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In guten wie in schlechten Zeiten

Seit dem historischen Tief im Jahr 2006 ist der Krankenstand ununterbrochen gestiegen. Das zeigt vor allem eines: Egal, ob die Konjunktur brummt oder lahmt – die wirtschaftliche Lage hat offenbar keinen Einfluss darauf, ob sich Beschäftigte krankschreiben lassen oder nicht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Krankenstand ist seit 2006 ununterbrochen gestiegen.
  • Die wirtschaftliche Lage hat offenbar keinen Einfluss darauf, ob sich Beschäftigte krankschreiben lassen oder nicht.
  • Bis Mitte 30 sind beschäftigte BKK-Pflichtmitglieder im Schnitt nicht einmal zehn Kalendertage pro Jahr krankgeschrieben - Mitarbeiter vor dem Renteneintrittsalter hingegen 27 Tage.
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Fast 15 Tage waren pflichtversicherte Beschäftigte im Jahr 2010 durchschnittlich krankgeschrieben. Der Gesundheitsreport des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen verzeichnet damit den vierten Anstieg in Folge.

Zuvor war es genau umgekehrt: Von 1996, als Arbeitnehmer im Schnitt fast 21 Tage krank waren, bis 2006 war der Krankenstand kontinuierlich auf 12,4 Tage gesunken.

Laut den aktuellen Stichproben der Betriebskrankenkassen (BKK) dürfte sich der jüngste Aufwärts­trend auch im Jahresdurchschnitt 2011 fortgesetzt haben. Allerdings lag der Krankenstand im zweiten Halbjahr zum Teil wieder unter dem Vorjahresniveau.

Vor allem Gewerkschaftsvertreter behaupten immer, dass sich Arbeitnehmer gerade in Krisenzeiten aus Angst vor einem Jobverlust lieber krank zur Arbeit schleppen, als zum Arzt zu gehen und gegebenenfalls zu Hause zu bleiben. Tatsächlich aber haben sich die Fehlzeiten zuletzt unabhängig vom Auf oder Ab der Konjunktur entwickelt:

Die Zahl der durchschnittlichen Fehltage wegen Arbeitsunfähigkeit kletterte sowohl während des Booms 2007 als auch mit dem Beginn der Rezession 2008 sowie im Krisenjahr 2009 – und während des neuerlichen Aufschwungs seit 2010 ebenfalls.

Rund ein Viertel der Arbeitsausfälle geht auf das Konto schmerzender Muskeln und Gelenke (Grafik oben), unter denen gerade ältere Mitarbeiter zu leiden haben. Bronchitis, Asthma und andere Atemwegserkrankungen sind für jeden siebten Ausfalltag verantwortlich, nur etwas weniger sind es aufgrund von Verletzungen und Vergiftungen.

Deutlich zugenommen hat die Bedeutung psychischer Störungen. Seit 1995 hat sich die Zahl der dadurch verursachten durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeitstage auf zwei je BKK-Mitglied verdoppelt. Allerdings werden auch arbeitslose Mitglieder in diese Statistik einbezogen – aufgrund der unbefriedigenden beruflichen Situation dürfte deren Psyche besonders stark belastet sein. Gleichwohl steigt die Bedeutung seelischer Störungen auch bei Menschen mit einem festen Job.

Dass die Fehlzeiten wegen Krankheiten generell zunehmen, liegt auch an der Demografie: Die Belegschaften werden immer älter, besonders in den vergangenen Jahren sind die Beschäftigtenzahlen der über 55-Jährigen deutlich gestiegen. Und mit dem Alter nimmt das Risiko zu, krank zu werden. Das spiegelt sich auch in der Verteilung der Arbeitsunfähigkeitstage wider. Ältere Mitarbeiter fallen im Schnitt länger aus als jüngere:

Bis Mitte 30 sind beschäftigte BKK-Pflichtmitglieder im Schnitt nicht einmal zehn Kalendertage pro Jahr krankgeschrieben. Mitarbeiter, die fünf bis zehn Jahre vor der Rente stehen, kommen dagegen auf 27 Ausfalltage.

Besonders die Fehlzeiten, die auf Muskel- und Skeletterkrankungen beruhen, steigen überdurchschnittlich stark mit dem Alter. Bis Mitte 30 gehen wegen dieser Probleme im Durchschnitt kaum zwei Arbeitstage verloren. Beschäftigte jenseits von 55 Jahren werden vom Rücken und von anderen Gliedmaßen dagegen im Schnitt mindestens neun Tage pro Jahr geplagt.

Dies zeigt allerdings auch: Mit der richtigen Prävention lassen sich solche Leiden mindern oder sogar verhindern. Gelingt es beispielsweise, bei den jüngeren Kollegen erfolgreich gegen typische Erkrankungen wie dem Bandscheibenvorfall vorzubeugen, muss der Krankenstand auch in alternden Belegschaften nicht zwangsläufig steigen.

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