Anerkennungsverfahren 24.11.2016 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Importschlager Fachkraft

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 17.000 ausländische Berufsqualifikationen geprüft und beschieden. Die meisten Antragsteller bringen eine Ausbildung in einem medizinischen Gesundheitsberuf mit.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit 2012 können Absolventen ausländischer Berufsqualifikationen ihren Abschluss in Deutschland anerkennen lassen.
  • Seitdem wurden schon mehr als 63.000 Anträge gestellt.
  • Die meisten Anerkennungsverfahren werden von Absolventen medizinischer Gesundheitsberufe angestrebt.
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Wer im Ausland einen Berufsabschluss erworben hat und in der Bundesrepublik seinem Beruf nachgehen möchte, kann seine Qualifikation seit 2012 in Deutschland anerkennen lassen. Das Interesse an dieser Möglichkeit ist groß – und steigt von Jahr zu Jahr, wie ein Blick auf die Statistik zeigt:

Insgesamt wurden schon über 63.000 Anträge auf Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses gestellt; allein im vergangenen Jahr bearbeiteten die zuständigen Stellen rund 22.400 Anträge. Und mehr als 17.000 Antragsteller erhielten 2015 einen Bescheid über den Ausgang ihres Verfahrens.

Die meisten Anerkennungsverfahren werden von Ärzten, Krankenpflegern und Physiotherapeuten angestrengt.

Gestiegen ist auch die Quote der erfolgreich beschiedenen Verfahren: Im vergangenen Jahr wurden 10 Prozent mehr Abschlüsse als voll gleichwertig mit den deutschen Pendants anerkannt als im Jahre 2014; bei den als eingeschränkt gleichwertig eingestuften Abschlüssen beträgt das Plus sogar 44 Prozent.

Nur knapp 3 Prozent der Antragsteller werden abgelehnt

Für die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern und die Kammern der freien Berufe ist Letzteres insofern eine große Herausforderung, weil sie nun mithilfe von Bildungseinrichtungen und der Unternehmen selbst ausreichend Angebote für Anpassungsqualifizierungen schaffen müssen: Schließlich soll jeder Antragsteller die Möglichkeit erhalten, die volle Gleichwertigkeit für seine im Ausland erworbene Qualifikation zu erlangen. Gänzlich abgelehnt wurden übrigens zuletzt nur 2,6 Prozent der Anträge.

Die meisten Anerkennungsverfahren werden von Absolventen medizinischer Gesundheitsberufe angestrengt, also vor allem von Ärzten, und Krankenpflegern und Physiotherapeuten.

Rund ein Viertel der Antragsteller strebt eine Anerkennung für einen dualen Ausbildungsberuf an:

Mit zu den häufigsten beruflichen Qualifikationen, die in Deutschland anerkannt werden sollen, zählen ausländische Abschlüsse als Elektroniker, Kraftfahrzeugmechaniker und Elektroanlagenmonteur.

Für diese Berufe sind die Anerkennungsquoten vergleichsweise hoch: So waren 2015 beispielsweise 77 Prozent aller Anträge auf Anerkennung als Elektroanlagenmonteur vollständig erfolgreich.

Für die heimische Wirtschaft ist dies eine gute Nachricht. Schließlich gibt es in den drei genannten Ausbildungsberufen in Deutschland einen Fachkräfteengpass.

Rund 13 Prozent der Anträge kommen direkt aus dem Ausland

Dass zunehmend mehr ausländische Fachkräfte in Deutschland arbeiten wollen, zeigt sich auch an einem anderen Trend: Mittlerweile stellen bereits 13 Prozent der Interessenten ihren Antrag auf Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikation direkt aus dem Ausland.

Das Anerkennungsverfahren ist aber nicht nur ein Instrument zur Fachkräftesicherung, sondern es trägt auch dazu bei, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. So haben allein im vergangenen Jahr annähernd 800 in Syrien ausgebildete Fachkräfte einen Antrag auf Anerkennung ihres Berufsabschlusses gestellt.

Viele Syrer wollen ihre Qualifikation anerkennen lassen

Damit sind Syrer die siebtgrößte Gruppe unter den Antragstellern. Und ihre Zahl dürfte noch weiter steigen: Viele der Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland gekommen sind, werden voraussichtlich erst in diesem oder im kommenden Jahr einen Antrag auf Anerkennung ihres Berufsabschlusses stellen. Ihre Chancen stehen gut:

Zuletzt wurden mehr als 70 Prozent der syrischen Berufsabschlüsse - zumeist handelt es sich um ärztliche Qualifikationen – als voll gleichwertig mit den deutschen Abschlüssen eingestuft.

Dass das deutsche Anerkennungsmodell ein Erfolg ist, hat auch jüngst die Internationale Arbeitsorganisation bestätigt, die das Verfahren als Best-Practice-Beispiel für die Arbeitsintegration ausländischer Fachkräfte genannt hat.

Weitere Informationen zum Ablauf und zu den Unterstützungsmöglichkeiten des beruflichen Anerkennungsverfahrens gibt im bq-Portal.

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