Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Wettbewerb Lesezeit 3 Min.

Immenser Kostendruck für die M+E-Industrie

Die Rezession in Deutschland trifft auch die Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie mit voller Wucht. Die ausufernden Kosten und der hohe Bürokratieaufwand machen es den ansässigen Unternehmen zudem immer schwerer, am Standort Deutschland zu produzieren. Die Politik muss der fortschreitenden Deindustrialisierung dringend mit weitreichenden Reformen begegnen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutsche Metall- und Elektro-Industrie leidet seit geraumer Zeit darunter, dass zum einen die Globalisierung ins Stocken geraten ist und sich China zum anderen durch unfaire Subventionen Vorteile auf dem Weltmarkt verschafft.
  • Dazu führen hohe Unternehmensteuern, teure Energie und überbordende Bürokratie in Deutschland zu massiven Kostennachteilen für die Unternehmen der Branche.
  • Die Politik muss dringend gegensteuern, indem sie die Lohnnebenkosten senkt, bürokratische Hürden abbaut und sich stärker für eine regelbasierte internationale Wettbewerbsordnung einsetzt.
Zur detaillierten Fassung

Eine starke Säule der deutschen Volkswirtschaft bröckelt: Die Industrie leidet nach krisengeplagten Jahren stark unter der anhaltenden konjunkturellen Schwäche. Tausende Jobs gehen jeden Monat verloren, der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung ist 2025 auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise 2009 gefallen.

Die Metall- und Elektro-Industrie als wichtigste Branche der Industrie – fast vier Millionen Beschäftigte erwirtschaften hier rund 14 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts – trägt einen Großteil dieser Last:

Zwischen 2018 und 2024 ist die Produktion in der M+E-Industrie jährlich um durchschnittlich 2,3 Prozent gesunken, die Beschäftigung ging jedes Jahr im Schnitt um 0,3 Prozent zurück.

Die Branche steht seit geraumer Zeit von zwei Seiten unter Druck. Zum einen ist die Globalisierung ins Stocken geraten. Höhere Zollsätze und neue Exportbeschränkungen lassen den weltweiten Handel mit Metall- und Elektroprodukten nur langsam wachsen. Außerdem ist die staatlich gestützte Konkurrenz aus China auf den Absatzmärkten weltweit im Vorteil.

Zum anderen kennen die Kosten für die Betriebe am heimischen Standort in den vergangenen Jahren nur eine Richtung (Grafik):

Die höheren Arbeitskosten bei ausbleibenden Produktivitätszuwächsen sorgen dafür, dass die Lohnstückkosten seit 2022 deutlich gestiegen sind.

Entwicklung von Arbeitskosten, Produktivität und Lohnstückkosten in der Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland; 2015 = 100 Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Aber nicht nur die höheren Arbeitnehmerentgelte bei ausbleibenden Produktivitätsgewinnen setzen den Betrieben zu. Gleich eine ganze Reihe von negativen Entwicklungen belasten die Branche:

Unternehmensteuern. Die Bundesrepublik ist seit Langem ein Hochsteuerland für Unternehmen. Schon im Jahr 2014 war der Steuersatz etwa 20 Prozent höher als im internationalen Durchschnitt, inzwischen sind es rund 33 Prozent. Im Vergleich von 45 Industrie- und Schwellenländern landet die Bundesrepublik im Steuerranking nur auf Platz 42. Besonders gravierend: Die USA als einer der großen Konkurrenten haben ihre Steuern seit 2014 um mehr als 13 Prozentpunkte gesenkt.

Angesichts einer Fülle an Wettbewerbsnachteilen ist es absehbar, dass die Industrie und speziell die Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland weiter schrumpft, wenn die Politik nicht schleunigst gegensteuert.

Energie. Strom ist für die M+E-Betriebe die wichtigste Energiequelle. Daher hat die Branche aufgrund der hohen Stromkosten einen Wettbewerbsnachteil gegenüber der internationalen Konkurrenz (Grafik).

Entwicklung wichtiger Kostenfaktoren in der Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland und international Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Die Schere ist seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine weiter aufgegangen. Im Jahr 2024 kostete eine Kilowattstunde Strom für die deutsche Industrie knapp 25 Cent. Die Betriebe in den USA produzieren mit einem Preis von gut 7 Cent je Kilowattstunde Strom.

Kapitalmarkt. Lange Zeit sorgte ein Umfeld aus geringer Staatsverschuldung, dem Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft und hoher Wirtschaftskraft in Deutschland für niedrige Zinsen und gute Möglichkeiten zur Finanzierung. Seit 2015 sind die Zinssätze in der Bundesrepublik prozentual aber stärker gestiegen als im Schnitt der 45 betrachteten Industrie- und Schwellenländer.

Bürokratie. Regulierungen, Berichtspflichten, Einschränkungen – der Anteil der Unternehmen, die die Bürokratie als größeres Hemmnis für Investitionen sehen, ist in Deutschland viel höher als im Rest der EU und den USA. Zuletzt gab es in der Bundesrepublik dabei sogar einen massiven Anstieg von betroffenen Betrieben.

Angesichts dieser Fülle an Wettbewerbsnachteilen ist es absehbar, dass die Industrie und speziell die Metall- und Elektro-Industrie weiter schrumpft, wenn nicht schleunigst gegengesteuert wird. Die Politik muss den Standort stärken und hat dafür mehrere Ansatzpunkte:

  1. Lohnnebenkosten senken. Die hohen Sozialbeiträge belasten sowohl die Unternehmen als auch die Arbeitnehmer. Grundlegende Reformen sind nötig, ansonsten laufen die Kosten noch weiter aus dem Ruder.
  2. Bürokratie abbauen. Um die Unternehmen zu entlasten, ist es wichtig, zeitnah die Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und zu vereinfachen. Eine stärkere Digitalisierung staatlicher Stellen käme den Betrieben ebenso entgegen.
  3. Wettbewerb gewährleisten. Chinesische Unternehmen haben international durch ihre massive staatliche Subventionierung deutliche Kostenvorteile und verzerren den Wettbewerb. Deutschland und die EU müssen sich noch stärker für eine faire und regelbasierte internationale Wettbewerbsordnung einsetzen und gleichzeitig den EU-Binnenmarkt weiter stärken.

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