In welchen Branchen die meisten Fachkräfte fehlen
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat mit einer neuen Methodik erstmals Zahlen zu den Fachkräfteengpässen in einzelnen Branchen berechnet. Das Ergebnis: In vielen Wirtschaftszweigen fehlt Personal, am stärksten betroffen sind allerdings das Gesundheitswesen, Teile des Bausektors und die öffentliche Verwaltung.
- Im Schnitt des vergangenen Jahres war die Fachkräftelücke im Gesundheitswesen mit mehr als 46.000 nicht besetzbaren offenen Stellen die größte aller Wirtschaftszweige.
- In vielen der fünf Wirtschaftsbereiche mit dem größten Mangel an qualifizierten Arbeitskräften sind es nur wenige Berufe, auf die sich die Engpässe konzentrieren.
- In diesen Wirtschaftszweigen können beim Werben um neue Mitarbeiter daher Imagekampagnen sinnvoll sein, die gemeinsam auf die einzelnen Berufe und die gesamte Branche abstellen.
Zu den vielen Problemen, die die deutsche Wirtschaft herausfordern, zählt der Fachkräftemangel (siehe “Die Fachkräftelücke wächst weiter”). Das IW stellt bereits seit 2020 regelmäßig Zahlen darüber bereit, wie viele beruflich oder akademisch qualifizierte Arbeitskräfte in einzelnen Berufen fehlen.
Nun hat das Institut seine Methodik erweitert, sodass es erstmals möglich ist, die Fachkräftelücke für die Wirtschaftszweige zu berechnen. Damit lassen sich für die einzelnen Branchen auch Fachkräfteengpässe identifizieren, die nicht in den entsprechenden Kernberufen bestehen, aber dennoch für die wirtschaftliche Tätigkeit der Unternehmen relevant sind. Das können beispielsweise fehlende Fachkräfte in den Bereichen IT, Verwaltung oder Vertrieb sein.
Von allen Wirtschaftszweigen war die Fachkräftelücke im Gesundheitswesen mit mehr als 46.000 nicht besetzbaren offenen Stellen im Schnitt des vergangenen Jahres am größten.
Die Berechnung von branchenbezogenen Fachkräftelücken ermöglicht es auch, aufzuzeigen, in welchen Berufsbereichen einzelne Wirtschaftszweige um dieselben Fachkräfte konkurrieren. Zunächst einmal verdeutlichen die neu berechneten Daten aber, in welchen Wirtschaftszweigen der Mangel besonders groß ist (Grafik):
Im Schnitt des vergangenen Jahres war die Fachkräftelücke im Gesundheitswesen mit mehr als 46.000 nicht besetzbaren offenen Stellen am größten.
In ähnlichem Maße litten ein Teil des Bausektors sowie der Wirtschaftsbereich „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“ unter Fachkräfteengpässen. Insgesamt betrifft das Problem sowohl vielfältige Dienstleistungssparten als auch wichtige Bereiche der Industrie.
Legt man den Fokus auf die fünf Wirtschaftszweige mit dem größten Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, wird deutlich, wie stark einige Berufe die Fachkräftesituation in den einzelnen Branchen prägen (Grafik):
Im Gesundheitswesen machten 2024 die fehlenden Physiotherapeuten, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie zahnmedizinischen Fachangestellten zusammen mehr als 56 Prozent der gesamten Fachkräftelücke aus.
Im Wirtschaftszweig „Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe“ sowie im Einzelhandel ohne den Kfz-Bereich sind es sogar nur jeweils zwei Berufe, auf die sich fast die Hälfte der Fachkräfteengpässe konzentriert. Und im Sozialwesen sind nahezu 80 Prozent der Fachkräftelücke lediglich vier Berufen zuzuschreiben.
Wenn es darum geht, um neue Mitarbeiter zu werben, können demnach in diesen Wirtschaftszweigen Imagekampagnen sinnvoll sein, die gemeinsam auf die einzelnen Berufe und die gesamte Branche abstellen.