Tarifpolitik Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Hohe Erwartungen, wenig Spielraum

Die ersten Lohnforderungen der Gewerkschaften liegen auf dem Tisch: 5 bis 6 Prozent mehr Lohn sollen es in diesem Jahr sein. Doch das sind Vorstellungen, die bei einem tatsächlichen Verteilungsspielraum von voraussichtlich 3 Prozent kaum erfüllt werden können.

Kernaussagen in Kürze:
  • In vielen Branchen stehen Tarifverhandlungen an.
  • Zahlreiche Gewerkschaften fordern, dass die Mitarbeiter am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden sollen.
  • Experten erwarten, dass die Produktivität in Deutschland um etwa 1 Prozent steigen wird.
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Im Jahr 2014 stehen in vielen Branchen Tarifverhandlungen an (Tableau). Den Auftakt hat die Chemische Industrie mit ersten regionalen Verhandlungen bereits im Dezember gemacht. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) fordert unter anderem 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. In diesem Monat werden die Verhandlungen auf Bundesebene fortgesetzt.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert in der anstehenden Tarifrunde mit der Telekom eine Lohnsteigerung um 5,5 Prozent. Die Begründung: Die Mitarbeiter müssten am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden. Außerdem verlangt ver.di, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will mit Forderungen zwischen 5 und 6 Prozent in die kommenden Verhandlungsrunden gehen.

Aber auch die Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst, bei den Banken, in der Bauwirtschaft, in der Stahlindustrie und bei der Deutschen Bahn werden in diesem Jahr neu diskutiert. Ende des Jahres läuft zudem der Tarifvertrag in der Metall- und Elektro-Industrie aus, der mit 3,7 Millionen Beschäftigten größten deutschen Industriebranche.

Die Tarifvertragsabschlüsse 2013 haben vor allem zwei Trends gezeigt, die auch für die neuen Tarifabschlüsse in 2014 gelten dürften:

1. Lange Laufzeit. Mit Ausnahme der Bauwirtschaft, für die eine Vertragsdauer von 13 Monaten vereinbart wurde, sahen fast alle Abschlüsse eine lange Laufzeit vor (Tableau). Für das Kfz-Handwerk in Bayern, die Gebäudereinigung und die Versicherungen gelten die Tarifverträge für zwei Jahre, bei der Deutschen Post für 26 Monate und bei der Zeitarbeit sogar für 38 Monate.

2. Stufenanpassungen. Auf Basis der längeren Laufzeiten haben Arbeitgeber und Gewerkschaften in vielen Branchen stufenweise Lohnanpassungen beschlossen. Für die Zeitarbeit etwa gelten gleich mehrere Stufenanpassungen, wobei für den Osten überproportional hohe Steigerungen festgelegt wurden, um das Lohnniveau zwischen Ost und West anzugleichen. Allerdings wird Anfang 2015 – ab dann soll in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde gelten – das Lohnniveau in der ostdeutschen Zeitarbeit mit 7,86 Euro noch unter dem gesetzlichen Minimum liegen. Die Löhne sollen sich dort erst zum Juni 2016 schrittweise an das gesetzliche Minimum anpassen. Der Wes­ten erreicht dieses schon Anfang 2014. Auch im Friseurhandwerk wird ein Stundenlohn von 8,50 Euro erst ab August 2015 erreicht.

Insgesamt stiegen die Löhne im Jahr 2013 um 2 bis 4 Prozent, in den meisten Branchen um 3 bis 3,5 Prozent. Besonders stark legten die Bezüge in der Zeitarbeit (3,8 bis 4,8 Prozent), im Gebäudereinigerhandwerk (3,44 Prozent) und in der M+E-Industrie (3,4 Prozent) zu. In diesem Jahr sehen die Tarifverträge mit längerer Laufzeit eine Steigerung von 1,4 bis 3 Prozent vor.

Ob die kommenden Tarifabschlüsse auch so großzügig ausfallen werden wie die 2013er, hängt von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Experten erwarten, dass die Produktivität in Deutschland in diesem Jahr um etwa 1 Prozent steigen wird. Rechnet man – wie die Gewerkschaften – noch einen Teuerungsausgleich hinzu, ergibt sich ein maximaler lohnpolitischer Verteilungsspielraum von rund 3 Prozent.

Immerhin liegen die Forderungen von 5,5 Prozent zumindest bei den Gewerkschaften IG BCE und ver.di etwas unter den Forderungen aus den letzten Verhandlungen, damals waren es 6 und 6,5 Prozent.

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