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Soziale Sicherung Lesezeit 2 Min.

Hoher Krankenstand, hohe Kosten

Die Arbeitgeber in Deutschland mussten 2024 so viel wie noch nie für Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall ausgeben. Neben Lohnerhöhungen und der gestiegenen Beschäftigung sind dafür auch höhere Fehlzeiten der Mitarbeiter verantwortlich.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Entgeltfortzahlungen für erkrankte Mitarbeiter waren für Unternehmen in Deutschland 2024 ein riesiger Kostenfaktor. Sie beliefen sich auf etwa 82 Milliarden Euro.
  • Über die vergangenen zwei Dekaden ist der Krankenstand in Deutschland deutlich gestiegen. Der demografische Wandel könnte den Trend weiter befeuern.
  • Um die Unternehmen zu entlasten, könnten Karenztage ohne Zahlungen in den ersten Krankheitstagen eingeführt oder die Entgeltfortzahlung auf sechs Wochen pro Jahr gedeckelt werden.
Zur detaillierten Fassung

Wird ein Arbeitnehmer krank, zahlt der Arbeitgeber bei jeder einzelnen Diagnose bis zu sechs Wochen lang weiter sein Gehalt – so will es das Gesetz. Für die Unternehmen ist das ein großer Kostenfaktor (Grafik):

Im Jahr 2024 zahlten die Arbeitgeber in Deutschland inklusive Sozialversicherungsbeiträge etwa 82 Milliarden Euro an Entgelten im Krankheitsfall.

So viele Milliarden Euro mussten die Arbeitgeber in Deutschland in diesen Jahren für Entgeltfortzahlungen in Krankheitsfall ausgeben Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Das bedeutet ein Plus von knapp 10 Milliarden Euro innerhalb von zwei Jahren. Zwar steigen die Aufwendungen aufgrund von Lohnerhöhungen kontinuierlich. Auch die hohe Beschäftigung trägt dazu bei. Allerdings spielt auch ein anderer Faktor eine entscheidende Rolle:

Über die vergangenen zwei Dekaden ist der Krankenstand in Deutschland deutlich gestiegen.

Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungen. So treten zum Beispiel Muskel- und Skeletterkrankungen mit zunehmendem Alter häufiger auf. Aufgrund des demografischen Wandels kann es daher häufiger zu Krankheitsfällen bei Arbeitnehmern kommen. Ebenso haben psychische Erkrankungen in der Vergangenheit kontinuierlich zugenommen. Atemwegserkrankungen, wie sie etwa in der Grippesaison vermehrt auftreten, führen ebenfalls zu hohen Krankenständen.

Die Entgeltfortzahlungen durch Arbeitgeber bei Krankheit machten im Jahr 2024 gut ein Viertel aller Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus.

Die Entgeltfortzahlung hat sich zu einer zweiten Sicherungssäule bei Krankheit entwickelt. Die Summe, die die Arbeitgeber für die Entgeltfortzahlung aufbringen, übertrifft die Aufwendungen für das Krankengeld um das Vierfache und entspricht gut einem Viertel aller Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung.

Selbst können die Betriebe – etwa durch präventive Maßnahmen zum Gesundheitsschutz sowie Arbeitsschutzvorkehrungen – nur eingeschränkt positiven Einfluss nehmen.

Um den Kostenfaktor für die Wirtschaft zu begrenzen, gibt es unterschiedliche Vorschläge. So stehen zum Beispiel Karenztage im Raum. Die Gehaltszahlung würde dadurch zu Beginn einer Erkrankung für einige Tage ausgesetzt. Alternativ ließen sich Karenzzeiten definieren, in denen das Gehalt auf reduziertem Niveau weitergezahlt wird – ähnlich dem Krankengeld.

Zum anderen ließe sich die Dauer der Entgeltfortzahlungspflicht begrenzen – etwa indem der Arbeitgeber das Gehalt auch bei wechselnden Diagnosen insgesamt nicht länger als sechs Wochen pro Jahr weiterzahlen muss.

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