Vermögenssteuer Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Im Zweifel existenzgefährdend

Kritiker der vermeintlich ungerechten Wohlstandsverteilung in Deutschland wollen die Vermögenssteuer wieder einführen. Doch anders als oft behauptet, ist eine solche Steuer im Ausland keineswegs Standard. Vor allem aber könnte sie leicht die Substanz der Unternehmen angreifen und damit Arbeitsplätze gefährden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Kritiker der vermeintlich ungerechten Wohlstandsverteilung in Deutschland wollen die Vermögenssteuer wieder einführen.
  • Insgesamt beliefen sich die auf Vermögen erhobenen Steuern in Deutschland 2012 auf 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – in den USA waren es 3 Prozent, in Frankreich und Großbritannien sogar rund 4 Prozent.
  • Eine Vermögenssteuer könnte leicht die Substanz der Unternehmen angreifen und damit Arbeitsplätze gefährden.
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Seit jeher ist die Verlockung für Regierungen groß, den Staatssäckel durch die Besteuerung privater Vermögen zu füllen. Doch offenbar gibt es auch gute Gründe, davon Abstand zu nehmen. Jedenfalls haben die allermeisten Länder der Europäischen Union, die in der Vergangenheit eine Vermögenssteuer erhoben haben, diese wieder abgeschafft.

Dennoch verweisen die Befürworter einer solchen Steuer darauf, im Ausland würde ein erheblich höheres Aufkommen aus vermögensbezogenen Steuern erzielt als in Deutschland. Das ist erst einmal richtig (Grafik):

Insgesamt beliefen sich die auf Vermögen erhobenen Steuern in Deutschland 2012 auf 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – in den USA waren es 3 Prozent, in Frankreich und Großbritannien sogar rund 4 Prozent.

Allerdings umfasst dieser Vergleich weit mehr Steuerarten als nur die Vermögenssteuer im engeren Sinne. Ein näherer Blick zeigt, dass im Ausland vor allem die Grundsteuer eine große Rolle spielt. Sie trägt in 18 der 26 untersuchten Industrieländer mehr als die Hälfte zum Aufkommen aus vermögensbezogenen Steuern bei.

Der Hintergrund ist, dass die Grundsteuer insbesondere in den angelsächsischen Ländern die Gebühren für Straßenreinigung, Müll­entsorgung und Abwasserbeseitigung ersetzt – in Deutschland werden diese Gebühren separat erhoben. Darüber hinaus leisten in vielen Ländern auch Vermögenstransaktionssteuern und hier vor allem die Grunderwerbssteuer einen maßgeblichen Beitrag zum Aufkommen aus vermögensbezogenen Steuern.

Die Erbschaftssteuer sowie eine Vermögenssteuer im engeren Sinn sind dagegen im Ausland weitgehend unbedeutend – und das aus gutem Grund. Denn gerade für Unternehmen kann die daraus entstehende Belastung extrem hoch sein. In wirtschaftlich schlechteren Phasen kann die Vermögenssteuer sogar die Substanz von Unternehmen angreifen – und dazu muss ein Betrieb noch nicht einmal Verluste schreiben, wie ein Beispiel zeigt (Kasten).

Mit einem solchen Angriff auf die Kapitalbasis verschlechtert der Staat die Chancen der Unternehmen, aus einer schwierigen Lage wieder in die Gewinnspur zurückzufinden. Damit ist die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gefährdet und spätestens mittelfristig wird dann auch ein Abbau von Arbeitsplätzen unvermeidlich sein.

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