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In der Demografiefalle

Die Gewerkschaften sind anscheinend wieder en vogue. Sie haben nicht nur politische Ziele wie den Mindestlohn durchgesetzt, sondern auch den rückläufigen Mitgliedertrend gestoppt. In den kommenden Jahren wird ihnen allerdings die Bevölkerungsentwicklung zu schaffen machen.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Deutschland sind etwa 8 Millionen Beschäftigte Mitglied einer Gewerkschaft.
  • Im Jahr 2012 gehörte jeder fünfte Arbeitnehmer einer Gewerkschaft an.
  • Jüngere sind eher gewerkschaftsmüde: In den Jahren 2008 bis 2012 lag der Organisationsgrad der 18- bis 30-Jährigen nur bei knapp 14 Prozent.
Zur detaillierten Fassung

In Deutschland sind etwa 8 Millionen Beschäftigte Mitglied einer Gewerkschaft. Davon entfallen allein 6,1 Millionen auf die acht im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften, weitere 1,3 Millionen auf den „beamtenbund und tarifunion“ sowie 300.000 auf den Christlichen Gewerkschaftsbund Deutschlands. Daneben gibt es noch einige Berufsgewerkschaften, die 
– wie der Marburger Bund oder die Vereinigung Cockpit – keinem Dachverband angehören.

Zieht man von der Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder alle Rentner und Arbeitslosen ab und setzt anschließend die Aktiven ins Verhältnis zu allen abhängig Beschäftigten, erhält man den gewerkschaftlichen Organisationsgrad.

Dieser ist nach der Wende bis zum Jahr 2006 kontinuierlich zurückgegangen, von 27 Prozent im Jahr 1994 auf 18 Prozent im Jahr 2006. Seit diesem Tiefpunkt konnten die Gewerkschaften ihren Einflussbereich allerdings wieder vergrößern.

Eine Auswertung der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften zeigt, dass 2012 jeder fünfte Beschäftigte organisiert war.

Den jüngsten Zuwachs verdanken die Gewerkschaften vor allem männlichen Arbeitnehmern. Hier stieg der Anteil der Organisierten seit 2006 um 3,4 Prozentpunkte auf 26,1 Prozent. Der der Frauen legte dagegen nur um 1,8 Punkte auf 14,2 Prozent zu. Damit ist es den Gewerkschaften nicht gelungen, die wachsende Zahl berufstätiger Frauen anzusprechen. Das betrifft vor allem die kaum organisierten Teilzeitbeschäftigten.

Eine weitere Baustelle für die Gewerkschaften zeigt sich nach einem Blick auf die Altersstruktur der Mitglieder. Demnach sind auch jüngere Arbeitnehmer eher gewerkschaftsmüde:

In den Jahren 2008 bis 2012 lag der Organisationsgrad der 18- bis 30-Jährigen nur bei knapp 14 Prozent.

Dagegen sind 25 Prozent der über 50-Jährigen Mitglied einer Gewerkschaft. Wenn also in den nächsten Jahren die älteren, gut organisierten Jahrgänge in den Ruhestand gehen, rücken jüngere, schlechter organisierte Jahrgänge nach.

Auffallend ist, dass die Gewerkschaften auch bei den Angestellten unterdurchschnittlich abschneiden (Grafik). So waren zuletzt zwar 
36 Prozent der Beamten und 23 Pro­zent der Arbeiter organisiert, der Organisationsgrad der Angestellten belief sich aber nur auf 16 Prozent.

Zudem gilt, dass Beschäftigte mit geringer Qualifikation deutlich seltener zur Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft neigen als Beschäftigte mit höherer Qualifikation.

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