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Verteidigung Lesezeit 2 Min.

Hybride Angriffe treffen deutsche Unternehmen

Unternehmen in Deutschland sehen sich zunehmend mit hybriden Angriffen konfrontiert. Es braucht nun eine wirksame Sicherheitsstrategie, bei der Bund, Länder und Betriebe zusammenarbeiten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Fast 40 Prozent der Großunternehmen in Deutschland sind nach eigenen Angaben stark oder sehr stark von hybriden Bedrohungen aus dem Ausland betroffen.
  • Das KRITIS-Dachgesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung, da es Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen zu zusätzlichen Meldungen und Risikoanalysen verpflichtet.
  • Umfangreiche und uneinheitliche Regelungen erschweren aber die Umsetzung, zudem sind Abstimmungswege und Zuständigkeiten nicht klar geregelt. Außerdem darf der Bund die zusätzlich nötigen Schutzmaßnahmen nicht primär den Betrieben aufbürden.
Zur detaillierten Fassung

Die jüngst erfolgten oder versuchten Anschläge auf Energieinfrastrukturen werfen die Frage auf, wie anfällig die Bundesrepublik für gezielte Angriffe ist. Unter die sogenannten hybriden Bedrohungen fallen neben solchen Sabotageakten auch Cyberangriffe, verdeckte politische Einflussnahme, Spionage und Desinformationskampagnen. In den Unternehmen ist diese Gefahrenlage längst präsent, wie eine IW-Befragung zeigt (Grafik):

Fast 40 Prozent der Großunternehmen in Deutschland sind nach eigenen Angaben stark oder sehr stark von hybriden Bedrohungen aus dem Ausland betroffen.

So viel Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen sich durch hybride Bedrohungen aus dem Ausland (sehr) stark betroffen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

In Betrieben mit 50 bis 249 Beschäftigten sind es 27 Prozent, insgesamt berichtet rund jedes fünfte Unternehmen, dass es starke Auswirkungen von gezielten Attacken spürt.

Besonders betroffen sind Unternehmen an zentralen Versorgungspunkten. So sieht sich in der Informations- und Kommunikationsbranche gut ein Drittel der Unternehmen hybriden Angriffen stark ausgesetzt, in der Energie- und Wasserversorgung rund ein Viertel.

Das unterstreicht einen Motivwechsel. Früher ging es den Angreifern meist um Geld – sie beschafften sich Technologien, spähten Geschäftsgeheimnisse aus oder erpressten Unternehmen. Mittlerweile sind politische Motive verbreitet und die Angriffe haben das Ziel, die Versorgungssicherheit zu beeinträchtigen, politische Entscheidungsprozesse zu beeinflussen oder das Vertrauen in die staatliche Handlungsfähigkeit zu schwächen.

Fast 40 Prozent der Großunternehmen in Deutschland sind nach eigenen Angaben stark oder sehr stark von hybriden Bedrohungen aus dem Ausland betroffen.

Um sich vor den neuen Bedrohungen zu schützen, haben viele Betriebe bereits Gegenmaßnahmen ergriffen – vor allem im Bereich der IT-Sicherheit und der digitalen Infrastruktur (siehe "Hybride Verteidigung für Deutschland"). Allerdings hat die Mehrheit keine Notfallpläne für den Ausfall kritischer Infrastrukturen in der Schublade. Ein massives Problem besteht zudem darin, dass sich das Gros der Firmen nicht mit den Sicherheitsbehörden über mögliche Gefahren und Abwehrstrategien austauscht.

KRITIS-Dachgesetz muss überarbeitet werden

Das im März 2026 hierzulande in Kraft getretene KRITIS-Dachgesetz ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung, da es Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen zu zusätzlichen Meldungen und Risikoanalysen verpflichtet. Umfangreiche und uneinheitliche Regelungen erschweren aber die Umsetzung, zudem sind Abstimmungswege und Zuständigkeiten nicht klar geregelt.

Außerdem darf der Bund die zusätzlich nötigen Schutzmaßnahmen nicht primär den Betrieben aufbürden, sondern muss selbst stärker für Abwehr und Aufklärung aufkommen und dafür eng mit Ländern und Unternehmen zusammenarbeiten. Schließlich muss eine wirksame Sicherheitsstrategie nicht nur in der Lage sein, Angriffe abzuwehren, sondern auch mit drohenden Sanktionen abschrecken.

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