Im Handwerk sind Fachkräfte weiterhin knapp
Vielen Handwerksbetrieben fehlen nach wie vor qualifizierte Mitarbeiter. Das liegt keineswegs daran, dass handwerkliche Berufe für junge Menschen generell unattraktiv wären – in einigen Gewerken wächst schlicht der Bedarf an Nachwuchskräften schneller als die Bewerberzahl.
- Die Fachkräftelücke im Handwerk betrug im Jahresdurchschnitt 2025 trotz sinkender Tendenz immer noch mehr als 97.000 Personen.
- Mehr als die Hälfte aller Handwerksberufe wiesen zuletzt Fachkräfteengpässe auf. Die gilt nicht zuletzt für jene Berufe, die für das Gelingen der Energiewende besonders bedeutsam sind.
- Viele Handwerksberufe sind für junge Menschen durchaus attraktiv, der Bedarf an Nachwuchskräften wächst allerdings oft deutlich schneller. Entsprechend ist die Politik zum Handeln aufgerufen.
Wer in Deutschland bei einem Handwerksbetrieb um einen Termin bittet, muss oft ziemlich lange warten. Vor allem, wer ein Haus baut oder seine Wohnung renovieren lassen möchte, kann ein Lied davon singen. Auch ganz allgemein gehört das Handwerk zu den Wirtschaftsbereichen, in dem der Fachkräftemangel besonders augenfällig ist. An der Knappheit hat die seit einigen Jahren schwache Konjunktur nur wenig geändert – nach wie vor können die Betriebe zahlreiche Stellen nicht besetzen, weil es schlicht keine geeigneten Arbeitslosen gibt (Grafik):
Die Fachkräftelücke im Handwerk betrug im Jahresdurchschnitt 2025 trotz sinkender Tendenz immer noch mehr als 97.000 Personen.
Absolut betrachtet, ist die Zahl der fehlenden Gesellen am höchsten. Schaut man aber auf die sogenannte Stellenüberhangsquote, also den Anteil der nicht besetzbaren Arbeitsplätze an allen offenen Stellen, ist diese bei Meistern und Fortbildungsabsolventen wie Technikern und Betriebsfachwirten mit nahezu 50 Prozent deutlich höher als bei Gesellen mit rund 30 Prozent.
Das Problem betrifft in jedem Fall viele Gewerke:
Im Jahr 2025 wiesen 59 der insgesamt 115 Handwerksberufe Fachkräfteengpässe auf.
Vielfach haben die Handwerksbetriebe schon lange große Mühen, passende Mitarbeiter zu finden – in 35 Berufen besteht der Mangel seit mindestens zehn Jahren.
Aktuell sind die Lücken unter anderem in jenen Berufen am größten, die für das Gelingen der Energiewende besonders bedeutsam sind (Grafik):
In der Bauelektrik fehlten im Schnitt des Jahres 2025 mehr als 16.000 Gesellen, im Bereich Sanitär, Heizung und Klimatechnik waren es fast 11.000.
Erhebliche Fachkräfteengpässe gibt es aber beispielsweise auch in Berufen des Hoch- und Tiefbaus, die für die Erweiterung und Modernisierung der Infrastruktur wichtig sind. Weitere Bereiche mit einer nennenswerten Fachkräftelücke in Handwerksberufen sind das Gesundheitshandwerk (hierzu zählen die Gewerke Optik, Akustik, Prothesenbau und Zahntechnik) und das Lebensmittelhandwerk.
Die Fachkräftelücke im Handwerk betrug im Jahresdurchschnitt 2025 trotz sinkender Tendenz immer noch mehr als 97.000 Personen.
Insgesamt zeigt sich der Ausbildungsmarkt im Handwerk noch angespannter als über alle Wirtschaftszweige hinweg. Da liegt es nahe zu vermuten, dass die Handwerksberufe für junge Menschen zu wenig attraktiv seien – sei es wegen eines schlechten Images oder der als zu niedrig empfundenen Ausbildungsvergütung.
Fachkräftelücke lässt nicht auf fehlende Attraktivität des Handwerks schließen
Doch all dies trifft so pauschal nicht zu. Zwar gibt es Berufe, die tatsächlich in einer Ausbildungskrise stecken – wo also sowohl die Bewerber- als auch die Lehrstellenzahlen sinken. Dies ist unter anderem im Metallbau, im Holz-, Möbel- und Innenausbau sowie in der Augenoptik der Fall.
Eine positive Entwicklung ist dagegen gerade in Berufen zu verzeichnen, die für den Ausbau klimafreundlicher Technologien von zentraler Bedeutung sind. So steigen die Bewerberzahlen für einen Ausbildungsplatz in der Bauelektrik, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie der Dachdeckerei seit Jahren. Auch gibt es immer mehr Ausbildungsangebote. Nur vollzieht sich diese Renaissance der Ausbildung schlicht zu langsam, um mit dem wachsenden Bedarf an Fachkräften rund um das Thema Energiewende Schritt zu halten. Zudem gibt es Passungsprobleme – die potenziellen Azubis leben oft nicht da, wo die Betriebe angesiedelt sind.
Der Arbeitskräftemangel erfordert ein Handeln der Politik
Entsprechend besteht Handlungsbedarf. Denn wo heute keine Gesellen ausgebildet werden, fehlen morgen Meister und müssen übermorgen Betriebe schließen. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung unterstützt kleine und mittlere Unternehmen unter anderem dabei, Zielgruppen für ihre Ausbildungsplätze optimal anzusprechen (siehe kofa.de).
Aber auch die Politik ist gefordert. Um Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt noch besser zusammenzubringen, wäre es beispielsweise wichtig, die praxisnahe Berufsorientierung an allen Schulformen zu stärken und die Mobilität der Azubis zu unterstützen – etwa durch mehr Wohnheime. Zudem gilt es, die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland weiter zu fördern.