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Hoffen auf ein Signal aus Frankfurt

Weil es kaum noch Zinsen für Spareinlagen gibt, machen sich viele Bundesbürger gar nicht mehr die Mühe, ihr Geld längerfristig anzulegen – sie lassen es einfach auf dem Girokonto. Das bringt Kreditinstitute und Versicherungen in die Bredouille.

Kernaussagen in Kürze:
  • Weil es kaum noch Zinsen für Spareinlagen gibt, machen sich viele Bundesbürger gar nicht mehr die Mühe, ihr Geld längerfristig anzulegen.
  • Durch die Niedrigzinspolitik der EZB geht der Anreiz, fürs Alter vorzusorgen, verloren – und damit das Geschäftsmodell der Lebensversicherer.
  • Niedrige Zinsen bergen eine Reihe von Gefahren: Blasenbildung, große Risikobereitschaft und falsche Investitionen.
Zur detaillierten Fassung

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mag zwar für die Krisenländer ein Segen sein, weil die Konjunktur so in Gang kommt und die Staaten für ihre Schulden weniger Zinsen zahlen müssen. Für Deutschland ist ein Leitzins von 0,5 Prozent auf Dauer aber zu niedrig, denn er setzt solide Geschäftsmodelle unter Druck:

  • Die Lebensversicherer haben in der Hochzinsphase der späten 1990er Jahre ihren Kunden Garantiezinsen von 4 Prozent versprochen, die sie nun mit einer durchschnittlichen Rendite auf Staatsanleihen von 1,3 Prozent erwirtschaften müssen (vgl. iwd 23/2013).

Außerdem ist es für die Branche schwieriger geworden, neue Kunden zu gewinnen. Denn die erwarten gerade von einer Lebensversicherung höhere Renditen als von Sparkonten. Der Anreiz, fürs Alter vorzusorgen, geht so verloren – und damit das Geschäftsmodell der Lebensversicherer.

Solange die Versicherer noch höherverzinsliche Staatspapiere im Portfolio haben, geht die Rechnung in einer Mischkalkulation einigermaßen auf. Wenn die Niedrigzinsphase aber über Jahre anhält, werden die „guten“ Staatsanleihen allmählich vollständig von den „schlechten“ verdrängt.

  • Die Banken müssen bei niedrigen Leitzinsen einerseits ihre Kreditzinsen senken, können aber andererseits die Zinsen auf Kundeneinlagen nicht im gleichen Umfang reduzieren – sonst gehen die Kunden zur Konkurrenz. Also verringert sich die Gewinnmarge der Kreditinstitute.

Außerdem bevorzugen Kunden neuerdings verstärkt Sichteinlagen, die sie täglich komplett abziehen können (Grafik). Das gefährdet die Stabilität von Banken. Selbst wenn es nur ein Gerücht ist, dass einer Bank die Pleite droht – wenn alle Kunden zum Geldautomaten rennen, um ihre Girokonten abzuräumen, dann ist die Bank tatsächlich schnell am Ende.

Niedrige Zinsen bergen aber noch eine Reihe weiterer Gefahren:

  • Blasenbildung. Wenn Anleger Aktien statt Staatsanleihen kaufen, besteht die Gefahr einer Kursrallye – und eines anschließenden Absturzes.
  • Große Risikobereitschaft. Um eine angemessene Rendite zu erhalten, gehen Anleger auf Risiko. Sie kaufen mit geliehenem Geld Rohstoffe, die wenig später nur noch zu einem niedrigeren Preis gehandelt werden.
  • Falsche Investitionen. Wenn die Zinsen zu niedrig sind, werden auch Projekte realisiert, die nicht ganz so tragfähig sind. Das kann schnell zur Insolvenz führen.

Nur wenn Investoren und Anleger nicht damit rechnen können, dass die EZB ihre Niedrigzinspolitik längerfristig verfolgt, werden solche Effekte ausbleiben – die Anleger sind dann vorsichtiger. Doch dazu braucht es ein entsprechendes Signal der europäischen Notenbanker.

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