis für industrielle Großkunden mit einem Verbrauch zwischen 20.000 und 70.000 Megawattstunden 2012 bei 10,4 Cent je Kilowattstunde – das waren über 3 Cent mehr als in Frank­reich und gut 1,2 Cent mehr als im Durchschnitt aller 27 EU-Länder.

Durch die Energiewende wird der Strompreis tendenziell weiter steigen. Verantwortlich dafür ist zu einem guten Teil die EEG-Umlage, mit der die Kosten der garantierten und über dem Marktpreis liegenden Einspeisevergütungen für regenerativen Strom auf alle Stromverbraucher verteilt werden. Die Umlage beträgt derzeit knapp 5,3 Cent je Kilowattstunde Strom. Weniger zahlen lediglich Unternehmen, deren Stromkosten einen Anteil von mehr als 14 Prozent an ihrer Bruttowertschöpfung haben (vgl. iwd 6/2013).

Welche Folgen es für die Industrie hat, wenn diese Ausnahmeregelungen abgeschafft werden oder der Strompreis aus anderen Gründen steigt – zum Beispiel, um den dringend erforderlichen Ausbau der Stromnetze zu finanzieren –, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) genauer untersucht. Die Ergebnisse der Studie:

  1. Mehrkosten. Besonders stark betroffen wären die Chemische und die Metall-Industrie, denn auf diese beiden Branchen entfällt jeweils ein Fünftel des gesamten Industriestromverbrauchs (Grafik): 

Ein angenommener Strompreisanstieg um 2 Cent je Kilowattstunde würde der Chemie 742 Millionen Euro jährlich an zusätzlichen Kosten aufbürden, den Metall-Unternehmen 707 Millionen.

  1. Investitionsschwäche und Kapitalschwund. Für Unternehmen, die energieintensiv produzieren, ist die Situation in Deutschland ohnehin schon schwierig. Das zeigt die ausgesprochen schwache Investitions­tätigkeit: Seit dem Jahr 2000 haben die energieintensiven Branchen Metall, Chemie, Glas, Keramik, Steine und Erden sowie Papier fast durchgängig weniger investiert, als nötig gewesen wäre, um die Abnutzung ihrer Produktionsstätten auszugleichen.

So deckten die Gesamtinvestitionen der energieintensiven Industrie im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2010 nur 85 Prozent ihrer Abschreibungen, während die übrigen Unternehmen immerhin 99 Prozent des Kapitalverschleißes kompensierten. Steigt der Strompreis hierzulande infolge der Energiewende weiter an, könnte sich dieser schleichende Des­investitionsprozess in den energieintensiven Branchen beschleunigen.

  1. Die übrige Wirtschaft gerät in Mitleidenschaft. Rund 80 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes haben enge Lieferbeziehungen mit der energieintensiven Industrie und etwa 40 Prozent arbeiten mit ihr in Netzwerken zusammen, vor allem in der Forschung und Entwicklung. Es hätte also Folgen, sollte das eine oder andere energieintensive Unternehmen wegen der hohen Strompreise beispielsweise nach Frankreich, in den Nahen Osten oder in die USA abwandern: Ein Drittel der Industriefirmen befürchtet für diesen Fall schlechtere Geschäfte, wie eine Befragung von 1.500 Unternehmen für das IW-Zukunftspanel im Jahr 2012 ergab. Besonders groß sind die Sorgen in der Metall-Industrie (Grafik):

Knapp 60 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass sie bei Abwanderung von Zulieferern geschäftlich unter Druck geraten; etwa ein Drittel der Metall-Firmen schätzt, dass sich Forschungsverbünde auflösen.

Gerade solche Kooperationen mit energieintensiven Unternehmen scheinen für viele Firmen ertragreich: 70 Prozent schätzen die innovativen Impulse, die davon ausgehen. Mit Unternehmen, die ihren Sitz im Ausland haben, würden knapp 13 Prozent der Industrie keine gemeinsamen Entwicklungen anstreben.

Hubertus Bardt / Hanno KempermannFolgen der Energiewende für die deutsche IndustrieIW-Positionen Nr. 58, Köln 2013, 42 Seiten, 11,80 EuroVersandkostenfreie Bestellung unter: www.iwmedien.de/bookshop

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