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Höhere Löhne und Preise durch Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn hat zwar vor allem in Ostdeutschland zu erheblichen Preisanhebungen geführt. Er hat aber offenbar weniger Jobs gekostet, als erwartet – dank einiger Sondereffekte.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Mindestlohn hat offenbar weniger Jobs gekostet als erwartet.
  • Vor allem im Osten sind die Preise durch den Mindestlohn gestiegen.
  • Mindestlohnbezieher konnten sich über Lohnerhöhungen von bis zu 9,5 Prozent freuen.
Zur detaillierten Fassung

Unter den Anfang 2015 eingeführten Mindestlohn dürften knapp 4 Millionen Arbeitnehmer gefallen sein. Darunter waren nach amtlichen Berechnungen 2,2 Millionen Mini-Jobber, 890.000 Teilzeitbeschäftigte und 884.000 Vollzeitbeschäftigte. Insgesamt waren 10,7 Prozent aller Arbeitnehmer betroffen, 9 Prozent im Westen und 22 Prozent im Osten.

Mit der Einführung des Mindestlohns sind Minijobs abgebaut und im Gegenzug sozialversicherungspflichtige Stellen aufgebaut worden.

Die Zahl der Zugänge in geringfügige Beschäftigung lag im Januar 2015 um 73.900 niedriger als im Jahresdurchschnitt 2014 – die Zahl der Zugänge in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung dafür um 94.500 höher.

Dieser Umwandlungseffekt war im Osten größer als im Westen. Er fällt zudem in Branchen mit niedrigem Lohnniveau am deutlichsten aus.

Unklare Bilanz

Nicht geklärt ist bislang, ob im Zuge dieses Umwandlungsprozesses unter dem Strich Stellen verloren gegangen sind. Immerhin lassen sich gut 40 Prozent des Rückgangs der Mini-Jobs nicht mit einer Umwandlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erklären. Das spricht durchaus für einen gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungsverlust – Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beziffern ihn auf 40.000 bis 60.000 Stellen.

Der Mindestlohn hat die Preise nach oben getrieben die Verbraucherpreise stiegen aber insgesamt trotzdem nur geringfügig, aufgrund der guten wirtschaftlichen Umstände.

Unstrittig ist dagegen, dass der Mindestlohn die Preise nach oben getrieben hat. Im Taxigewerbe sind sie 2015 bundesweit um 12 Prozent gestiegen, in Sachsen sogar um 25 Prozent. Im stärker vom Mindestlohn betroffenen Osten zeigen sich weitere deutliche Preisüberwälzungen. Friseurleistungen sind um 8 Prozent teurer geworden, Schuhreparaturen um 7 Prozent, chemische Reinigungen um 6 Prozent und Restaurantbesuche um 5 Prozent.

Allerdings schlagen sich diese partiellen Preiserhöhungen kaum im gesamtwirtschaftlichen Preisindex nieder. Bundesweit legten die Verbraucherpreise 2015 nur um 0,3 Prozent zu. Die gesunkenen Energiepreise haben die Haushalte so stark entlastet, dass sie mindestlohninduzierte Preissteigerungen ohne erkennbare Konsumeinschränkungen verkraften konnten. Da auch die Unternehmen von sinkenden Energiepreisen und niedrigen Zinsen profitierten, waren die höheren Arbeitskosten zumindest im ersten Jahr des Mindestlohns kein gravierendes Problem.

Gestauchte Lohnstruktur

Wie der Mindestlohn die Lohnstruktur verändert hat, lässt sich besonders gut am Dienstleistungssektor zeigen. Dort sind die Bruttolöhne je Stunde im ersten Quartal 2015 gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal bundesweit um 1,6 Prozent gestiegen (Grafik). Angelernte und ungelernte Arbeitnehmer – also Gruppen, die vom Mindestlohn besonders profitiert haben dürften – konnten sich über deutliche Lohnsteigerungen freuen, insbesondere im Osten. Dort bekamen Ungelernte 9,5 Prozent und Angelernte 7,3 Prozent mehr Geld.

Diese Stauchung der Lohnstruktur hat sich bis zum vierten Quartal 2015 etwas zurückgebildet – sie bleibt aber bestehen.

Einfache Jobs werden teurer

Diese Entwicklung verteuert einfache Arbeit. Dadurch nimmt das Risiko dieser Beschäftitengruppe deutlich zu, im nächsten Konjunkturabschwung von einem möglichen Stellenabbau überproportional stark betroffen zu sein.

Die Hoffnung der Mindestlohnbefürworter, die Zahl der Aufstocker werde durch die festen Einstiegsentgelte deutlich sinken, hat sich nicht erfüllt. Sie lag im Januar 2015 nur um 11.000 niedriger als im Jahresdurchschnitt 2014.

Weitere Informationen:
Hagen Lesch / Christoph Schröder: Ein Jahr gesetzlicher Mindestlohn - Ein Faktencheck, IW-Trends

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