Höhere Verteidigungsausgaben haben nur begrenzte gesamtwirtschaftliche Effekte
Die Bundesregierung will in den kommenden Jahren die Ausgaben für Verteidigungszwecke deutlich steigern. Der Effekt auf die Wirtschaftsleistung und andere makroökonomische Indikatoren dürfte IW-Berechnungen zufolge überschaubar sein. Aus politischer Perspektive ist die Stärkung der Bundeswehr dennoch notwendig.
- Von knapp 104 Milliarden Euro im Jahr 2025 sollen die Verteidigungsausgaben in Deutschland bis 2030 auf gut 198 Milliarden Euro steigen. Die Bundesregierung nutzt dabei bis 2027 auch das Sondervermögen.
- In diesem Zeitraum steigt der Anteil der Investitionen an den gesamten Verteidigungsausgaben von zuletzt gut 33 Prozent auf annähernd 44 Prozent.
- Der geplante Aufwuchs im Verteidigungsetat wird auch gesamtwirtschaftliche Effekte haben, allerdings ist der Impuls begrenzt. Insgesamt beläuft sich der Effekt auf das reale BIP auf rund 96 Milliarden Euro, das ist etwas mehr als die Höhe der kumulierten Mehrausgaben von rund 95 Milliarden Euro.
5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – auf dieses Niveau sollen die NATO-Staaten ihre Verteidigungsbudgets erhöhen, wobei die Ausgaben für verteidigungsrelevante Infrastruktur und Cybersicherheit einberechnet sind. Für den Kernbereich der Verteidigung müssen die Länder mindestens 3,5 Prozent des BIP aufwenden. Damit reagiert die NATO auf die neue Bedrohungslage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine – und die Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump.
Insgesamt beläuft sich der Effekt auf das reale Bruttoinlandsprodukt bis 2030 auf etwas mehr als 96 Milliarden Euro und übertrifft die kumulierten Mehrausgaben des Staates für Verteidigungszwecke von rund 95 Milliarden Euro damit nur leicht.
Die Bundesregierung hat den NATO-Beschluss in ihre mittelfristige Finanzplanung aufgenommen und nutzt dabei bis 2027 auch das Sondervermögen. Insgesamt wächst der Verteidigungsetat deutlich (Grafik):
Von knapp 104 Milliarden Euro im Jahr 2025 sollen die Verteidigungsausgaben in Deutschland bis 2030 auf gut 198 Milliarden Euro steigen.
Rund 43 Milliarden Euro der jeweils gegenüber dem Vorjahr hinzukommenden Ausgaben entfallen auf konsumtive Zwecke, also auf das Personal und den Unterhalt der Streitkräfte. Noch größer ist mit fast 52 Milliarden Euro der schrittweise Zuwachs bei den Investitionen, also dem, was an neuen Ausrüstungen für die Bundeswehr angeschafft sowie in die Erforschung neuer Militärtechnik gesteckt werden soll.
Der Anteil der Investitionen an den gesamten Verteidigungsausgaben steigt damit bis 2030 von zuletzt gut 33 Prozent auf annähernd 44 Prozent.
Bereits bestellt oder zur Beschaffung geplant sind hierbei unter anderem neue Kampfpanzer, Fregatten, U-Boote sowie Ausrüstungen, die für die Aufklärung, Kommunikation, Raketenabwehr und die Abwehr gegnerischer Kriegsführung im All benötigt werden. Geht man nach den aktuellen Stellenausschreibungen im Rüstungsbereich, werden von der höheren Nachfrage vornehmlich Hersteller in vier Bundesländern profitieren: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen.
Trotz dieser regionalen Konzentration der Rüstungsindustrie liegt es nahe, dass der geplante Aufwuchs im Verteidigungsetat auch gesamtwirtschaftliche Effekte haben wird. Das IW hat diese für den Zeitraum bis 2030 in einer Simulation berechnet. Das Ergebnis (Grafik):
Das reale Bruttoinlandsprodukt wird bis 2030 durch die steigenden Verteidigungsausgaben höher ausfallen, als es ohne diese der Fall wäre. Der Impuls ist allerdings begrenzt – das Maximum wird mit 0,9 Prozent im Jahr 2027 erreicht.
Insgesamt beläuft sich der Effekt auf das reale BIP auf etwas mehr als 96 Milliarden Euro und übertrifft die kumulierten Mehrausgaben des Staates für Verteidigungszwecke von rund 95 Milliarden Euro damit nur leicht.
Gedrosselt wird der BIP-Impuls unter anderem durch die zusätzlichen Importe, die benötigt werden, um die steigende Nachfrage nach Verteidigungsgütern zu decken. So fallen die Einfuhren 2027 um 1 Prozent höher aus als im Basisszenario der Simulation.
Dass die Mehrausgaben für die Verteidigung überhaupt auf die hiesige Wirtschaftsleistung durchschlagen, ist vorwiegend auf die zusätzlichen Investitionen zurückzuführen:
Infolge der zusätzlich benötigten Ausrüstungen für die Streitkräfte liegen die realen gesamtwirtschaftlichen Investitionen in den kommenden Jahren um bis zu 2,9 Prozent über dem Niveau des Szenarios ohne höhere Verteidigungsausgaben.
Tendenziell schwächt sich der Effekt allerdings nach 2027 ab.
Zudem belastet der wachsende Verteidigungsetat parallel die Staatsfinanzen – der Schuldenstand übertrifft das Niveau des Basisszenarios in der IW-Simulation bereits im Jahr 2029 um rund 64 Milliarden Euro oder knapp 2 Prozent.
Stärkere Forschung und Entwicklung in der allgemeinen Luft- und Raumfahrt nötig
Unterm Strich sind die positiven makroökonomischen Wirkungen der steigenden Verteidigungsausgaben in Deutschland also überschaubar. Stärkere Effekte wären längerfristig möglich, wenn etwa die geplanten Ausgaben für Weltraumsysteme und elektronische Kriegsführung zu mehr Innovationen und Investitionen in der allgemeinen Luft- und Raumfahrt sowie der IT-Industrie führen und damit über den Verteidigungsbereich hinaus ausstrahlen. Dazu bräuchte es jedoch – auch auf EU-Ebene – eine größere Bereitschaft und die entsprechenden Strukturen, um die Forschung und Entwicklung auf den genannten Gebieten zu steigern.
Die wirtschaftliche Relevanz der steigenden Verteidigungsausgaben ist am Ende aber nur ein Aspekt – vorrangig bleibt das Ziel, die äußere Sicherheit Deutschlands und Europas in einem risikoreicheren geopolitischen Umfeld zu gewährleisten.