Personalkosten Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Im Westen nichts Neues

Westdeutschland gehörte auch 2014 zu den Industriestandorten mit den weltweit höchsten Arbeitskosten. Nur in einigen kleineren Ländern – Norwegen, Schweiz, Belgien, Dänemark und Schweden – mussten die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes noch höhere Lasten schultern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Westdeutschland gehörte auch 2014 zu den Industriestandorten mit den weltweit höchsten Arbeitskosten.
  • Die Arbeitskosten in den südeuropäischen Krisenländern liegen zum Teil weit unter dem deutschen und angelsächsischen Niveau.
  • Die Personalzusatzkosten sind nur in wenigen Ländern höher als in Deutschland.
Zur detaillierten Fassung

Die Arbeitskosten setzen sich aus vielen Bestandteilen zusammen. Zum Bruttolohn und -gehalt eines Mitarbeiters – dem sogenannten Direktentgelt – kommen als größter Posten die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung hinzu. Ins Gewicht fallen aber auch die betriebliche Altersvorsorge und die sons­tigen Zusatzkosten – dazu zählen die Aufwendungen für die Aus- und Weiterbildung, Entlassungsentschädigungen, Kantinenzuschüsse, Familienbeihilfen (vgl. iwd 27/2015). Zählt man alles zusammen, dann zeigt sich (Grafik):

Mit Arbeitskosten von 39,97 Euro je Stunde war Westdeutschland 2014 der sechstteuerste Industriestandort der Welt.

Weitaus günstiger produzierte die Industrie in den angelsächsischen Ländern – in den USA kostete die Arbeitsstunde umgerechnet 27 Euro und in Großbritannien 26 Euro. In dieser Liga spielt auch Ostdeutschland mit 25 Euro pro Stunde.

Die Arbeitskosten in den südeuropäischen Krisenländern blieben auch 2014 mit 11 bis 23 Euro die Stunde zum Teil weit unter dem deutschen und angelsächsischen Niveau.

Auch die Personalzusatzkosten – alles, was zusätzlich zum Lohn für tatsächlich geleistete Arbeit gezahlt wird – sind nur in wenigen Ländern höher als in Deutschland. Im westdeutschen Produzierenden Gewerbe kommen auf je 100 Euro Direktentgelt 76 Euro Per­sonalzusatzkosten. In Belgien sind es 100 Prozent, also ein zweites Gehalt, in Österreich betragen die Extras 92 Prozent des Direktentgelts und in Italien 89 Prozent.

Verantwortlich für diese Spitzenwerte sind die Sozialbeiträge, die in den drei Ländern zu einem Großteil von den Arbeitgebern geschultert werden müssen – in Deutschland teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beitragslast brüderlich.

In der dänischen Industrie beträgt die Zusatzkostenquote nur 38 Prozent, weil die soziale Sicherung überwiegend steuerlich finanziert wird.

Gegen den reinen Vergleich der industriellen Arbeitskosten wird immer wieder eingewendet, dass über Vorleistungen auch die Arbeitskos­ten der Dienstleister in den Preis eines Produkts einfließen. Sind deren Arbeitskosten – wie etwa in Deutschland – im Vergleich zur Industrie relativ günstig, schneidet ein Standort tatsächlich besser ab, als es allein das Kostenranking des Verarbeitenden Gewerbes aussagt.

Allerdings sind auch bei dieser Betrachtungsweise in Deutschland 72 Prozent der produktbezogenen Arbeitskosten hausgemacht. Das heißt: Selbst wenn man die Lohnkos­ten der Vorleister im Rahmen einer Mischkalkulation einbezieht, ändert sich an der internationalen Arbeitskostenrangliste wenig. Deutschland steht dann auf Rang sieben.

In diesem Jahr wird die deutsche Arbeitskostenposition durch zwei Faktoren beeinflusst:

1. Gehälter. Die Bruttomonatsverdienste im Produzierenden Gewerbe sind im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um gut 3 Prozent gestiegen. Damit ergibt sich bei fast konstanten Verbraucherpreisen für die Arbeitnehmer ein deutlicher Kaufkraft­gewinn. Da sich die Sozialversicherungsbeiträge 2015 kaum ändern, werden die Arbeitskosten ungefähr im gleichen Tempo steigen. Damit hat Deutschland erneut eine deutlich höhere Kostendynamik zu meistern als der Durchschnitt des Euroraums, wo die Arbeitskosten im ersten Halbjahr 2015 nur um knapp 2 Prozent gestiegen sind.

2. Wechselkurse. Günstiger wird die Entwicklung im Vergleich zu Ländern außerhalb des Währungsraums (Grafik). Denn der Euro hat im Jahr 2015 deutlich abgewertet: In den ersten neun Monaten notierten das Britische Pfund um 11 Prozent höher als im Jahresdurchschnitt 2014, der Schweizer Franken um 14 Prozent und der US-Dollar sogar um 19 Prozent. Dadurch hat sich die deutsche Arbeitskostenposition gegenüber diesen Ländern klar verbessert.

Die Schweiz wird durch die Frankenaufwertung in diesem Jahr die Spitze der Arbeitskos­tenrangliste übernehmen und Norwegen ablösen. Wettbewerbsverbesserungen für die deutsche Wirtschaft aufgrund von Wechselkursänderungen sind jedoch nicht dauerhaft und können schnell ins Gegenteil umschlagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de