Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Bildung Lesezeit 4 Min.

Hochschulen: Fundament für Innovationen

Die Universitäten und Hochschulen in Deutschland sind essenziell für den erfolgreichen Transformationsprozess der Wirtschaft. Umso wichtiger ist es, dass sie sich durch zusätzliche öffentliche Mittel und bessere Rahmenbedingungen zukunftsfest aufstellen können.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Universitäten und Hochschulen in Deutschland sind essenziell für den erfolgreichen Transformationsprozess der Wirtschaft.
  • Umso wichtiger ist es, dass sie sich durch zusätzliche öffentliche Mittel und bessere Rahmenbedingungen zukunftsfest aufstellen können.
  • Zielführende Maßnahmen wären unter anderem, Forschungskooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen zu erleichtern, Ausgründungen zu stärken sowie die Ausbildung internationaler Studenten zu forcieren.
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Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demografie und Deglobalisierung – diese vier Megatrends verändern Deutschlands Wirtschaftslandschaft grundlegend. Der Schlüssel, um diesen Wandel erfolgreich zu gestalten, sind Innovationen. Dafür wiederum spielen die Hochschulen eine entscheidende Rolle. Sie bilden die Fachkräfte von morgen aus, sind wichtige Kooperationspartner für die Wirtschaft, forschen in zukunftsrelevanten Bereichen und sind durch die aus dem Ausland kommenden Studenten, die nach ihrem Studienabschluss in Deutschland bleiben, ein wichtiger Faktor der qualifizierten Zuwanderung.

Die gute Nachricht: In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Studienanfängerquote in Deutschland deutlich gestiegen. Während im Jahr 2000 erst ein Drittel des entsprechenden Geburtsjahrgangs ein Studium aufnahm, waren es 2023 schon 58 Prozent. Vor allem Frauen schreiben sich hierzulande immer öfter an den Universitäten ein: Ihre Studienanfängerquote lag im Jahr 2023 bei 63 Prozent.

Dass die Zahl der Studienanfänger in den kommenden Jahren weiter zunimmt, ist jedoch unwahrscheinlich. Das hat zwei Gründe: Zum einen sinkt aufgrund niedriger Geburtenraten schlicht die Zahl der jungen Menschen. Zum anderen führt die Umstellung der Gymnasiumsdauer von acht auf neun Jahre in einigen bevölkerungsstarken Bundesländern dazu, dass ganze Abiturjahrgänge als potenzielle Studienanfänger ausfallen.

Die Hochschulen in Deutschland brauchen zusätzliche öffentliche Mittel und bessere Rahmenbedingungen, damit sie sich zukunftsfest aufstellen können.

Umso wichtiger ist es, dass sich die Universitäten zukunftssicher aufstellen, um möglichst viele ihrer Studenten bestmöglich auf die Arbeitswelt von morgen vorzubereiten. Dazu hat das IW untersucht, welche Aspekte der Hochschulbildung den Unternehmen in Deutschland am wichtigsten sind (Grafik):

Die Unternehmen legen den größten Wert darauf, dass sie durch den Wissenstransfer von den Hochschulen Innovationsimpulse erhalten. Fast drei Viertel der Firmen bewerten diesen Aspekt als wichtig.

So viel Prozent der Unternehmen in Deutschland bewerten diese Aufgaben von Hochschulen so Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Jeweils rund 60 Prozent halten darüber hinaus die Unterstützung bei der Weiterbildung ihrer Angestellten – zum Beispiel durch Workshops oder berufsbegleitende Studiengänge – sowie Forschungskooperationen und die Förderung von Start-ups seitens der Universitäten für wichtig.

Wie die Politik die Universitäten stärken kann

Damit die Studenten diesen Erwartungen gerecht werden, muss die Politik den Universitäten unter die Arme greifen. Das IW hat dazu eine Reihe von Vorschlägen:

  • MINT-Fachkräftebasis sichern. Die Schulen sollten in ihrer Berufs- und Studienorientierung die Relevanz von MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) stärker betonen. Zudem sollten die Hochschulen ihr MINT-Lehrangebot ausbauen sowie Brückenkurse und Begleitmaßnahmen für Studenten anbieten, um die Studienabbrecherquoten in diesem Bereich zu senken.
     
  • Forschungsausgaben erhöhen. In den vergangenen Jahren lag der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung an den Hochschulen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) hierzulande bei rund 0,6 Prozent – damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Der Staat sollte die Forschungsausgaben auf 0,9 Prozent des BIP erhöhen und dabei vor allem die Bereiche Digitalisierung und Klimaschutz in den Blick nehmen.
     
  • Kooperationen fördern. Die Regierung sollte Forschungskooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen erleichtern und ausbauen – etwa, indem sie bürokratische Hürden abbaut, Transferzentren stärkt und die Regeln für Forschungssemester von Lehrpersonen so erweitert, dass mehr Gastaufenthalte in Unternehmen und Politik möglich sind.
     
  • Ausgründungen stärken. Um Studenten zu motivieren, innovative Ideen in Unternehmensgründungen umzumünzen, sollten Hochschulen gründungsfördernde Strukturen aufbauen – zum Beispiel durch zusätzliche Veranstaltungen, Mentoringprogramme oder Wettbewerbe. Die bestehende Gründungsförderung an Hochschulen sollte verstetigt und Ausgründungen durch einen verbesserten rechtlichen Rahmen beschleunigt werden.
     
  • Akademische Weiterbildung ausbauen. Die Hochschulen sollten ihre Studienangebote für Beschäftigte durch berufsbegleitende modulare Programme verbessern und auf Themen wie künstliche Intelligenz und andere Schlüsseltechnologien ausrichten.
     
  • Ausbildung internationaler Studenten stärken. Generell ist Deutschland hier auf einem guten Weg – die Zahl der internationalen Studenten nimmt immer weiter zu und lag im Wintersemester 2023/24 bei annähernd 380.000 (Grafik). Um noch mehr angehende Akademiker für Deutschland zu gewinnen, muss vor allem der Zugang für Interessenten aus Drittstaaten durch schnelle Visavergaben vereinfacht werden. So viele Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit und ausländischer Hochschulzugangsberechtigung waren im jeweiligen Wintersemester an deutschen Hochschulen eingeschrieben Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Stipendien- und Bürgschaftsprogramme können bei der Finanzierung ihres Lebensunterhalts helfen. Sind die jungen Menschen einmal hierzulande eingeschrieben, sollte mehr Personal an den Hochschulen eingesetzt werden, um die ausländischen Studenten zu begleiten, beim Spracherwerb zu unterstützen und besser auf den deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten.

  • Internationalen Austausch fördern. Die EU sollte ihr internationales Austauschprogramm Erasmus+ weiter ausbauen und auf Forschende ausdehnen, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen zu intensivieren.

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