Fachkräfteengpässe Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

In 111 Berufen fehlen Bewerber

Ob Akademiker, Meister oder Techniker: In vielen Berufen gibt es mehr offene Stellen als Bewerber. Besonders ausgeprägt ist der Mangel an Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ob Akademiker, Meister oder Techniker: In vielen Berufen gibt es mehr offene Stellen als Bewerber.
  • Im Dezember 2012 gab es insgesamt 111 Berufe, in denen ein Fachkräftemangel herrschte – 58 davon setzten eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus.
  • In Deutschland werden Fachkrankenpfleger – ein Beruf, für den man eine Weiterbildung im Gesundheitswesen gemacht haben muss – am dringendsten gesucht.
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Wer kennt sie nicht, die Klage vom MINT-Fachkräftemangel? Doch in Deutschland sind nicht nur Ingenieure, Techniker und Naturwissenschaftler knapp. Noch größer als der Mangel an akademisch gebildeten Arbeitskräften ist der an beruflich Qualifizierten: Es fehlen Altenpfleger, Mechatroniker, Hörgeräteakustiker und Elektriker. Wie groß das Problem hier ist, zeigt die Engpassanalyse des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung, einer Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums (Kasten).

Im Dezember 2012 gab es insgesamt 111 Berufe, in denen ein Fachkräftemangel herrschte – 58 davon setzten eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus.

Schaut man auf die zehn Berufe, in denen die Engpässe besonders eklatant sind, wird das Ausmaß des Problems noch deutlicher: Denn acht von ihnen sind Jobs, für die eine berufliche Qualifikation nötig ist.

Doch in welchen Fällen genau spricht man eigentlich von einem Fachkräfteengpass?

  1. Zum einen werden in die Statistik nur Berufsgattungen mit mindestens 100 Arbeitslosen einbezogen, damit die gesamtwirtschaftliche Relevanz gegeben ist. Eine Berufsgattung fasst Berufe mit ähnlichen Merkmalen zusammen.
  1. Zum anderen muss die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen geringer sein als die Zahl der gemeldeten offenen Stellen. Da in der Regel lediglich jede zweite offene Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wird, geht man bereits dann von einem Engpass aus, wenn das Verhältnis von Arbeitslosen zu gemeldeten offenen Stellen kleiner oder gleich zwei ist.

Demnach werden in Deutschland Fachkrankenpfleger – ein Beruf, für den man eine Weiterbildung im Gesundheitswesen gemacht haben muss – am dringendsten gesucht: Im vergangenen Dezember kamen hier auf 100 gemeldete unbesetzte Stellen nur 27 Arbeitslose dieser Berufsgattung (Grafik). Zu den Fachkrankenpflegern zählen zum Beispiel OP-Schwes­tern und OP-Pfleger.

Gleich danach kommen acht Mangelberufe für beruflich Qualifizierte: darunter Kältetechniker, Altenpfleger und Bauelektriker.

Zu den gesuchten Kräften aus dem Bereich Kältetechnik zählen zum Beispiel Kälteanlagenbauer und Mechatroniker der Kältetechnik. Auch bei anderen beruflich qualifizierten Fachkräften, die dringend gesucht werden, ist oft ein technischer Hintergrund gefordert: Neben den Bauelektrikern sind dies die Mechatroniker sowie Fachkräfte der elektrischen Betriebstechnik und der Automatisierungstechnik.

Im akademischen Bereich gibt es die wenigsten Engpassberufe, insgesamt sind es nur 24. Der größte Bewerbermangel herrschte im Dezember 2012 bei den Ingenieuren der Luft- und Raumfahrttechnik, bei denen auf 100 offene Stellen 47 Arbeitslose kamen. Unter den zehn akademischen Berufen mit den größten Engpässen befinden sich noch sieben weitere aus dem MINT-Segment und einer aus dem Gesundheitsbereich: der Facharzt für Innere Medizin. In diesem Beruf kamen zuletzt auf 100 offene Stellen 59 Arbeitslose.

Für die Unternehmen wird die Personalsuche dann besonders problematisch, wenn es nicht nur in ein oder zwei Berufen zu wenige qualifizierte Bewerber gibt, sondern wenn auch in einem Berufsfeld auf den verschiedenen Qualifikationsstufen Engpässe existieren. Sind beispielsweise sowohl Fachkräfte als auch Spezialisten für Heizung, Klima und Sanitär knapp, dann besteht kaum eine Chance, die Lücken unter den Meistern und Technikern dadurch zu schließen, dass sich beruflich Qualifizierte fort- und weiterbilden.

Aufgrund der Altersstruktur der deutschen Bevölkerung werden schon bald viel mehr Menschen in Rente gehen als heute. In den nächs­ten zehn Jahren entsteht deshalb ein so großer Ersatzbedarf an Fach­kräften, dass die Unternehmen gut beraten sind, sich schon heute im Wettbewerb um Kandidaten ins Zeug zu legen. Dabei stehen den Betrieben mehrere Optionen offen:

  1. Rekrutierung neuer Zielgruppen. Unternehmen können ihren Bewerberpool erweitern, indem sie beispielsweise mehr ausländische Absolventen deutscher Hochschulen und mehr Menschen mit Behinderung für eine Anstellung in Betracht ziehen.
  1. Qualifizierung der Stammbelegschaft. Wenn Betriebe das eigene Personal aus- und weiterbilden – zum Beispiel über eine duale Ausbildung oder eine Fortbildung –, können freie Stellen im Unternehmen intern besetzt werden.
  1. Mitarbeiterbindung. Je attraktiver ein Unternehmen, desto eher bleiben ihm die Mitarbeiter treu. Die Beschäftigten schätzen flexible Arbeitszeiten, Betriebskindergärten, ein gutes Betriebsklima, Gesundheitsangebote und vieles mehr. All diese Maßnahmen und Angebote tragen zu einer dauerhaften Mitarbeiterbindung bei.

Vera Demary / Susanne Seyda
Engpassanalyse 2013 - Besondere Betroffenheit in den Berufsfeldern Energie und Elektro sowie Maschinen- und FahrzeugtechnikGutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie

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